Fr., 12.05.2017

Unternehmer kritisiert Internetversorgung „16 Mbit, ich bitte Sie!“

Jens Falk  

Jens Falk   Foto: meg

Greven - 

Falk-Medien hat keine Lager mit Büchern, sondern bestellt und liefert „just in time“. Essenziell dafür: Schnelles Internet. Das aber gibt es zur Zeit in der Wöste nicht , und darum trägt sich der Inhaber mit Abwanderungsgedanken

Von Monika Gerharz

Falk-Medien ist ein Online-Buchhandel mit drei Standbeinen: Die Firma vermittelt Kanzleien, die Spezialliteratur nur für einen überschaubaren Zeitraum brauchen, juristische Kommentare. Sie handelt mit antiquarischen Büchern. Und man kann dort jedes lieferbare Buch bestellen. Alle drei Geschäftsfelder haben eines gemeinsam: Die Kunden bestellen heute und wollen morgen die Ware bekommen. Greven als Standort ist dafür eigentlich ideal, denn Falk arbeitet mit DHL. Was aber gar nicht optimal ist, ist das Internet. „Ich werde Greven verlassen müssen“, bedauert Jens Falk.

Denn Falk wohnt in der Wöste und ist dort komplett von der Telekom abhängig. „16Mbit, ich bitte Sie!“, sagt er. Er muss für seine Geschäfte per Internet mit dem DHL-Rechner kommunizieren. Bei seiner Datenkapazität könne es mitunter 30 Minuten dauern, um 30 Etiketten auszudrucken. „In Frankfurt brauche ich dafür zehn Minuten.“

Das Argument, dass es doch recht ungewöhnlich ist, dass ein Privathaus solche Datenvolumina brauche, lässt Falk nicht gelten angesichts des Umstands, dass immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten. „Für Videokonferenzen reicht ein solcher Anschluss bei weitem nicht“, argumentiert er. Und es seien keineswegs einzelne, die auf schnelles Netz angewiesen seien. Für die Schulen sei schnelles Internet essenziell, Firmen und Selbstständige nutzten externe Rechenzentren und brauchten deshalb schnelle Leitungen, und auch die Landwirtschaft nutze für ihre internetgesteuerten Maschinen entsprechende Übertragungsgeschwindigkeiten. Dafür reiche auch Vectoring nicht, Glasfaser sei geboten. „Wenn wir das verschlafen, werden wir zu einer Stadt für Rentner!“, fürchtet der Buchhändler.

Damit das nicht geschieht, nennt Falk Beispiele, wie reagiert werden kann. Eine Möglichkeit hat der Landkreis Villingen-Schwenningen vorgemacht. Weil sich dort die Telekom weigerte, Glasfaser statt Kupfer zu verlegen, gründete man einen Zweckverband, der die Sache in die Hand nimmt. 20 Gemeinden sollen an schnelles Internet angebunden werden, 2025 soll der 200 Millionen Euro teure Ausbau fertig sein – die Rettung für viele weltweit operierende Mittelständler in der Schwarzwald-Region. Der Zweckverband geht finanziell erst einmal in Vorleistung. Das sei genau der richtige Weg, sagt Falk und zitiert den Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann: „Wir können den Breitbandausbau nicht vertagen, bis Nachfrage und Zahlungsbereitschaft für die Investitionen ausreichen. Dann würden wir das Kostbarste aufs Spiel setzen, was es in der digitalen Welt gibt, nämlich Zeit.“



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