Mi., 19.10.2016

Serie „Mein Arbeitsplatz“ „Man muss mit Freude dabei sein“

Liebt das Verkaufen: Ingeborg Winkeljann mit einem großen Saerbecker Landbrot in der Grevener Liesenkötter-Filiale.

Liebt das Verkaufen: Ingeborg Winkeljann mit einem großen Saerbecker Landbrot in der Grevener Liesenkötter-Filiale.

Greven - 

Ingeborg Winkeljann verkauft nicht nur Brot und Kuchen – sondern auch ein ganz besonderes Lebensgefühl.

Von Monika Gerharz

Wenn sie eine Tüte duftender Brötchen über die Theke reicht und, mit einem strahlenden Lachen in ihren dunklen Augen, „einen schönen Tag noch!“ wünscht, dann hebt sich wohl auch bei Morgenmuffeln die Laune. Denn Ingeborg Winkeljann verkauft im Café Liesenkötter nicht nur Brot und Kuchen, sie verkauft auch ein Lebensgefühl – das Gefühl, dass sorgsam hergestellte Lebensmittel einen eigenen Wert haben, dass sie ein Stück Kultur sind und dass ihr Genuss den Alltag fröhlicher machen kann. Und damit passt sie genau in die Philosophie der Liesenkötters. „Sie können ein noch so schönes Unternehmen haben“, sagt Arbeitgeber Georg Liesenkötter, „aber wenn sie nicht in jeder Filiale Leute haben, die mit unserem Bazillus infiziert sind, geht es nicht.“

Ingeborg Winkeljann hat den Einzelhandel quasi mit der Muttermilch eingesogen. „Meine Mutter hatte einen Tante-Emma-Laden in Recke-Espel“, erzählt sie. „Ich habe dort so viel Spaß gehabt, das war mein Leben.“ Kein Wunder also, dass sie Einzelhandelskauffrau gelernt hat. Als sie der Liebe wegen nach Saerbeck zog, hat sie bei Liesenkötter angefangen. „Dort bin ich nun seit 27 Jahren“, sagt sie. Damals gab es nur das Hauptgeschäft. Mittlerweile kennt sie alle Filialen – und jetzt ist Greven ihr berufliches Zuhause, dort macht sie zum Beispiel die Dienstpläne für den gar nicht so kleinen Stab. Schwerpunktmäßig ist sie im Verkauf, aber wenn Not am Mann ist, übernimmt sie auch den Service. „Ich kenne die Stammgäste“, erzählt sie. „Gerade die Älteren reden auch gerne mal ein Wort.“ Und dieser persönliche Kontakt ist ihr wichtig. „Supermarkt wäre nicht meins.“ Sie weiß zum Beispiel genau, wer am Samstag ein Baguette braucht oder mittwochs ein ganz bestimmtes Schwarzbrot haben will und legt es für den Kunden zur Seite. „Wenn jemand, den man erwartet hat, dann doch mal nicht kommt, ist man fast enttäuscht“, lacht Ingeborg Winkeljann.

Welche Eigenschaften braucht es nun, um eine erfolgreiche Bäckereiverkäuferin zu sein? „Man muss mit Freude dabei sein“, antwortet die 53-Jährige. „Man muss hinter dem Produkt stehen.“ Außerdem werde das Thema Allergien im Lebensmittelhandel immer wichtiger. „Da muss man sehen, dass man auf dem neuesten Stand ist“, muss sie jedem Kunden detailliert Auskunft geben können. Die verbreitete Meinung, dass die Arbeit im Einzelhandel schlecht bezahlt sei, teilt sie übrigens nicht. „Die Bezahlung ist in Ordnung. Nur Geld allein macht‘s nicht. Der Beruf muss Spaß machen, sonst bringen die letzten 50 Cent auch nichts. Und außerdem ist es ein sicherer Beruf – Cafés gibt‘s immer, und Brötchen brauchen die Leute auch in Zukunft.“

Ingeborg Winkeljanns Schicht ist zu Ende. Nach der Arbeit fährt sie gern Fahrrad, macht Yoga und engagiert sich im Saerbecker Karnevalsclub. Und nachmittags setzt sie sich auch gern mit einer Tasse Kaffee gemütlich hin. Früher hat sie viel selbst gebacken, aber seit die beiden Kinder aus dem Haus sind, nimmt sie sich vom Arbeitsplatz gerne etwas mit. Aber mag eine Bäckereiverkäuferin, die stundenlang Kuchenstückchen verpackt, überhaupt noch Süßes? „Ja leider – ich könnte morgens schon anfangen“, lacht sie. „Am liebsten mag ich derzeit Stachelbeer-Crunch.“



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