So., 16.07.2017

Mittelaltermarkt am Beach Sündenfrei und Spaß dabei

Eine furiose Feuershow in der Dämmerung entfaltete eine ganz besondere Wirkung. Das Publikum ließ die Eindrücke wirken.  

Eine furiose Feuershow in der Dämmerung entfaltete eine ganz besondere Wirkung. Das Publikum ließ die Eindrücke wirken.   Foto: Jens Keblat

Greven - 

Lebendiger Geschichtsunterricht einerseits, Mittelalter-Passion mit einem Augenzwinkern andererseits – Tausende wollen im Laufe des Wochenendes den Mittelaltermarkt am Beach erleben, bei der furiosen Feuershow am Samstagabend war sogar die Emsbrücke rappelvoll.

Von Stefan Bamberg

30 Tage – na immerhin. Einen Monat lang Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Nicht zur Arbeit gehen, keine Miete zahlen und jeden Abend Schokolade. Das alles für läppische drei Taler – sagenhaft. Bei Bruder Goswin ist das kein Problem. „Luther – wer ist das denn?“, fragt er noch – und schwups, ist es fertig, das Papier, das für vier Wochen von jeder Sünde befreit. Es ist ein Szenario, so echt, so genial gespielt, dass man beinahe ein bisschen Angst kriegen kann. Ablasshandel anno 2017, das Geschäft mit dem schlechten Gewissen am Beach.

Aber, bevor noch jemand einen Skandal wittert – es ist (fast) alles nur Spaß. Der Ablassbrief? Wohl eher ein schickes Souvenir vom großen Mittelaltermarkt am Emsstrand. Und Bruder Goswin? Heißt Montagmorgen wieder Christian Preuß. „Klar“, sagt er, „wir verkaufen hier natürlich ein Klischee.“ Ritter, Gemetzel, Schwarzer Tod, das alles.

Und eben auch die Kirche. Ein Leben ohne Religion – damals schlicht undenkbar, allgegenwärtig die Furcht vor Hölle und Teufel. Dazu Krankheiten, Gestank, wenn man Glück hatte, wurde man vielleicht 40 und eine eigene Meinung zu haben kam auch nicht so riesig an.

Die Menschen hier wissen all das, sie wollen keineswegs zurück ins Mittelalter: „Nein, ganz bestimmt nicht“, sagt Ulrike Hollands von den organisierenden „Zaunreitern“. „Allein schon aus hygienischen Gründen nicht.“ Deshalb ist es halt nur fast wie damals. Lebendiger Geschichtsunterricht einerseits, Mittelalter-Passion mit einem Augenzwinkern andererseits – Tausende wollen das im Laufe des Wochenendes erleben, bei der furiosen Feuershow am Samstagabend ist sogar die Emsbrücke rappelvoll.

Was am Mittelalter so fasziniert? „Es gab ein tolles Miteinander, keine Ellbogen-Mentalität“, schwärmt Hollands und ergänzt: „Genauso ist es auch hier auf dem Markt.“

In der Tat: Da flachst der Barde mit dem Quacksalber, da hauen sich zwei Ritter ganz freundschaftlich was vor die Mappe – und ja, selbst Schotten und Wikinger halten es bestens miteinander aus. Erstmals ziehen alle gemeinsam durch die Grevener City und kidnappen die stellvertretende „Stadtherrin“ Christa Waschkowitz-Biggeleben, die jedoch – am Beach angekommen – von den „edlen Leuten“ flugs begnadigt wird.

Und à propos Begnadigung: Bruder Goswin hat vor seinem klösterlichen Skriptorium längst den nächsten reuigen Sünder aufgegabelt. Vermutlich ein ganz ernster Fall: lustige Musik gehört, zwei, drei Humpen Met und ein saftiges Spanferkel-Brötchen genossen, einfach richtig Spaß gehabt. Drei Taler – und die Sache ist erledigt.

Fotostrecke: Mittelaltermarkt am Grevener Beach

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