Fr., 25.09.2015

Technik Gema-Lizenzgebühren: Veranstalter unter Druck – Alternative für 2016 angekündigt

Technik : Gema-Lizenzgebühren: Veranstalter unter Druck – Alternative für 2016 angekündigt

Um dem Urheberrecht von Textern und Komponisten gerecht zu werden, kassiert die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) Lizenzgebühren. Veranstalter sind von den Unkosten nicht begeistert. Nicht nur Diskotheken-Betreiber leiden unter den zunehmenden Fixkosten. Auch eine Vielzahl Restaurants, Friseure oder Gemeinden sieht sich in Bezug auf die Musiknutzung unter Druck. Das Risiko unwissend in die GEMA-Falle zu tappen, ist groß. Wer Strafzahlungen vermeiden will, muss mit der GEMA rechnen. Die Vorgehensweise der GEMA bleibt umstritten. Veranstalter die keine GEMA-Gebühren zahlen können, müssen zu gemafreier Musik greifen. Für das kommende Jahr kündigt sich eine Alternative an. Das Unternehmen C3S will mit einem zeitgemäßen Urheberrecht das GEMA-Monopol brechen.

Der Zuckerwasser-Prozess und seine Folgen

In der Geschichte des Urheberrechts spielte Komponist Ernest Bourget eine zentrale Rolle. Als er 1847 in einem Pariser Café seine eigene Musik hörte, weigerte er sich sein Zuckerwasser zu bezahlen, ein damaliges Trendgetränk. Schließlich hatte der Café-Besitzer auch nicht für die Verwendung seiner Musik bezahlt. Zwischen Wirt und Komponist kam es zum Rechtsstreit, der als sogenannter Zuckerwasser-Prozess in die Geschichte einging. Nachdem Bourget gewann, war Frankreich das erste Land, das eine Gesellschaft für Urheber gründete. Sie setzte sich für die Urheber von Musikstücken ein und sorgte dafür, dass sie bezahlt wurden, sobald ihre Titel gesungen oder gespielt wurden. In Deutschland gründeten Künstler die Genossenschaft Deutscher Tonsetzer sowie die Anstalt für musikalisches Aufführungsrecht nachdem 1902 das Urheberrechtsgesetz in Kraft trat.

Solange Texter und Komponisten weniger als 70 Jahre verstorben sind, müssen seither Gebühren für entsprechende Musik gezahlt werden. Die GEMA ist als Verwertungsgesellschaft dafür zuständig diese Gebühren einzuziehen und sie an die jeweiligen Künstler weiterzureichen. Voraussetzung für eine Beteiligung ist die GEMA-Mitgliedschaft. Derzeit zählt die GEMA knapp 70.000 Mitglieder. Unternehmenssprecherin Gaby Schilcher stellt klar, dass nicht nur die Großen ihren Anteil von der Gema bekämen, sondern jeder Künstler, der gespielt wird. Egal ob Alleinunterhalter, Radiosender oder Clubbetreiber – alle sind verpflichtet Gebühren zu zahlen. Nach jeder Veranstaltung ist eine Liste mit den abgespielten Titeln einzureichen. Wird ein Lied besonders häufig gespielt, orientiert sich der Anteil daran und wird höher angesetzt. Viele Gemeinden und Bezirksdirektionen sehen die GEMA-Gebühren relativ entspannt. Schließlich würden die Veranstalter über Musik ihre Kundschaft anlocken und da sie diese nicht selbst komponiert haben, sei es nur fair, dass die Urheber beteiligt werden.

Schlagzeilen und Fakten

Mit Negativschlagzeilen muss die GEMA dennoch rechnen. Beispielsweise berichteten die Schleswiger Nachrichten von Senioren, die laut GEMA mit ihrem Schlager-Singkreis Urheberrechte verletzten. Aufmerksam wird die GEMA auf derartige Veranstaltungen durch die „systematische Auswertung von Zeitungsmeldungen“, so der Bericht unter shz.de. Derartige Vorfälle sorgen landesweit für Diskussionen über die GEMA-Tarifstruktur. Grundsätzlich darf eine Verwertungsgesellschaft wie die GEMA immer dann Geld verlangen, wenn Musik öffentlich genutzt wird. Dabei spielt es keine Rolle ob Titel abgespielt, aufgeführt oder gesungen werden. Der hierbei zugrunde gelegte Spielraum ist der Hauptgrund für Auseinandersetzungen. „Doch letztlich bestimmt die GEMA nicht selbst, wann für die Musikwiedergabe bezahlt werden soll. Vergütungspflichtig ist die sogenannte „öffentliche Wiedergabe“, wie sie im Urheberrechtsgesetz definiert wird.“, so der Hinweise  unter irights.info, einer Informationsplattform für Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt.

Alternative Lösungen

Veranstalter, die hohen Gebühren entgehen möchten, verwenden gemafreie Musik. Musikwerke sind immer dann gemafrei, wenn sie nicht bei der GEMA angemeldet und Musiker kein GEMA-Mitglied sind. „GEMA-freie Musik hat den großen Vorteil, dass nach einmaliger Bezahlung für die entsprechende Nutzung (Lizenzierung), keine Folgekosten auf den Kunden / Nutzer zukommen.“, heißt es  unter evermusic.de, einem Internetangebot für gemafreie Musik und Auftragskomposition. Mit Hilfe derartiger Services gelangen Unternehmer und Veranstalter an gemafreie Musik, ohne auf professionell erstellte Titel verzichten zu müssen. Sowohl in YouTube-Videos und Imagefilmen als auch im  Kino, TV oder auf Messen sind gemafreie Titel im Einsatz.

Gründer der Cultural Commons Collecting Society, kurz C3S, wollen mit ihrem Angebot eine zeitgemäße Alternative präsentieren und das GEMA-Monopol brechen. Mit Hilfe von Fördergeldern arbeitet ein kleines Team, das zum Großteil aus ehrenamtlichen Mitarbeitern besteht, an der Zulassung von C3S als Verwertungsgesellschaft. C3S will Künstlern mehr Selbstbestimmungsrechte und Freiheiten einräumen. Einer der markantesten Unterschiede wird sein, dass Künstler ihre Werke kostenlos unter der CC-Lizenz anbieten dürfen. Weil das EU-Urheberrecht derzeit reformiert wird, kann es bis zur Klärung der Rechtslage noch dauern. Ob C3S nach dem geplanten Start 2016 dem Monopolist GEMA tatsächlich Konkurrenz machen kann, bleibt abzuwarten.

Bildquellen: „Unsplash“ – www.pixabay.com



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