Mo., 18.09.2017

Karriere Schlagfertigkeit üben - Tipps und Ideen

Karriere: Schlagfertigkeit üben - Tipps und Ideen

Foto: colourbox.de

Ein Kollege macht einen dummen Spruch über Kai. Der würde am liebsten in der Erde versinken. Noch am Abend grübelt er darüber nach. Dann endlich fällt ihm ein, was er hätte erwidern und den Kollegen zeigen können, dass er so nicht mit sich umspringen lässt.

Doch zu spät. Um in einer Situation wie Kai sie erlebte schnell und angemessen zu reagieren, braucht es Schlagfertigkeit. Den meisten Menschen jedoch fällt die passende Antwort aber erst später ein. „L’idée de l’escalier“ nennen die Franzosen Schlagfertigkeit, wenn einem nicht erst nach dem Abschied im Treppenhaus die richtige Idee kommt. Das Fechten mit dem „Florett des Geistes“ kann erlernt werden.

Der Geist muss in einer Situation bereit und fähig sein, rasch und beweglich den zum Schlag fertigen Gedanken in passende Worte zu fassen. Und wie ein Fechter mit seinem Florett trainiert, sollte es auch jeder, der seine Schlagfertigkeit verbessern will.

Blockade verhindert schnelle Antwort

Was hält uns Menschen davon ab, schlagfertig zu reagieren? In einer überraschenden Situation blockieren wir, diese Blockade setzt uns unter Druck. Fühlen wir uns persönlich verletzt, bloßgestellt, blamiert, setzt eine Art Schock-Starre ein. Neurolinguisten haben wissenschaftlich nachgewiesen, dass dann im Gehirn ein gewitterähnlicher Zustand herrscht. Der Mensch verkrampft, kann nicht mehr richtig atmen, ihm ist die Kehle wie zugeschnürt, die Stimme trocken und schrill, er errötet, stottert. Wer versucht, diese Symptome zu unterdrücken, macht sie nur noch schlimmer. Es gilt, den Druck abzubauen. Einige Methoden: Den Körper lockern, vor allem die Muskeln in den Armen und im Gesicht. Den Körper erden, das bedeutet zum Beispiel bequem auf der gesamten Stuhlfläche zu sitzen und nicht angespannt auf der Kante zu hocken. Bewusst tief atmen. Den Blickkontakt mit dem Gegenüber halten. Sich von der Person in Gedanken lösen und sich auf eine Sachebene begeben.

Im Alltag trainieren

Nun gilt es die Schlagfertigkeit zu trainieren. Und zwar tagtäglich, bei jeder Gelegenheit. Gespräche sollten aufmerksam verfolgt werden, auch im Radio oder Fernsehen. In Gedanken kann eine schlagfertige Antwort gegeben werden. Wenn das immer und immer wieder geübt wird, kommen die Antworten immer schneller, die Schlagfertigkeit wird von Tag zu Tag besser. Ganz wichtig: nicht nach Perfektion streben. Perfektion ist der größte Feind der Schlagfertigkeit. Denn sie bremst die Spontaneität in schwierigen Situationen. Erst einmal gilt es, überhaupt zu antworten, der Inhalt wird dann mit der Übung immer besser.

Hier noch einige Taktiken, die von Schlagfertigkeits-Trainern empfohlen werden:

  1. Maßlos übertreiben. Der Angriff des Gesprächspartners zerplatzt so im Humor. Es wird deutlich, dass einen die Polemik nicht getroffen hat. Beispiel: „Paul, du hast aber heftig zugenommen.“ Antwort: „Stimmt, neulich ist sogar die Hinterachse im Bus gebrochen.“
  2. Kategorisches Zurückweisen. Beispiel: „Das war aber ein unausgegorener Vorschlag.“ Antwort: „Der Vorschlag ist absolut ausgegoren, auch wenn sich das Ihnen bisher nicht erschlossen hat.“
  3. Unerwartete Zustimmung. Beispiel: „Deine Mutter ist ja nur eine Hausfrau.“ Antwort: „Stimmt, sogar am Wochenende.“
  4. Mit Humor reagieren. Beispiel: „Du bist das Letzte!“ Antwort: „Du hast recht, das Beste kommt immer zum Schluss.“
  5. Umkehr-Taktik. Der britische Premierminister Winston Churchill war bekannt für seine Schlagfertigkeit. Bei einem Abendessen sagte eine Dame zu ihm: „Wenn ich Ihre Frau wäre, hätte ich ihnen Gift in den Kaffee gekippt.“ Churchills Antwort: „Wenn ich Ihr Mann wäre, hätte ich ihn getrunken.“
  6. Eine Sammlung von Schlagfertigkeits-Sprüchen anlegen, auf die jederzeit zurückgegriffen werden kann. Beispiele: „Das sehen Sie richtig.“ „Das überlege ich mir noch.“ „Das ist Ihre Meinung.“ „Das kann jeder behaupten.“, „Ich habe das leider nicht verstanden. Was wollen Sie mir damit sagen?“ „Daran werden Sie sich gewöhnen müssen.“ „Sie sprechen hörbar, aber nicht verstehbar.“ „Das haben Sie gut beobachtet.“
  7. Ironische Komplimente machen. Beispiel: „Diese witzige Bemerkung hätte ich Ihnen nicht zugetraut.

Nicht gegen Schwächere einsetzen

Schlagfertigkeit ist jedoch kein Instrument, um Konflikte zu schlichten und Gegner zu Freunden zu machen. Im Gegenteil, sie kann Konflikte noch verschärfen. Deshalb ist zu bedenken, ob besser darauf verzichtet wird, wenn die Stimmung zum Beispiel im Kollegenkreis nicht verschlechtert werden soll. Und bei Verhandlungen hat Schlagfertigkeit gar nichts zu suchen.

Nie sollte das „Florett des Geistes“ eingesetzt werden, um andere Menschen lächerlich zu machen, sich auf Kosten Schwächerer zu profilieren. Wer aber kein Opfer unfairer Angriffe mehr sein, peinliche Situationen meistern und sich selbstbewusster durchsetzen will, sollte die „Fechtkunst mit Worten“ tagtäglich trainieren, um sie immer besser zu beherrschen.



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