Mi., 13.09.2017

Die Wahlkampf-Kandidaten: Carsten Antrup Kein Mann für die letzte Reihe

Idylle am Dorfteich: Carsten Antrup lebt gerne in Lienen. Er engagiert sich in der örtlichen FDP und ist der einzige Ratsherr seiner Partei.

Idylle am Dorfteich: Carsten Antrup lebt gerne in Lienen. Er engagiert sich in der örtlichen FDP und ist der einzige Ratsherr seiner Partei. Foto: Ruth Jacobus

Unsere Zeitung stellt vor der Bundestagswahl die Kandidaten vor, die sich um das Amt bewerben. Heute: Carsten Antrup von der FDP.

Von Ruth Jacobus

Lienen. Wenn Carsten Antrup zu Wahlkampfterminen geht, muss er nicht lange darüber nachdenken, was er anzieht. Er braucht nur zu wählen zwischen sechs Polo-Hemden in verschiedenen Farben. Darauf aufgestickt sein Motto: „Freiheit ist eine Lebenseinstellung“. Seine persönliche Freiheit allerdings gibt der Bundestagskandidat der FDP am Freitag auf: Er heiratet seine langjährige Lebensgefährtin. Den Wahlsonntag verbringt er fern der Heimat: Flitterwochen. Wer will es ihm verübeln? Schließlich stand der Hochzeitstermin vor dem Wahltermin fest.

Der gebürtige Leedener ist mit dem Tecklenburger Land eng verbunden. „Ich habe beruflich immer etwas in der Nähe gefunden“, freut sich der 48-Jährige, der nach einer Ausbildung zum Kfz-Elektroniker in die pharmazeutische Industrie wechselte und heute im Braun-Werk in Glandorf tätig ist. Durch zusätzliche Qualifikationen und autodidaktisch hat er sich weitergebildet zum IT-Berater.

„Ich war immer ein politischer Mensch“, beschreibt er sich selbst. Parteiarbeit allerdings hat ihn früher nicht interessiert. „Ich mochte Vereinsmeierei nicht so gern“, sagt er und schmunzelt. Irgendwann habe er aber erkannt: „Wer etwas bewegen will, braucht Gleichgesinnte. Also habe ich Nägel mit Köpfen gemacht. Ich wollte aber kein stilles Mitglied für die letzte Reihe sein.“

Die FDP wurde zu seiner Partei. Den Liberalen und Carsten Antrup liegt eines besonders am Herzen: „Ich will keine lückenlose Überwachung unbescholtener Bürger, gleich ob durch deutsche Sicherheitsbehörden oder fremde Nachrichtendienste.“

Ein weiterer Schwerpunkt des Kandidaten: die Flüchtlingspolitik. „Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz“, stellt er klipp und klar fest. Das Thema tangiere die innere Sicherheit, die Menschenrechte und die Wirtschaft. Konsequent abschieben beziehungsweise integrieren: Die Konsequenz sei der Schlüssel zur Lösung des Problems. Carsten Antrup hat ein „Vier-Türen-Modell“: Hinter der ersten Tür stehen die Asylbewerber, deren Verfahren schnell und konsequent abgehandelt werden müssten. Die zweite Tür steht für Flüchtlinge, die irgendwann wieder in ihre Heimatländer zurückwollen oder auch die Chance bekommen sollten, zu Einwanderern zu werden. Tür drei steht für die Einwanderer. „Die wollen wir uns aussuchen nach einer Art Punktesystem, zum Beispiel nach der beruflichen Qualifikation.“ Und die vierte Tür? „Das ist der Ausgang für alle anderen.“

Am Herzen liegt dem Lienener auch die Wirtschaftspolitik – und hier insbesondere die Förderung von Existenzgründern. Er will sich für ein „bürokratiefreies Jahr“ einsetzen, in dem Existenzgründer sich und ihre Idee erst einmal testen können. Junge Unternehmer sollen sich auf ihr Geschäft konzentrieren können statt auf Formulare.

Eine weitere Lebenseinstellung, des Kandidaten ist es, positiv zu denken. „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch“, zitiert der Lienener den Komiker Karl Valentin. Warum sich also ärgern, wenn es nichts ändert? Die Politik allerdings ist nicht wie schlechtes Wetter, da lässt sich etwas bewegen – und genau das möchte Carsten Antrup.



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