So., 19.03.2017

Peter Oechsner führt durch St. Martinus Warum sich der Turm nach Westen neigt

Peter Oechsner im ältesten Teil der Martinuskirche. Die Taufkapelle stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Peter Oechsner im ältesten Teil der Martinuskirche. Die Taufkapelle stammt aus dem 12. Jahrhundert. Foto: Monika Gerharz

Greven - 

Beim Aktionstag von Greven Marketing und Heimatverein führt Peter Oechsner durch die Martinuskirche – und verrät, warum der Turm sich nach Westen neigt.

Von Monika Gerharz

Eine Kirchenführung? Da beschreibt einer diesen Fries und jenen Strebebogen, oder? Langweilig! Von wegen. Wenn Peter Oechsner, einer der Küster von St. Martinus und seit neuestem Stadtführer für die Pfarrkirche, erzählt, dann wird die ganze Grevener Geschichte lebendig. „Greven gab es eigentlich gar nicht bis zum Bau der Kirche“, weiß er und erzählt davon, wie die Franken vor rund 1200 Jahren hier, an der Kreuzung von Ems und Hellweg, auf dem Hochufer der Ems Kirche und eine Handvoll Bauernhöfe anlegten. Das Holzgebäude aus dem Frühmittelalter steht natürlich nicht mehr, aber das Gewölbe der Taufkapelle stammt aus dem 11. Jahrhundert. „Das ist das älteste Gebäude Grevens“, schwärmt Oechsner. „Man überschaut plötzlich 1052 Jahre und nicht 52.“ Er erzählt davon, wie das Hauptschiff um 1500 im gotischen Stil neu gebaut, wie es im 19. Jahrhundert um den jetzigen Chorraum erweitert wurde. Er kennt die – oft verschlungene – Geschichte jeden Bildes, jeden Kreuzes. und weiß amüsant davon zu erzählen. Man merkt, der Küster ist ganz verliebt in seine Kirche, und darum zitiert er gern Bischof Genn, als der bei seinem ersten Besuch in Greven voller Verwunderung rief: „Sie haben hier eine Kathedrale!“

Eigentlich ist Peter Oechsner, den Grevenern als Büttenredner aus dem Karneval bekannt, Experte fürs Plattdeutsche im Heimatverein. Aber er hat Theologie studiert, war einige Jahre im Finanzsektor unterwegs und ist jetzt zu seiner „alten Liebe“, der Kirche, zurück gekehrt – und wurde gleich vom Heimatverein als „Kirchenführer“ verhaftet. Seither hat er schon einigen Gruppen die 1200-jährige Geschichte der Kirche erzählt, davon berichtet, warum sich der Kirchturm ein wenig nach Westen neigt und warum er den verstorbenen Pastor Möschel für einen Menschen mit „einem unheimlichen Kunstverstand“ hält. Und diese Aufgabe macht ihm riesigen Spaß. „Als Küster hat man eine enge Verbindung zur Kirche. Und durch die Führungen sorgt man dafür, dass sie nicht museal wird.“

Zum Thema

Beim Aktionstag von Greven-Marketing und Heimatverein am Samstag, 25. März, führt Peter Oechsner Interessenten um 11 Uhr durch die Martinuskirche. Treffpunkt ist am Südportal der Kirche.



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