Fr., 17.03.2017

Zum Thema: 41 Grevener „Alt“-Studenten „Prima, dass die den Hintern hochkriegen“

 

  Foto: res

Greven/münster - 

Der Philosophiestudent, der sich im H 1 den Sitzplatz mit einem energischen „Platz“ und seinem Stock erkämpft? „Gern von den Medien hochgespielt“, schmunzelt Dr. Veronika Jüttemann an der Westfälischen Wilhelmsuniversität für das Studium-im-Alter-Klientel verantwortlich. Im Gegenteil: Studenten und jene alten Semester, die zumeist nach Berufsende freiwillig und gern die Hörsaalbank drücken, hören, studieren und diskutieren friedlich Seit an Seit. Mehr noch: Die Jüngeren studieren gern´mit den Eltern. „Prima, dass die den Hintern vom Sofa hochkriegen“ – so kommentieren nach Erfahrung der Dozentin viele Jungspunde an der Uni die Seniorenaktivitäten.

Von Ulrich Reske

2000 sind es insgesamt, die sich Semester für Semester an der Uni einschreiben, 1000 aus Münster, rund 1000 aus der Region. 41 fahren aktuell von Greven an die Uni. Nach den Erfahrungen von Veronika Jüttemann sind die Motive unterschiedlich. „Geistig fit bleiben im Alter“ steht ganz oben, aber auch der Wunsch, die Allgemeinbildung zu verbessern, fundiertes Wissen in unterschiedlichen Disziplinen zu gewinnen führt Senioren an die Uni. Dabei profitieren nicht nur die älteren Semester. „Viele spezialisierte Seminare können gar nicht stattfinden, weil da nur zwei oder drei Jungsemester sitzen. Die Senioren füllen die Lücken auf.“

Das Wahlverhalten von Jungen und Alten unterscheidet sich deutlich. „Ganz oben steht die Theologie, egal ob evangelisch oder katholisch“, nennt Jüttemann den Studien-Spitzenreiter, dicht gefolgt von Geschichte, Kunstgeschichte und den Sozialwissenschaften. Bei den Naturwissenschaften halten sich die Senioren zurück. Zu viel Spezialwissen sei erforderlich.

Neben den regulären Veranstaltungen, für die die Alten büffeln, gibt es Exklusivveranstaltungen für das Studium-im-Alter-Klientel. „Die organisieren oftmals unsere Emeriti, aber auch die Nachwuchswissenschaftler.“

Das Durchschnittsalter der Studierenden liegt bei Studium im Alter bei 66 Jahren. Mit einer Altersspanne von 36 bis 96 Jahre sind nahezu alle Altersklassen vertreten. Der sonst üblichen Hochschulreife bedarf es beim Zugang übrigens nicht. „Da gibt es keinerlei Eingangsvoraussetzungen. Nur das Interesse zählt.“



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