Mi., 17.05.2017

Hatte der Angeklagte eine fremde Kreditkarte missbraucht? Seitensprung war kein Betrug

Hatte der Angeklagte eine fremde Kreditkarte missbraucht? : Seitensprung war kein Betrug

Foto: dpa

Greven/Steinfurt - 

Es ist nicht verboten, Seitensprung-Portale zu nutzen. Problematisch wird es, wenn mit fremden Karteikarten bezahlt wird. Aber ein solcher Betrug konnte einem Grevener jetzt nicht nachgewiesen werden.

Von Matthias Lehmkuhl

Wer einen schnellen One-Night-Stand will, soll mit Hilfe von sogenannten Seitensprung-Internetplattformen zum Ziel kommen. Ein 41-jähriger Familienvater aus Greven gab am Dienstag vor dem Amtsgericht Steinfurt unumwunden zu, solche Portale regelmäßig zu nutzen. Der von seiner Ehefrau getrennt lebende Mann war wegen Betrugs angeklagt. Allerdings waren die Beweise gegen ihn zu dünn.

Dem Vater von zwei sechs und zwölf Jahre alten Kindern warf das Amtsgericht Steinfurt vor, am 28. und 29. März vergangenen Jahres mit Hilfe eines Smartphones und mit den Daten einer fremden Kreditkarte Leistungen eines Seitensprung-Internetportals in Höhe von fast 150 Euro gekauft zu haben. Dazu hatte der Angeklagte auch Fotos von sich, zum Teil auch Nacktportraits, hochgeladen.

Verschollene Mobiltelefone

„Ich gebe natürlich zu, dass ich derartige Dienste in Anspruch nehme. Aber mein Diensthandy ist mir vor diesen besagten Käufen abhanden gekommen. Mit der Kreditkarten-Nummer habe ich nichts zu tun“, meinte der 41-jährige Grevener, dem schon öfter Mobiltelefone verschollen gegangen sein sollen. Die Kreditkarte gehörte einer 24-jährigen Versicherungskauffrau aus Ostbevern.

Der vermeintliche Täter war zu der fraglichen Zeit bei einem Bauunternehmen aus Ostbevern beschäftigt, das noch Restarbeiten in der Eigentumswohnung der Eltern der Geschädigten ausführen musste. Allerdings waren auch andere Handwerksfirmen dort tätig, obwohl die 24-jährige Zeugin bereits mit ihrem Freund in die Ostbeverner Wohnung eingezogen war.

Mit einem an einem bestimmten Ort hinterlegten Generalschlüssel gelangten alle Unternehmen in dieses Domizil. „Ich kann ihnen nicht sagen, wo ich meine Kreditkarte hingelegt habe“, erfuhr die Geschädigte erst vom Verschwinden ihres „Plastikgeldes“, als sie die Rechnungen sah.

Bestellungen per Diensthandy

Der ehemalige Chef des Angeklagten konnte sich nicht daran erinnern, ob sein mittlerweile fristlos gekündigter Mitarbeiter den Verlust des Diensthandys mitgeteilt hatte. „Erst jetzt ist herausgekommen, was er alles mit dem Handy auf Kosten meiner Firma bestellt hat“, ließ der Bauunternehmer kein gutes Haar am Beschuldigten. So soll der Grevener Kupfer im Wert von 2500 Euro und einen Laptop im Auftrag seiner Firma gekauft haben.

„Lügen, Ausreden und Krankfeiern. Daran kann ich mich noch erinnern“, hatte der Ostbeverner den Angeklagten bereits bei der Warendorfer Polizei angezeigt. „Das Handy muss er im Winter verloren haben. Als er mir das gesagt hat, war es nämlich noch sehr kalt“, erinnerte sich ein als Zeuge geladener 23-Jähriger aus Greven.

Da die schriftliche Stellungnahme des Betreibers der Seitensprung-Internetplattform ungenaue Angaben enthielt, sprach das Gericht den 41-jährigen Grevener ganz im Sinne seines Verteidigers vom Betrugsvorwurf frei.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4850515?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F