Do., 22.09.2016

Der Schotter muss weg Testfahrt auf einer Veloroute nach Greven

Der Schotter muss weg : Testfahrt auf einer Veloroute nach Greven

Phillip Oeinck auf der Veloroute. Foto: Günter Benning

Greven/Münster - 

Münster und sein Umland sollen für Fahrradfahrer besser vernetzt werden. Dafür sieht das Radverkehrskonzept 2025 unter anderem die Einrichtung von 13 Velorouten in die Region vor. Dabei handelt es sich weitgehend um schon vorhandene Strecken, die allerdings verbessert werden müssen, um schnellen Radverkehr zu ermöglichen. Wir sind mit Verkehrsplaner Michael Milde und Phillip Oeinck von Münster nach Greven gefahren.

Von Günter Benning

Grau ist alle Theorie. Aber auch die Praxis kann grau sein. Ortstermin, Promenade an der Hörster­straße. Michael Milde und Phillip Oeinck, Verkehrsplaner der Stadt, warten mit ihren Leezen. Der Himmel ist verhangen, eben hat es noch gefieselt. „Ideales Radwetter“, sagt Milde, der mit Regenjacke und Helm ausstaffiert ist.

Der Reporter erscheint mit E-Bike – ein kleiner Vorteil gegenüber den beiden Ingenieuren, die mit ihren Tourenrädern nach Greven fahren wollen. Auf einer jener 13 Velorouten, die Münster und Umlandkommunen gemeinsam ausbauen wollen, um Pendler flotter zu machen.

Fahrradstraßen in Zukunft rot markiert

Start an der Promenade – zuerst geht es Richtung Staatsarchiv am Bohlweg. Im Kreuzungsbereich ist die Lage für Radler noch verworren. Michael Milde wünscht sich eigentlich klare Rotmarkierungen, wo Radler abbiegen sollen. 500 Meter weiter an der Kreuzung Niedersachsenring / Piusallee gibt es die bereits: Hier muss keiner seine Spur suchen. Und die Pkw-Fahrer wissen, wo die Radler sind.

Vorerst aber biegen die Testfahrter an der Bibliothek links ab, auf die Goldstraße. Auf dem Asphalt zeigen große Pictogramme, dass es eine Fahrradstraße ist: „Die derzeitige Markierung wird von Auto- und Radfahrern kaum wahrgenommen“, sagt Phillip Oeinck, „in Zukunft sollen Fahrradstraßen komplett rot markiert werden.“

Planungsamt setzt auf Flächenerschließung

Im Radverkehrskonzept 2025 vermeidet es das Planungsamt, von Fahrradschnelltrassen wie im Ruhrgebiet zu sprechen. Oeinck: „Weder Platz noch Geld lassen den Ausbau aller 13 Routen als klassische Radschnellwege zu. Wir investieren lieber in die Flächenerschließung statt in den Ausbau nur einer Route.“ Münster und sein Umland verfügen schließlich schon über ein passables Wegenetz. Man muss es nur verbessern.

Wie das im Kleinen aussehen könnte, kann man am Hohen Heckenweg sehen. Wer von der Piusallee aus Richtung Wiengarten fährt, musste früher einige Stufen steigen. Seit einigen Jahren führt eine Rampe für Radler und Rollstuhlfahrer zu dem Asphaltweg, der entlang einer Kleingartenanlage zum Zentrum Nord führt. Die Rampe, erklärt Michael Milde, wurde einvernehmlich eingerichtet, obwohl ein paar Bäume fallen und Nachbarn auf Sichtschutz verzichten mussten. Den Radverkehr hat es beschleunigt.

Vereinzelt noch Problemzonen

Zackig geht es zur Bahnstation, der Tacho zeigt 20. Der Weg ist asphaltiert, so wie es für die Velorouten geplant ist. „Wir müssen aber noch rechts und links Begrenzungsstreifen anbringen“, ruft Phillip Oeinck beim Strampeln rüber. Dies erleichtert die Orientierung, vor allem nachts, und erhöht Komfort und Sicherheit. Ein schöner Nebeneffekt: Den Stadtgärtnern wird angezeigt, wenn der Grünrückschnitt erfolgen muss.

Am Kiesekampweg in Coerde fängt eine Problemzone an. Eine Truppe Studenten fährt in den kleinen Otterweg herein, einer hinter dem anderen. Der Weg ist schmal und zugewachsen, überholen ist nicht möglich. Der Belag ist zudem Schotter. Nach ein paar Metern ist der Reifen beige, bei Regen spritzt hier Dreck. Außerdem droht das ein und andere Loch im Belag. Hier sind bereits Markierungspfähle eingesetzt: Der Weg soll bald asphaltiert werden.

Weiter geht es entlang der Bahn, mit einem kleinen Schlenker ins Aatal. An der Gimbter Straße – hinter Sprakel – endet die Idylle. Die letzten sechs Kilometer führen an der B219 entlang. Der Radweg ist gut, aber der vorbeisausende Autoverkehr trübt das Freizeitgefühl. Alternative: nach ein paar hundert Metern links abbiegen, Richtung Greven-Bahnhof. Aber die Veloroute zielt ins Stadtzentrum.

Kein Stau, dafür Natur und Fitness

Mit einigen Fotopausen haben die Testfahrer für die 16,1 Kilometer 1:08 Stunden gebraucht. Durchschnitt: 14 Km/h. Auf dem Rückweg stellt der E-Biker allerdings seinen Stromregler auf Turbo. Die Verkehrsplaner der Stadt werden unfair abgehängt. Dafür dauert die Fahrt auch nur 45 Minuten.

Das Bemerkenswerte an dieser Tour: kein Stau, ein angenehmes Naturerlebnis. Und für die Fitness haben alle etwas getan. 

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