Fr., 15.09.2017

Linguistik Sprache im Wandel

Linguistik: Sprache im Wandel

Foto: ©istock.com/percds

Vor wenigen Wochen erschien die neuste Auflage des Duden und sorgte mit seiner Ergänzung von etwa 5000 Wörtern für Aufregung.  Kritiker bemängeln den Verfall der deutschen Sprache durch die Einführung zahlreicher Anglizismen und spotten über den Duden als neues Standardwerk der denglischen (deutsch-englischen) Sprache. Gerade die Anerkennung eines neuen Ausdrucks durch den Duden verleiht ihm einen gewissen "offiziellen" Charakter, da der Duden als sprachliche Autorität gilt.

Sprache war nie statisch

Es scheint fast, als wäre es ein neues Phänomen, dass neue Wörter zu einer Sprache hinzugefügt werden. Dem ist allerdings nicht so, da die aktuellen Gegebenheiten einer jeder Zeitspanne dazu führten, dass neue Wörter hinzukamen, aber auch dazu, dass bereits bestehende Wörter eine andere Bedeutung gewannen. So hatte das Wort Wiedervereinigung vor der Teilung Deutschlands eine ganz andere Bedeutung als heute. Durch die Ereignisse der späten 80er und frühen 90er Jahre bekam das Wort eine neue Bedeutungsdimension und seither schwingt viel Kontext mit, wenn das Wort Wiedereinigung fällt.

Dass sich Sprache heute schneller ändert als früher, ist unter anderem der Globalisierung und dem technischen Fortschritt geschuldet. Durch den Austausch mit anderen Kulturen finden neue Ausdrücke auch den Weg in die deutsche Sprache. Da Englisch weltweit dominiert, sind es besonders viele Anglizismen, die nun auch im Deutschen als gängiges Vokabular betrachtet werden. Sei es nun Roadtrip, tindern oder Jumpsuit, diese Begriffe haben auch im Deutschen ihre Daseinsberechtigung. So sieht es auch Bastian Sick, Autor des vieldiskutiertem "Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod". Sick sagt  im Interview mit Deutschlandfunk Kultur, dass Sprache etwas demokratisches sei, denn wir alle entscheiden, welche Wörter genutzt werden und welche nicht.

Dieses Phänomen ist natürlich nicht nur der deutschen Sprache vorbehalten. Jede gesprochene Sprache befindet sich im Wandel. Dieses Wissen macht sich beispielsweise die Übersetzungsbranche zu nutzen, allen voran das Hamburger Übersetzungsbüro Easytrans24.com, denn sie haben ihr eigenes Mutterlandsprinzip entwickelt, bei dem der jeweilige Übersetzer zwingend in dem Land lebt, in dessen Sprache er oder sie einen Text übersetzen will. Denn nur so kann garantiert werden, dass der Übersetzer auch aktuelle Änderungen der Sprache hautnah miterlebt und entsprechend einen authentischen Text verfasst.

Meistens verläuft der Wandel der Sprache relativ unbewusst. Einige Ausdrücke schleichen sich nahezu ein. Bewusst Sprache verändern zu wollen, ist extrem schwierig, aber dennoch gibt es Gruppen, die sich genau dafür einsetzen. Zum Beispiel setzt sich der Verein Zwanzigeins dafür ein, dass Zahlen künftig nicht mehr nur zuerst aus der Einerstelle und dann der Zehnerstelle gebildet werden, sondern wie zum Beispiel im Englischen, erst die Zehner- und dann die Einerstelle gebildet werden. Dass wir bald alle von vierzigneun und achtzigdrei sprechen, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

Woher kommen die aktuellen Ergänzungen des Dudens?

Bei über 5000 neuen Wörtern, liegt die Frage nahe, woher diese eigentlich genau kommen. Es gibt generell verschiedene Gruppen, die sich erkennen lassen. Im Folgenden stellen wir Ihnen drei Gruppen der Wortherkünfte vor.

Technik

Aufgrund technischer Neuerungen treten immer wieder neue Wörter in den Sprachgebrauch. Auch das Wort  Handy war einst ein Neuzugang im Duden. Seit 1996 gehört es allerdings fest zum Dudeninventar. Heute sind es Worte wie Tablet oder sogar Phablet (ein besonders großes Smartphone), die einen Platz im Duden bekommen.

Popkultur

Ob Selfie oder Tindern, die Popkultur hat einen großen Einfluss auf die Sprache. Natürlich überschneidet sich dieser Punkt auch mit den technischen Neuerungen, da ohne hochauflösende Smartphones mit Frontkamera Selfies nicht so beliebt wären, allerdings sind es gerade viele Apps und soziale Medien, die gewisse Begriffe prägen. So etwa der Begriff Hashtag, der jetzt auch im Duden vertreten ist.

Mode

Die Form eines Kapuzenpullovers ist nicht neu. Der Name Hoodie hingegen schon. Hoodie spricht eine andere, eine jüngere Zielgruppe an als der Kapuzenpullover. Der Begriff ist soweit durch die deutsche Sprache gedrungen, dass er jetzt auch im Duden einen Platz findet. Ein Jumpsuit verkauft sich nun einmal auch besser als ein einteiliger Hosenanzug. Somit findet oft auch die Marketingsprache Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch. Dass dabei englische Begriffe bevorzugt werden, liegt nicht zuletzt an der amerikanischen Leitkultur.



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