Di., 12.09.2017

Die Kirchen und die Pläne für einen Friedwald Traditionsbruch oder neue Freiheit?

Einsegnungsfeier im Friedwald: Das Foto stammt aus Horstmar, wo es bereits ein solches Angebot gibt. 20 Prozent aller Verstorbenen, so schätzt Pastor Lunemann, entscheiden sich im Schnitt für diese Bestattungsform.

Einsegnungsfeier im Friedwald: Das Foto stammt aus Horstmar, wo es bereits ein solches Angebot gibt. 20 Prozent aller Verstorbenen, so schätzt Pastor Lunemann, entscheiden sich im Schnitt für diese Bestattungsform. Foto: Franz Neugebauer

Greven - 

Die Stadt schlägt vor, zusammen mit einem Privatinvestor auf der Gronenburg einen Friedwald einzurichten. Die Ansichten dazu gehen auch in den Kirchen auseinander.

Von Monika Gerharz

Bekommt Greven einen Friedwald an der Gronenburg? Darüber wird am heutigen Mittwoch im Hauptausschuss diskutiert werden. Die Stadt befürwortet in ihrer Vorlage ein solches Projekt. Aber was sagen die Kirchen dazu?

Pastor Uwe Völkel von der evangelischen Kirche ist ganz offen. „Wichtig ist für mich, dass es für den Menschen, der dort beerdigt sein will, und seine Angehörigen stimmig ist“, sagt der kommissarische Superintendent des Kirchenkreises. Darum könne ein Friedwald zwar kein Ersatz, aber ein Zusatzangebot zum Friedhof sein. Völkel hat schon einmal eine Beerdigung in einem solchen Wald durchgeführt für einen Verstorbenen aus Reckenfeld. „Ich fand das damals sehr passend.“

Pastor Klaus Lunemann dagegen mag sich mit dem Gedanken an einen Grevener Friedwald nicht anfreunden. „Es hat einen Sinn, dass es einen im wahrsten Sinne des Wortes eingefriedeten Bezirk gibt, der mit dem Totenkult verbunden ist“, sagt er und verweist darauf, dass der Friedhof im Ort seit 1000 Jahren dafür stehe, dass die Verstorbenen Teil der Gemeinschaft seien und blieben. „Diese Verortung ist ein hoher Wert“, sagt er. „Im Wald verflüchtigt sich das.“ Dabei verschließe sich die Kirche keineswegs dem Wunsch nach vielfältigen Bestattungsformen. „Wir bieten auf dem Friedhof Saerbecker Straße viele Möglichkeiten an“, betont Lunemann und verweist auf die Gärten der Erinnerung. „Sogar an den Wurzeln eines Baumes können Sie sich beerdigen lassen“, erinnert der Pastor daran, dass es dort friedwaldähnliche Bestattungsformen gibt.

Bei der Bevölkerung, das vermutet Bestatter Josef Meibeck, wird ein Friedwald durchaus ankommen. „Das ist ein Punkt, der immer mehr wird“, sagt er. Dabei spiele das Argument „keine Grabpflege nötig“ oft eine Rolle, aber auch das Gefühl, im Wald sei es besonders friedlich. Auch Grevener würden sich in den Friedwäldern in Horstmar oder Freckenhorst begraben lassen. Einen Friedwald in Greven hält der Bestatter allerdings nur mit Blick auf die Region für sinnvoll. „Für Greven allein brauchen wir das nicht.“ Ihm ist es wichtig, dass jeder Verstorbene genau das Begräbnis bekommen kann, das er sich wünscht. „Das Sterben ist die ureigenste Sache jedes Menschen. Für die Hinterbliebenen ist es sehr tröstlich, wenn sie die Wünsche des Verstorbenen erfüllen können. Darum bin ich froh, dass wir in Greven so viele verschiedene Bestattungsformen haben.“



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