Fr., 23.09.2016

Interview zum Backyard Festival „Alle passen hier aufeinander auf“

Markus Patzek und Angelique van Rossum organisieren zusammen mit vielen Mitstreitern das Emsboom-Festival, das heute wieder im Innenhof der GBS stattfindet.

Markus Patzek und Angelique van Rossum organisieren zusammen mit vielen Mitstreitern das Emsboom-Festival, das heute wieder im Innenhof der GBS stattfindet. Foto: Peter Beckmann

Am Samstag geht es wieder hart und heftig zu im Innenhof der GBS. Um 14 Uhr startet zum siebten Mal das Backyard-Festival. Das besondere: Jugendliche und junge Erwachsene der Initiative Emsboom organisieren das Festival von Anfang bis Ende selbst. Redakteur Peter Beckmann sprach mit den Emsboomern Markus Patzek und Angelique van Rossum über das Festival, ihre Motivation und natürlich die Musik.

Am Samstag werden wahrscheinlich 400, 500 Leute zur GBS kommen, ihren Eintritt entrichten, diverse Bierchen trinken und die Musik genießen. Sie beide und ihre Mitstreiter dagegen sind seit Monaten mit der Organisation des Festivals beschäftigt. Warum macht man das?

Markus Patzek: Das ist ja genau das, wofür Emsboom gegründet wurde. Wir machen das jetzt schon in zweiter oder dritter Generation.

Angelique van Rossum: Mein Onkel hat das Ganze damals quasi mit aufgebaut. Also liegt das fast in der Familie. Und: Die Musik gefällt uns einfach und so viele Konzerte und Festivals für diese Musik gibt es einfach nicht. Und das ist auch ein Grund dafür, dass wir das machen. Und abgesehen davon: Das ist für uns ein Hobby und keine Arbeit.

Wie viel Arbeit ist es denn, so ein Festival zu organisieren?

van Rossum: Sehr viel Arbeit, besonders in den letzten Wochen und Monaten vor dem Festival.

Patzek: Und je näher das Festival kommt, um so mehr wird es. Am Freitag wird die Bühne aufgebaut, dann kommt am Samstag das Konzert und am Sonntag wird wieder alles abgebaut. Und zwischendurch müssen wir halt die Musiker betreuen und dafür sorgen, dass alles funktioniert.

Mit wie vielen Personen sind Sie da eingebunden?

Patzek: Wir von Emsboom sind so zwischen zehn und 15 Personen. Und dann kommen noch die Leute von der Karderie dazu. Von denen werden wir auch stark unterstützt, die stecken viel Arbeit da rein.

Sie haben erzählt, dass Sie auch die Bands am Festivaltag betreuen. Von den Stars und Möchtegern-Stars hört man ja die dollsten Sachen. Wie ist das in der Metal-Szene? Wollen die auch von hinten bis vorne betüddelt werden? Haben die auch so kuriose Ansprüche?

Angelique van Rossum: Das kommt ganz auf die Bands an. Natürlich gibt es welche, die Extrawünsche haben, bei denen man sich fragt, was das soll. Aber das ist eigentlich die große Ausnahme. Die meisten sind gut zufrieden mit dem, was wir denen bieten. Bei uns ist das eben alles ein bisschen familiärer. Wir essen auch zusammen mit den Bands. Die Headliner bekommen zwar einen eigenen Raum, in dem sie sich aufhalten können. Aber die meisten nutzen den gar nicht und setzten sich bei den anderen im großen Raum dazu. Alles in allem hatten wir mit den Bands bisher nie Probleme, im Gegenteil.

In den Ankündigungen ist immer zu lesen, dass es sich bei den Headlinern um ganz bekannte Spitzen-Bands handelt. Sind die wirklich so „berühmt“?

Patzek: Ja, das sind sie wirklich. Aber man muss dazu auch sagen: Dadurch, dass die Metal-Rock-Szene sehr viele Facetten hat, gibt es auch in jeder Szene Spitzenbands. Es ist eben nicht wie in der Pop-Musik, wo dann eben – mir fällt da jetzt kein Name ein – der oder die ein Superstar ist. Das gibt es in der Metal-Szene eben nicht so.

van Rossum: Da gibt es viel zu viele Untergruppierungen, und jede hat bis zu fünf Bands, die ganz oben stehen.

Wie groß ist diese Metal-Szene in Greven eigentlich?

Patzek: Schwer zu sagen, eine Zahl kann man da nicht sagen. Aber diese Szene ist im Ort sehr präsent. Sonst würde es dieses Festival ja auch nicht geben. Da gab es eben die Nachfrage und gibt es auch heute noch.

