Fr., 13.01.2017

Kraniche am Winterhimmel Winterliche Kranichzüge

Münster-Coerde - 

Fast 30 Personen meldeten am 5. Januar 818 Kraniche und am 6. Januar 175 Kraniche über verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen hinweg ziehend. 215 seien über den Rieselfeldern gezählt worden, so die Biologische Station. Mit einem möglicherweise nahenden Frühling habe das aber nichts zu tun.

Von Katrin Jünemann

Es war ein trüber, grauer Tag. Deswegen waren die Vögel nicht zu erkennen. Aber die Rufe am Himmel in den Rieselfeldern klangen eindeutig nach Kranichen . Doch Kraniche mitten im Winter, bei eisigen Temperaturen, bei denen die Zehen vor Kälte weiß und die Fingern taub werden, wenn man draußen zu tun hat? Wohl ein Irrtum. Doch es war kein Irrtum.

Wie die Biologische Station Rieselfelder am Montag mitteilte, gab es am 5. und 6. Januar Kranichzüge über Nordrhein-Westfalen . Doch mit nahendem Frühling hatte das nichts zu tun.

Denn die Kraniche zogen nach Angaben von Dr. Hans-Uwe Schütz von der Biologischen Station Rieselfelder noch immer in die herbstlichen Hauptzug-Richtungen gen Süden und Südwesten. Schütz: „Fast 30 Personen meldeten am 5. Januar 818 Kraniche und am 6. Januar 175 Kraniche über verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen hinweg ziehend.“ Von den 818 Kranichen am 5. Januar seien 215 über den Rieselfeldern gezählt worden und 175 Kraniche über weiteren Stadtteilen von Münster.

„Zugkoordinator“ für Nordrhein-Westfalen ( NRW ) ist Manfred Röhlen, vielen Rieselfeld-Besuchern auch durch seine vogelkundlichen Führungen bekannt. In den Rieselfeldern ist er seit über 30 Jahren unterwegs. Er ermittele als Mitglied der Arbeitsgruppe NRW des „Kranichschutzes Deutschland“ die Zahlen der über dieses Bundesland ziehenden Kraniche: Zahlen aus verschiedenen vogelkundlichen Foren, eigene Sichtungen und Meldungen gingen direkt bei ihm ein, erläuterte Schütz.

Was ist los mit den Kranichen? Er habe sich die Frage gestellt, ob sie vielleicht „zugfaul“ seien, oder was sonst der Grund sein könne, dass sie nicht im Süden weilten, so Schütz. Und sei auf die Antwort gestoßen, dass sie vielleicht einfach nur Kräfte sparen wollten.

Seine Erklärung ist, dass die Vögel aufwendige Züge vermeiden, wenn die Witterungsbedingungen hierzulande mild genug sind. Zumal denjenigen, die nicht erst aus der Ferne wieder zurückziehen müssen, im zeitigen Frühjahr gleich die besten Brutplätze zur Verfügung stehen.

Andererseits überwintere stets ein Teil der Kraniche in Spanien – unabhängig davon, wie sich das Wetter in Deutschland entwickele. Das macht Sinn: „Egal wie der Winter verläuft – ein Teil der Population kommt durch und kann sich fortpflanzen“, erklärt der Mitarbeiter der Biologischen Station.

Schon in den vergangenen milden Wintern habe es Zugbewegungen gegeben, bei den sich Kraniche begegnet seien. Während die einen die Herbstrichtung nach Südwesten einschlugen, kamen ihnen die ersten Kraniche – zum Teil schon im Februar – sozusagen im Rückflugmodus wieder entgegen.

Doch darum handelt es sich momentan leider noch nicht. Von Frühling ist keine Spur, der Winter hat die Natur noch ganz deutlich im Griff.



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