Sa., 18.03.2017

Frosch-Wanderung setzt ein Verliebte Kröten hüpfen in den Tod

Huckepack in den Tod? Bei ihren Wanderungen lassen sich die Männchen der Erdkröten gerne von den Weibchen zu den Laichgewässern tragen.

Huckepack in den Tod? Bei ihren Wanderungen lassen sich die Männchen der Erdkröten gerne von den Weibchen zu den Laichgewässern tragen. Foto: Thomas Starkmann

Greven - 

Am Wochenende könnten sich viele Amphibien auf den Weg machen. Der Wetterbericht prophezeit milde und feuchte Nächte - ideale Bedingungen für wanderlustige Kröten. Oft reichen zwei oder drei Autos, um für ein Gemetzel zu sorgen.

Von Thomas Starkmann

Für die mindestens 20 Kröten war die Wanderung zu ihren Laichgewässern am vergangenen Wochenende zugleich die letzte Reise. Sie hatten es nicht geschafft, die Straße Aldruper Mark zu überqueren, ohne von Autos überrollt zu werden. Auch wenn die platt gefahrenen und zerfetzten Körper einen wenig appetitlichen Anblick boten, war zu erkennen, dass es sich vornehmlich um Erdkröten handelte.

Ein Leben sowohl zu Wasser als auch zu Land – das zeichnet Amphibien aus. Hinter dem Begriff verbergen sich Frösche, Kröten, Molche, Unken und Salamander mit teilweise sehr unterschiedlichen Lebensgewohnheiten. Vom Straßentod betroffen sind vor allem Erdkröten. Bei ihnen ist die Trennung zwischen den Landlebensräumen und den Laichgewässern besonders ausgeprägt.

Es gab Zeiten, da trugen Menschen die Kröten von einer Straßenseite zur anderen. Als Anfang der 1980er Jahre Naturschutz ein gesellschaftliches Thema wurde, entdeckten viele ihre Liebe zu Quaks & Co. „Wir hatten Krötenzäune beispielsweise an der Gimbter Straße, bei Schulze-Pellengahr und im Hanseller Floth“, erinnert sich Lutz Pöppler. Der ehemalige Biologielehrer gehörte damals in Sachen Amphibienschutz zu den Pionieren in Greven

Und heute? Lutz Pöppler kennt keine Straße, an der in Greven noch ein Krötenzaun steht. Ebenso wenig wie Gisbert Lütke, Geschäftsführer des NABU-Kreisverbandes Steinfurt. Für Pöppler sind Rückgänge auf beiden Seiten dafür verantwortlich. „Schon Ende der 1980er hatten wir deutlich weniger Amphibien in den Eimern.“ Er schätzt, dass es heute 90 Prozent weniger Amphibien gibt als noch vor 40 Jahren. Denn nicht nur der Straßenverkehr macht den Tieren zu schaffen. Auch die Zahl geeigneter Gewässer ist deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig wurden die Aktiven immer weniger. „Anfangs haben viele Schüler, junge Erwachsene und auch Hausfrauen mitgeholfen“, sagt Pöppler. Aufbau und Betreuung der Krötenzäune machen viel Arbeit. Jeden Morgen müssen die Eimer, die entlang der Zäune in der Erde eingegraben sind, kontrolliert und entleert werden. Mühen, die kaum noch jemand auf sich nehmen will. „Die Ehrenamtsschiene stirbt langsam, aber sicher aus“, klagt Gisbert Lütke. Er sieht die Schuld auch an anderer Stelle: „Der Amphibienschutz liegt im öffentlichen Interesse. Wir haben aber enorme Schwierigkeiten, bei der Bezirksregierung Fördergelder für Krötenzäune zu bekommen.“ Die sind nicht billig. „Da kommen für 30 Meter schnell 500 Euro zusammen“, sagt Lütke. Oftmals sind mehrere hundert Meter nötig, um die Kröten vor dem Straßentod zu bewahren. „Das ist nicht primäre Aufgabe des NABU“, sagt Lütke und sieht die Behörden in der Pflicht.

Vor allem am kommenden Wochenende könnten sich viele Amphibien auf den Weg machen. Der Wetterbericht prophezeit milde und feuchte Nächte - ideale Bedingungen für wanderlustige Kröten. Oft reichen zwei oder drei Autos, um für ein Gemetzel zu sorgen. Strecken wie die Aldruper Mark, die gerne als Abkürzung dienen, sollten dann zumindest nachts gemieden werden. Wer mit dem Auto auf wandernde Kröten trifft und keinen Umweg nehmen kann, sollte die Geschwindigkeit auf maximal 30 km/h reduzieren. Viele Tiere fallen nämlich nicht direkt den Reifen zum Opfer, sondern werden durch den Unterdruck zwischen Fahrzeugboden und Straße regelrecht zerfetzt.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4708854?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F