Di., 01.03.2016

Schüler-Statistik Wenn Zahlen in die Irre führen

Eine Grundschule schließen? Von wegen. Die Schülerzahlen, das wissen die Praktiker jetzt schon, werden kräftig steigen, obwohl sich das in der Statistik noch nicht spiegelt. Die Mariengrundschule wird sogar einen neuen Anbau bekommen, um alle Sechsjährigen beschulen zu können.

Eine Grundschule schließen? Von wegen. Die Schülerzahlen, das wissen die Praktiker jetzt schon, werden kräftig steigen, obwohl sich das in der Statistik noch nicht spiegelt. Die Mariengrundschule wird sogar einen neuen Anbau bekommen, um alle Sechsjährigen beschulen zu können. Foto: Barbara Maas

Greven - 

Die Schülerzahlen sind in Greven im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent auf gegenwärtig 4331 Schüler an allen Grevener Schulen moderat gefallen. An den Grundschulen sind die Schülerzahlen fast stabil. Also alles im grünen Bereich? Genug Klassenräume, genug Lehrer? Irrtum . . .

Von Monika Gerharz

20-Jahr-Statistiken sind solide Grundlagen für Planungen? Diese Überzeugung wird erschüttert, wenn man die neueste Statistik des Landesbetriebs „Information und Technik“ NRW zu den Schülerzahlen studiert, die jetzt vorgelegt worden ist. Die nämlich signalisiert: Nach einem kräftigen Absinken der Schülerzahlen vor 1990 ist die Lage in Greven seit der Jahrtausendwende stabil mit ganz leichter Tendenz nach unten. Die Schülerzahlen sind im vergangenen Jahr laut Statistiker um 2,5 Prozent auf gegenwärtig 4331 Schüler an allen Grevener Schulen gefallen. An den Grundschulen sind die Schülerzahlen fast gleich geblieben. Also alles im grünen Bereich? Genug Klassenräume, genug Lehrer?

Irrtum: Dass die Zahlen der Vergangenheit diesmal keine Prognosen für die Zukunft zulassen, zeigte sich am vergangenen Donnerstag im Jugendhilfeausschuss, als es um die Situation in den Kindergärten ging. „Wir haben pro Jahrgang im Schnitt 40 Kinder mehr als erwartet“, sagte Frank Hänel, bei der Stadt zuständig für Bildung. Und diese Zahlen werden natürlich in kürzester Zeit auf die Grundschulen durchschlagen. „Es ist noch nicht lange her, da hat die Gemeindeprüfungsanstalt empfohlen, einen Grundschulstandort zu schließen“, sagt Schulausschussvorsitzender Dr. Michael Kösters-Kraft mit Blick auf die Lutherschule. „Das wird ganz sicherlich nicht der Fall sein.“ Im Gegenteil: Der Anbau an der Mariengrundschule, wegen des Wösten-Zuzugs schon länger geplant, wird nun sogar um zwei Klassenräume größer ausfallen als ursprünglich gedacht.

Ein Hauptfaktor für den Kindersegen sind die „Häuslesbauer“ aus der Wöste, denn dort ziehen viele junge Familien zu. Außerdem sind in den vergangenen Monaten verstärkt Flüchtlingsfamilien mit Kindern in Greven angekommen. 119 Kinder aus dieser Bevölkerungsgruppe sind derzeit im schulpflichtigen Alter, 57 davon werden in den regulären Klassenverbänden der Grundschulen unterrichtet, im Schnitt ein Kind pro Klasse, denn so lernt sich die neue Sprache am schnellsten. „Am besten wäre es, diese Kinder kämen sofort auch in die Offene Ganztagsgrundschule“, meint Kösters-Kraft. „Doch dafür reichen derzeit leider die Kapazitäten nicht.“ Man sei im Rat aber auf jeden Fall willens und sich einig, alles dafür zu tun, dass die Neubürger gute Chancen im Bildungssystem bekämen. „Sonst wird uns das Thema in fünf Jahren auf die Füße fallen“, ist sich der Grünen-Politiker sicher.

Ist die Planungssituation für die Grundschulen schon schwer einzuschätzen, so stellt sich die Lage bei den weiterführenden Schulen noch unübersichtlicher dar. Denn die Gründung der Gesamtschule vor drei Jahren hat die Schullandschaft gründlich durcheinandergewirbelt, Zahlen aus der Vergangenheit lassen sich nur mit Unsicherheiten in die Zukunft fortschreiben. Für das kommende Schuljahr sind an der Gesamtschule 145, an der Realschule 87 und am Gymnasium 137 Schüler angemeldet – für Grevener Verhältnisse eher wenige Schüler.

Denn es zeigt sich ein neuer Faktor: Auswärtige Schüler machen sich rarer. „Vielleicht gleicht sich dieser Trend auf längere Sicht mit Zuzügen aus“, meint Kösters-Kraft. Aber vermutlich brauche es vor allem Flexibilität in allen Schulformen, um allen Kindern in Zeiten des Schülerbooms beste Schulchancen zu bieten. „Da kann es schon sein, dass die Realschule mal drei-, aber auch mal fünfzügig ist.“

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