Mo., 28.03.2016

Dichterwettstreit Lateinisch zum Sieg gerappt

Klein aber fein: Die 30. Ausgabe des Poetry Slams im Kesselhaus.

Klein aber fein: Die 30. Ausgabe des Poetry Slams im Kesselhaus. Foto: Jannis Beckermann

Greven - 

Die Poetry-Slammer sind aus der Grevener Kulturszene nicht mehr wegzudenken. Karfreitag lud das Kesselhaus zu einer Jubiläumsveranstaltung.

Von Janis Beckermann

Es war eine Jubiläumsfeier, wie sie die Poetry-Slam-Fans lieben. Mit politisch-spitzer Feder hier und anzüglichen Sex-Geschichten dort. Mit Lyrik und Lautmalerei. Kurzum: „Mit allem, was an einem guten Slam-Text faszinieren kann“, wie es Moderator Jens Kotalla zusammenfasste.

Er führte am Abend des Karfreitag – stiller Feiertag hin oder her – durch die insgesamt 30. Ausgabe des Poetry Slams im Kesselhaus. Der vorösterliche Slam-Abend markierte gleichzeitig das fünfjährige Jubiläum des Dichterwettstreits, den im Jugendcafé in der GBS eine zwar kleine, aber überaus treue Fangemeinde begleitet.

„Ganze 400 Texte von knapp 180 Slammern haben diese Fans in den letzten fünf Jahren im Kesselhaus gehört“, weiß Moderator Kotalla, selbst professioneller Slammer in der Szene. Allerdings reichten am Freitag auch schon die sieben erschienen Kollegen seiner Zunft, um den gut 40 Besuchern einen thematischen wie stilistischen Rundumschlag zu servieren.

Beispiel gefällig? Da zerpflückt ein pensionierter Literatur-Professor (Eberhard Kleinschmidt) satirisch die politische Lage, während seine konkurrierenden Mittzwanziger humorvoll übers Tanzen als Depressions-Therapie philosophieren. Woanders lässt sich ein Slammer - dramaturgisch geschickt - erzürnt über die stereotype Rolle des Mannes aus, der immer nur stark, aber nie wie ein Mädchen sein dürfe. Zum Beispiel bei der Liebe zu einem Mann.

Würdigung vom Publikum erfahren aber vor allem eigene Ideen, das Unkonventionelle, etwa beim Paderborner August Klar, der weniger mit Worten aus dem Lexikon, sondern vielmehr lautmalerisch Dinge ins Mikro murmelt und damit von den Zuschauern schlussendlich auf den dritten Rang gewählt wird.

Das Duell um den Sieg machen derweil wieder zwei humoristische Slammer unter sich aus. Jan Schmidt, am Ende auf dem Silberrang, muss schon vorher lachen, ehe er in seinem Beitrag vom 1. Juli 1992, 21.45 Uhr, berichtet. „Der Tag meiner Geburt. Und der traurigste Moment in der Geschichte der Menschheit“, ulkt er und setzt zu einer Liebes- und vor allem Sexgeschichte über ihn und seine Freundin an.

Für den Sieg reicht das wie erwähnt nicht. Den schnappt sich am Ende der vielsagende Künstler namens „Christofer mit F“ aus Herne. Lateinischer Gangster-Rap ist Teil seines Erfolgsrezeptes und für Grevens Slam-Publikum der Star des Jubiläumsabends.

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