Di., 12.09.2017

Höhenverstellbare Wahlkabinen Wählen auch für Rolli-Fahrer

Wahlkabinen sind ausgelegt für Menschen ohne Behinderung. Bei Bedarf können sie aber höhenverstellt werden.  

Wahlkabinen sind ausgelegt für Menschen ohne Behinderung. Bei Bedarf können sie aber höhenverstellt werden.   Foto: dpa

Greven - 

Wahlkabinen sind für Menschen ausgelegt, die im Stehen wählen. Das macht Rollstuhlfahrern Probleme.

Von Oliver Hengst

Der Leser war – sagen wir mal – irritiert. Man könnte auch sagen leicht verärgert. Er war mit seiner Frau im Briefwahlstudio der Stadt, um dort seine Stimme abzugeben. Für ihn kein Problem, für seine Frau, die im Rollstuhl sitzt, sehr wohl. Denn die Höhe der Ablage, auf dem man den Wahlzettel ablegen kann, um sein Kreuz zu machen, ist für Personen ausgelegt, die das im Stehen erledigen. Wer im Rollstuhl sitzt, reicht da nicht heran.

Schon bei der Landtagswahl im Mai (da ging das Ehepaar am Wahltag in ein „normales“ Wahlstudio in einer Schule) sei dies ein Probleme gewesen. Nun habe man eigens das Briefwahlstudio im Rathaus aufgesucht, in der Hoffnung, dort barrierefrei wählen zu können.

Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Auf Nachfrage habe man ihm und seiner Frau erklärt, dass man da leider nichts machen könne, berichtet der Leser, der dafür kein Verständnis hat – schließlich würden die Menschen immer älter, die Zahl der Menschen mit körperlichen Einschränkungen steige. Darauf müsse doch die Stadt reagieren und geeignete Wahlkabinen bereithalten.

Ein Anruf im Rathaus erbringt: Das tut sie auch. „Grundsätzlich ist es so, dass alle Wahlkabinen behindertengerecht ausgelegt sind“, erklärt Wolfgang Jung von der städtischen Pressestelle. Die Ablagen seien höhenverstellbar, ließen sich also mit überschaubarem Aufwand so justieren, dass sie auch von Rollstuhlfahrern problemlos genutzt werden können. Dass dies im vorliegenden Fall nicht passiert sei, sei „unglücklich“. „Die Wahlvorstände sollen auf das Problem hingewiesen und dafür sensibilisiert werden“, kündigt er an. Man habe die Nachfrage zum Anlass genommen, im Briefwahlstudio umgehend eine der Wahlkabinen dauerhaft so zu justieren, dass sie von Rollstuhlfahrern genutzt werden kann. Am Wahlsonntag sollten Wähler in ihren Wahllokalen im Bedarfsfall einfach darum bitten, die passende Höhe einzustellen, sagt Jung.

Die Alternative, die der Leser und seine Frau stattdessen wählten: Man nahm die Briefwahlunterlagen mit nach Hause, füllte sie dort aus und brachte sie ins Rathaus zurück.



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