Mo., 30.10.2017

Karriere Arbeit 4.0: Wohlbefinden der Angestellten im Mittelpunkt

Karriere: Arbeit 4.0: Wohlbefinden der Angestellten im Mittelpunkt

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Wohlbefinden first – dieses Motto zieht sich momentan durch nahezu alle Lebensbereiche. Ob der Hype um Hygge oder Yoga: Hauptsache, Körper und Geist sind im Einklang. Nun scheint das neue Lebensgefühl auch in der Arbeitswelt angekommen zu sein. So lockern nicht nur immer mehr Unternehmen ihre Dresscodes, sondern werben auch mit flachen Hierarchien, Tischkicker-Turnieren, einem täglichen Angebot an frischem Obst und Gemüse und einer optimalen Work-Life-Balance. Sieht so die Arbeitswelt von morgen aus?

Nicht nur der Alltag, auch die Arbeitswelt hat sich durch die Digitalisierung stark verändert. Prozesse werden automatisiert, mehr und mehr Dienstleistungen werden von smarten IT-Systemen übernommen und, der Globalisierung sei Dank, Mitarbeiter auf der ganzen Welt sind miteinander vernetzt. Das physische Büro verliert dadurch zunehmend an Bedeutung. Aber auch die Ansprüche an Arbeit und die damit einhergehenden Bedürfnisse befinden sich im Wandel. So stehen heute mehr denn je die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf, persönliches Glück und Selbstverwirklichung an erster Stelle.

Glückliche Mitarbeiter – erfolgreiche Unternehmen?

Einen Beruf als Berufung ausüben, kein Nine-to-Five-Job, der den Geist ermüdet, genug Zeit für Freizeitaktivitäten und die Familie – für viele Angestellte ist das immer noch ein Wunschtraum. Nun propagieren immer mehr Unternehmen ein neues Arbeitsgefühl: Arbeit soll Spaß machen und sinnstiftend sein. Damit kommen sie einem Bedürfnis der deutschen Erwerbstätigen nach. So spielt die Unternehmenskultur laut einer aktuellen Studie für die Mitarbeiterzufriedenheit eine wesentlich größere Rolle als das Gehalt. Und so verwundert es kaum, dass sich die Prioritäten in vielen Unternehmen verschieben. Menschen wollen heute nicht mehr nur Geld verdienen; die Arbeit selbst ist zu einem wichtigen Faktor für ein erfülltes Leben geworden. In Zeiten der Digitalisierung und eines hektischen Alltags steigt das Bedürfnis nach Entschleunigung – auch auf der Arbeit. Unternehmen versuchen dem gerecht zu werden, indem sie ihren Angestellten zeitliche und örtliche Flexibilität und flache Hierarchien bieten. Das „Du“ wird selbst in den Führungsetagen zur Selbstverständlichkeit, Feel-Good-Manager sollen Kollegen mit gesponserten Yoga-, Fitness- und Teamevents das Gefühl vermitteln, dass Arbeit auch Freizeit sein kann. Das Ziel: Wenn die Mitarbeiter glücklich sind, ist das Unternehmen erfolgreicher. Denn der Wandel von einer Industrie- zur Wissensgesellschaft erfordert Innovationen – New Work ist das Stichwort hierfür.

Bequeme Bürokleidung: Unternehmen lockern Dresscode

„Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Dieses Zitat von Modezar Karl Lagerfeld gilt heute weniger denn je. Denn auch in Bezug auf die Bekleidungsvorschriften sollen sich Mitarbeiter im Büro wohlfühlen. Während noch vor einigen Jahren Krawatte, Kostüm und Anzug Pflicht waren, verlieren strenge Dresscodes mehr und mehr an Bedeutung. Der Casual Friday dürfte den meisten inzwischen ein Begriff sein. Aber nicht nur an Freitagen erlauben selbst Manager sich heutzutage, bequemere Kleidung zu tragen. Kostüme mit Pumps und Nadelstreifenanzüge mit Lederschuhen weichen Jumpsuits und weit geschnittenen Hosen, sportlichen Shirts, Sneakern und Jacketts. Die neue Freiheit bei der Bürokleidung mag dem einen oder anderen noch Schwierigkeiten bereiten. Dabei gibt es viele Kombinationsmöglichkeiten, mit denen auch weit geschnittene Jogging- und Feel-Good-Hosen wie diese bürotauglich werden – bei Frauen wie Männern. Smart Casual ist hier das Stichwort: So dürfen weibliche Mitarbeiterinnen durchaus ein T-Shirt statt einer Bluse tragen. Allerdings sollte dieses sowohl hochwertig und gut geschnitten sein als auch perfekt auf das Outfit abgestimmt werden. Schlichte dunkelblaue oder schwarze Jeans kommen am besten mit schickeren Schuhe wie Stiefeletten oder Pumps zur Geltung. Während der Dresscode Business Casual gehobene Kleidung wie einen klassischen Anzug erfordert, nähert sich Smart Casual immer mehr dem Freizeitstil an: Herren können im Büro beispielsweise eine hochwertige Jeans mit einem Polohemd, einem lockeren Jackett und Segelschuhen kombinieren.

Dass lässige Kleidung dem Erfolg nicht schadet, beweisen Männer wie Steve Jobs und Mark Zuckerberg. Der Facebook-Gründer trägt nach eigenen Angaben stets graue Shirts und Jeans, um Entscheidungen, die Energie und Zeit kosten, zu vermeiden – dazu zählt seiner Ansicht nach eben auch die Kleiderwahl.
Doch ob sich die Arbeitswelt durch die „Feel-Good-Bewegung“ nachhaltig verändern wird, mag bezweifelt werden. So verdienen etwa Männer nach ihrem Studienabschluss nach wie vor mehr als Frauen mit der gleichen Qualifikation. Große Unterschiede gibt es zudem zwischen den Branchen: Während „New Work“ in kreativen Berufen schon an der Tagesordnung ist, wird es im Versicherungs- und Finanzwesen wohl noch dauern, bis traditionelle, starre Strukturen durchbrochen werden.



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