Do., 20.10.2016

Vielfach ausgezeichnet Promi-Geburtstag vom 20. Oktober: Danny Boyle

Vielfach ausgezeichnet : Promi-Geburtstag vom 20. Oktober: Danny Boyle

Foto: Andrew Cowie

Mit «Kleine Morde unter Freunden» und «Trainspotting» wurde Danny Boyle bekannt, für «Slumdog Millionär» gewann er einen Regie-Oscar . Nun feiert der britische Meister der visuellen Unterhaltung seinen 60. Geburtstag.

Von dpa

London (dpa) – Erst als Schauspieler Ewan McGregor im Juli Edinburghs Haupteinkaufsstraße entlangfetzt und Danny Boyle neben der Kamera kritisch zuschaut, ist auch den größten Zweiflern klar – «T2: Trainspotting 2» wird tatsächlich gedreht.

Gut 20 Jahre nach dem 1996er Kultfilm vereinigt Boyle die alte Bande Renton (McGregor), Spud, Sick Boy und Begbie wieder auf der Leinwand. Sogar der ehemalige Titelsong, Iggy Pops «Lust for Life», heizt wieder ein.

Anfang Februar soll der Film - eine Adaption von Irvine Welshs «Porno» - in die Kinos kommen. Die Erwartungen der Fangemeinde sind groß, und Danny Boyle vertraute der Unterhaltungsplattform IGN an: «Das Publikum wird uns kreuzigen, falls wir eine Version nur wegen des Geldes abliefern. Sie würden sich betrogen fühlen, und das zu Recht.»

Am Donnerstag (20. Oktober) feiert der vielfache Preisträger seinen 60. Geburtstag. Er wuchs auf als Daniel Boyle in einer kleinen Industriestadt in der Nähe von Manchester in einer irischen Arbeiterfamilie. Sein erster Kinobesuch mit neun oder zehn Jahren – «Die letzte Schlacht», ein amerikanischer Kriegsfilm - hinterlässt einen bleibenden Eindruck: «Obwohl wir eine Glotze hatten, schauten wir nicht wirklich Filme. Leute mit meiner Herkunft taten das einfach nicht - Filme waren ein echtes Geburtstagsgeschenk.»

Seine Verbundenheit mit der nordenglischen Arbeiterbewegung spiegelt sich wider in der Art, wie er Filme macht – flache Hierarchien im Umgang mit der Crew und misstrauisch gegenüber dem sogenannten Champagner-Sozialismus vieler seiner britischen Kollegen.

Boyle studiert English und Drama und verfällt dem Schauspielern: «Wenn Sie so energiegeladen und laut sind, wie ich es war, zieht man Sie für Rollen heran.» Doch erst als er seine eigene Abschlussarbeit, eine Inszenierung von Samuel Becketts absurdem «Spiel», auf die Bühne bringt, findet er seine Berufung: «Da hat es mich wirklich gepackt – hinter den Kulissen fühlte ich mich viel wohler» gestand er in einem Interview der «Directors Guild of America».

Ehe er beim Film landet, arbeitet er als Theaterregisseur bei der Royal Shakespeare Company und Intendant des angesehenen Royal Court Theaters. Dann wird er Redakteur bei der BBC in Nordirland, wo er das Handwerk als Filmemacher von Kameraleuten und Schauspielern lernt: «Ich habe einige furchtbare Fehler gemacht. Aber es war eine großartige Ausbildung.»

Mit 38 Jahren schafft er den Durchbruch mit der Thriller-Komödie «Kleine Morde unter Freunden» und setzt zwei Jahre später eins drauf mit dem weltweiten Kultfilm «Trainspotting» (1996). Boyle inszeniert die absurd-unterhaltsamen Missgeschicke einer Clique Heroinabhängiger im heruntergekommenen Edinburgh.

Unvergessen, wie Ewan McGregor in einer ekelhaft überschwemmten Kneipentoilette nach seinen Opiumzäpfchen wühlt - «Schokolade statt Scheiße klebte an den Wänden», so Boyle - bis er hineingesogen wird und in einem glitzernden, surrealen Drogentraum-See auftaucht. Zwei Millionen Dollar kostet der Film (damals etwa drei Millionen Mark) und spielt mehr als 35mal so viel wieder ein.

Aber Boyle kennt natürlich auch Flops, am bekanntesten davon «The Beach» (dt.: «Der Strand», 2000), eine Adaption von Alex Garlands gleichnamigem Roman. Eigentlich soll Ewan McGregor – mit dem Boyle bereits drei Filme gemacht hat - die Hauptrolle spielen. Doch er wird durch Hollywoodstar Leonardo DiCaprio («Titanic») ersetzt.

Das Zerwürfnis hatte weitreichende Folgen: Ewan McGregor, der sich bald in der Prequel-Trilogie von «Star Wars» als Obi-Wan Kenobi einen Namen in Hollywood macht, weigert sich lange, mit dem Regisseur wieder zu arbeiten; erst «Trainspotting 2» führt sie wieder zusammen.

Die Kritiker versenken «The Beach» schnell und Boyle realisiert, dass ihm weder Megastars noch das größte Budget seiner Karriere helfen, gute Filme zu machen: «Manche Leute brauchen jedes noch so kleine Spielzeug, das sie bekommen können, aber ich hatte nichts mehr zu tun. Ich bin viel besser etwas unterhalb des Radars, wenn ich herausfinden kann, wie man Dinge zum Laufen bringt», sagte er der «New York Times».

Diese Erfahrung macht erst den Erfolg von «Slumdog Millionär» (2008) möglich, die Geschichte eines ehemaligen indischen Straßenjungen, der in einem Fernsehquiz den Hauptpreis gewinnt. Statt sich wie bei «The Beach» mit riesengroßem Filmteam «imperialistisch» gegenüber den Einheimischen aufzuführen, vertraut Boyle diesmal lokalen Filmcrews und ihren Ortskenntnissen. Das lohnt sich: Der Film wird mit insgesamt acht Oscars ausgezeichnet, darunter einem für Boyles Regie.

Wie ein künstlerisches Chamäleon wechselt Boyle häufig Genres - zwischen Theater und Film, zwischen Hollywood und Großbritannien; doch er bleibt grundsätzlich britisch und wird daher als künstlerischer Leiter der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in London 2012 angeheuert.

900 Millionen Menschen weltweit verfolgen das humorvolle Spektakel am Fernseher – von der Schafherde über die Schornsteine der industriellen Revolution bis hin zu den Sex Pistols und einer Regenschirmschar vieler Mary Poppins, die Kinder vor dem bösen Lord Voldemort retten. Tanzende Krankenschwestern feiern schließlich ganz bizarr das staatliche Gesundheitssystem.

Boyle porträtiert das Königreich als offenherzige Nation, die in eine strahlende Zukunft steuert. Im Rückblick eine Vision, die nur vor dem EU-Referendum und der Rückkehr zu «Little England» möglich war. Boyle setzte sich wie viele Kulturschaffende für den Verbleib in der EU ein. «Trainspotting 2» spielt noch im «alten» Großbritannien. Bleibt abzuwarten, wie Boyles nächste Filme die weitreichende Identitätskrise der Briten widerspiegeln.



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