Di., 07.11.2017

Kleiner Stinker 60 Jahre Trabi: Faszination für das Kultauto ist ungebrochen

Frank Hofmann betreut das Versandhaus «Trabantwelt.de» in einem einzigartigen Trabant 601 S de luxe.

Frank Hofmann betreut das Versandhaus «Trabantwelt.de» in einem einzigartigen Trabant 601 S de luxe. Foto: Hendrik Schmidt

Zumindest an der Wiege des Trabants in Zwickau rollt hin und wieder eine «Pappe» durch die Straßen. Der kleine Stinker ist zwar nicht mehr massenkompatibel, doch das DDR-Symbol hat auch 60 Jahre nach seiner Erfindung eine treue Fangemeinde - weltweit.

Von dpa

Zwickau (dpa) - Sobald Frank Hofmann den Zündschlüssel herumdreht,ist die Erinnerung wieder da. Das vertraute Knattern und der typischeAbgasgeruch des Benzingemischs können nur zu einem gehören - demTrabant.

Auch 60 Jahre, nachdem am 7. November 1957 mit dem «P50» inZwickau die erste «Pappe» vom Band lief, fasziniert das Auto mit demKulleraugen-Gesicht. «Der Trabi ist einfach ein Auto, das sichabhebt», sagt der Trabi-Fan, der selbst einen baligelben P 601 fährt.

Er muss es wissen. Jeden Tag teilt er seine Leidenschaft mit anderentreuen Anhängern des Trabants, von dem bis 1991 rund drei MillionenStück gebaut wurden. Der Zwickauer ist Inhaber einesOnlineversandhandels Trabantwelt für Ersatzteile. Diese werden inKleinserien fabrikneu produziert.

Als er damit 2003 anfing, hätten ihm viele ein schnelles Endeprophezeit, erzählt er. «Damals waren wir zu zweit und hatten dreiKartons voller Teile im Keller stehen.» Heute vertreibt er 1500Artikel von der kleinsten Schraube bis zum kompletten Trabi-Motor,füllt damit drei Lager und beschäftigt acht Mitarbeiter.

«Der Trabant ist das Gegenteil unserer technisierten Welt von heute»,schwärmt der Mittvierziger, dem es der Trabi seit Kindheitstagenangetan hat. Es genügten wenige Kenntnisse, um das Kultauto selbst zureparieren, weil es technisch denkbar einfach aufgebaut sei.

Genau das war die Vorgabe des DDR-Ministerrats aus dem Jahr 1954:Robust, sparsam und preiswert sollte der Kleinwagen sein. Weil Blechin der DDR Mangelware war, entwickelten Konstrukteure die berühmteKunststoff-Karosserie aus Duroplast.

Aus welch einfachen Mitteln die «Rennpappe» entstanden ist, schildertder inzwischen verstorbene Trabi-Chefkonstrukteur Werner Lang ineiner Dokumentation des Filmemachers Eberhard Görner, die im FrühjahrPremiere feierte. «Wolle auf Asphalt - Das Experiment Trabant» liefseitdem nicht nur in Programmkinos in Dresden oder Halle, sondernzuletzt auch in der Schweiz. Selbst eine Einladung nach Texas gebe esbereits, sagt Görner.

Das Interesse an dem Kultauto reiche längst über deutsche Grenzenhinaus, bestätigt Frank Hofmann. Die Trabantwelt-Päckchen gehendemnach nach England, Belgien, Ungarn, Russland, Australien und indie USA. Einen Bremszylinder habe er sogar schon bis Namibiaverschickt.

Der Zweitakter gilt als Symbol für Sozialismus und Planwirtschaft.Schon kurz nach seiner Erfindung trat die Staatsführung bei derWeiterentwicklung auf die Bremse. Erst ab Ende der 80er wurde einViertaktmotor von Volkswagen im Trabant verbaut - da war die DDRjedoch fast am Ende und das übrige Auto bereits hoffnungslosveraltet.

Für Hofmann zahlt sich der fehlende technologische Fortschritt heuteaus. «Ich brauche eigentlich keine Nummern aus der Zulassung, weildas meiste zwischen 1958 und 1991 ohnehin deckungsgleich ist», so derTrabantwelt-Chef. Die Lieferzeit hingegen habe sich dramatischverändert, meint er augenzwinkernd: Während DDR-Bürger imDurchschnitt zwölf Jahre auf ihren Trabant warten mussten, hat derTrabi-Fan von heute sein Ersatzteil bereits am nächsten Tag.

Mit aktuell rund 34 500 zugelassenen «Rennpappen» in ganz Deutschlandsei der Trabi nicht nur ein Ost-Ding, sagt Wolfgang Kießling. Er istVorsitzender des Internationalen Trabant-Registers . Der Verein hältalle Markenrechte am Trabant und betrieb mit rund 20 Aktiven bis vorwenigen Tagen eine mobile Trabi-Ausstellung. Diese muss nun ausKostengründen vorerst im Depot des Zwickauer August Horch Museumsunterkommen.

Kießling beobachtet vor allem unter jüngeren Menschen ein zunehmendesInteresse, das sich nicht nur mit dem Nostalgiefaktor erklären lasse.Das Kultauto sei auf dem Weg zum Oldtimer, den es möglichstoriginalgetreu aufzubauen gelte. Eine Wertanlage sei der Trabant zwarnoch nicht. Doch für gut restaurierte Modelle wie den Trabant Tramp,die zivile Variante des «Kübel» der DDR-Armee, würden bereits um die10 000 Euro gezahlt.

An der Wiege des Trabant laufen indessen die letzten Vorbereitungenfür einen großen Auftritt des kleinen Stinkers: Das August Horch Museum wurde erweitert und eröffnet am 10. November eine neueDauerausstellung. Drei Viertel der hinzugekommenen Fläche gehörenzukünftig allein dem Trabant, sagt Museumssprecherin AnnettKannhäuser. 

Der allererste Trabi wird zwar nicht zu sehen sein, dafür aber dieNummer 57 aus der Nullserie mit 150 Wagen. Über den Verbleib derFahrzeuge davor sei hingegen nichts bekannt. Nummer 57 rollte dafürdirekt vom Band ins Museum - denn die Geschichte des Kultautos wirdnun dort erzählt, wo der Trabi vor 60 Jahren im Werk II des VEBSachsenring losknatterte.



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