Do., 07.12.2017

Immer gern geturnt Karlsruherin feiert ihren 112. Geburtstag

Die gebürtige Thüringerin Edelgard Huber von Gersdorff ist mit 112 die wahrscheinlich älteste Frau Deutschlands.

Die gebürtige Thüringerin Edelgard Huber von Gersdorff ist mit 112 die wahrscheinlich älteste Frau Deutschlands. Foto: Christoph Schmidt

Sie ist die wohl älteste Deutsche: 112 Jahre zählt Edelgard Huber von Gersdorff. Zwei Kriege, Kaiser, Hitler und die Demokratie hat sie erlebt. Wie wird man so alt? «Schicksal», sagt sie.

Von dpa

Karlsruhe (dpa) - «Wer kommen will, kann kommen», sagt Edelgard Huber von Gersdorff. Kein Wunder, dass die Wohnung der Karlsruherin voll ist. Die wohl älteste Deutsche feierte am Donnerstag ihren 112. Geburtstag.

Neben Verwandten und Bekannten hatte sich für den Nachmittag Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) angesagt - mit den besten Wünschen von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Die Jubilarin lässt sich feiern, fotografieren und beantwortet geduldig Fragen neugieriger Journalisten.

Sie hat schließlich ganz anderes erlebt: Kaiserreich und Weimarer Republik, Nazizeit, Bundesrepublik und Wiedervereinigung. Das haben andere auch. Aber kaum eine wurde so alt. Bei den Statistischen Ämtern gibt es keine gesicherten Daten - als längste Lebensspanne einer Frau gelten weltweit momentan 117 Jahre. Die 117-jährige Jamaikanerin Violet Brown starb im September und war damit fünf Monate lang die älteste Frau der Welt.

Wie hat Edelgard Huber von Gersdorff so ein langes Leben geschafft? «Das ist Schicksal», sagt sie. Und das schien es nicht immer so gut mir ihr zu meinen. 1905 in Thüringen als Kind einer Offiziersfamilie geboren und als Jugendliche nach Karlsruhe gezogen, erkrankte die leidenschaftliche Sportlerin als junge Frau an Kinderlähmung. Doch sie biss sich durch, betrieb weiter Sport, fuhr Fahrrad und studierte. Zuerst Chemie, dann Jura. Bis zur Rente arbeitete sie als Justiziarin bei einer Bank.

Ein Leben, das auch Oberbürgermeister Mentrup beeindruckt. Bei seinen Besuchen hat er sie als «immer noch wache Beobachterin des aktuellen Geschehens in unserem Land und in der Welt» erlebt. Beim letzten Mal hat sie ihm das Anliegen mit auf den Weg gegeben, Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen.

Am Weltgeschehen ist sie noch immer interessiert. Doch das Alter fordert seinen Tribut. Nach dem Tod ihres Mannes vor drei Jahrzehnten hat sie allein in ihrer Wohnung gelebt. Inzwischen ist sie auf ständige Hilfe angewiesen. Sie sitzt im Rollstuhl, die Augen machen nicht mehr mit. «Ich muss mir vorlesen lassen.»

Auf dem festlich gedeckten Geburtstagstisch stehen Blumen und Torten. Und es gibt Geschenke, natürlich. Ihr größter Wunsch dürfte da nicht dabei sein: «Eine Maschine, die einen im Bett herumdreht. Ich bin ja gelähmt.» Dafür macht der Kopf zum Glück noch mit. Und noch etwas geht: «Turnen war immer meine größte Leidenschaft», erzählt sie. Auch mit 112 Jahren macht sie - inzwischen mit Hilfe - noch eisern täglich Muskelübungen.



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