Wer gehört denn eigentlich zu dieser Szene? Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass irgendwelche Bankerlehrlinge da vor der Bühne stehen.

Patzek: Das ist nicht auszuschließen. Da geht es eben um Musikgeschmack. Den Bankern wird man es aber wahrscheinlich nicht ansehen.

van Rossum: Es gibt wirklich genug Metal-Fans, denen man es aber nicht ansieht. Es kommt auch ein wenig darauf an, welche Facette des Metals die Leute hören. Denjenigen, die Metal-Core hören, sieht man das eher an, als denjenigen, die eben nur auf Metallica oder ähnliches stehen.

Wie kommt man denn eigentlich dazu, Metal zu hören? Wird man da von den Eltern geprägt?

van Rossum: Wie gesagt: Bei mir war es der Einfluss meines Onkels. Der hat immer schon viel Metal gehört.

Patzek: Bei meinen Eltern lief oft Deep Purple und solche Sachen. Das bringt dann natürlich schon einen gewissen Grundton rein. Zu Emsboom bin ich gekommen, weil unsere Nachbarn beide in der Band Victima gespielt haben. Wir sind früher zusammen auf Konzerte gegangen und über den Sänger bin ich dann zu Emsboom gekommen.

Eine Frage zur Musik selber: Bei der ein oder anderen band könnte man schon mal den Eindruck gewinnen, dass das, was die da machen mit Musik wenig zu tun hat, oder zumindest wenig mit musikalischem Können . . 

Patzek: Also wie schon angesprochen, es gibt ganz viele Facetten der Metal-Musik. Mir sagen bei weitem auch nicht alle zu. Aber viele Sachen sind sehr, sehr anspruchsvoll, zum Beispiel Speed-Metal. Da muss sehr präzise gespielt werden, da gibt es sehr komplexe Strukturen. Aber natürlich gibt es auch einfach gestricktere Musiker oder Bands.

van Rossum: Auch das Screemen zum Beispiel ist sehr anspruchsvoll. Das ist für die Stimme sehr belastend. Vom Gesang her ist es das anspruchsvollste, was man machen kann – auch wenn manche das nicht als Gesang ansehen. Und diese Leute können auch „normal“ richtig gut singen.

Patzek: Gerade diese vielen Facetten machen den Metal aber erst interessant.

Haben Sie am Festival-Tag überhaupt Zeit, diese Musik zu genießen?

Patzek: Selten, ganz selten.

van Rossum: Da bleiben vielleicht mal fünf Minuten zum reinhören. Mehr ist das meistens nicht.

Patzek: Man plant ja im Vorfeld eines solchen Festivals sehr viele Eventualitäten ein. Aber meistens geht irgendetwas schief, an das man überhaupt nicht gedacht hat. Wir rennen im Prinzip den ganzen Tag herum und kümmern uns.

Viele, die diese Szene nur von außen kennen, denken, dass es auf solchen Konzerten ganz gefährlich zugehen muss. Sind ja schließlich oft furchterregend aussehende langhaarige Gestalten. Aber spätestens seit Wacken weiß man, dass das Blödsinn ist. Kann man das für das Backyard-festival auch sagen?

van Rossum: Ja, das ist wirklich so. Klar, das sieht manchmal so aus, als wenn die sich gegenseitig umbringen. Aber sobald nur einer fällt und am Boden liegt stehen sofort zehn drumherum und helfen ihm hoch. Ich bin mit Freundinnen schon auf zig Metal-Konzerten gewesen. Da ist uns nie etwas passiert.

Patzek: Das ist wirklich ein freundliches Miteinander. Es mag manchmal nach außen befremdlich oder brutal aus, wenn da zum Beispiel Pogo getanzt wird. Aber alle passen aufeinander auf.

van Rossum: Nicht umsonst findet man ganz viele Menschen, die in den sozialen Berufen arbeiten, in der Metal-Szene wieder.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie in diesem Jahr?

Patzek: Wir haben ein super Line-Up und das Wetter soll gut werden. Da werden hoffentlich ganz viele kommen.

Woher kommen die Besucher denn eigentlich?

van Rossum: Die meisten kommen natürlich aus Greven, aus dem Münsterland. Aber es gibt auch Fans, die sehr weite Anreisen in Kauf nehmen.

Was wäre der Super-Gau am Samstag?

Patzek: Wenn es regnen würde, das wäre nicht so klasse. Aber die Wettervorhersage verspricht ja tolles Wetter.

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