Mi., 13.09.2017

Ausbildungsplatz Stadtbibliothek Roboter zwischen Regalen

Bildung im digitalen Zeitalter: Azubi Sebastian Woltering installiert Roboter-Software für Grundschulen und Kindergärten.

Bildung im digitalen Zeitalter: Azubi Sebastian Woltering installiert Roboter-Software für Grundschulen und Kindergärten. Foto: Otis Benning

Greven - 

Azubis in der Stadtbibliothek sortieren vorwiegend Bücher? Irrtum. Viel eher programmieren sie einen Roboter.

Von Otis Benning

Dem Roboter wird Leben eingehaucht. Auf dem Display, das seinen Kopf ziert, erscheint ein lachender Smiley. Er fährt vorwärts, dreht sich im Kreis, hebt die Plastikarme und kehrt in seine Ausgangsposition zurück. „Wir arbeiten gerade an einem Roboter-Koffer für Grundschulen“, erklärt Sigrid Högemann. Sie ist Ausbildungsleiterin in der Stadtbibliothek. Neben ihr sitzt Sebastian Woltering. Der 23-jährige Azubi installiert Roboter-Software auf Tablets.

Die Ausbildung zum „Fachangestellten für Medien und Informationsdienste“ birgt einige Überraschungen. „Meine Freunde dachten, dass ich nur Bücher sortiere und verleihe.“ Woltering lacht.

Jetzt lernt er Öffentlichkeitsarbeit, Fernleihe und serviceorientiertes Auftreten. Er ist Teilzeit-Sozialarbeiter für verschiedenste Besuchergruppen in der Bibliothek. Er gibt technische Hilfestellungen an den Computer-Arbeitsplätzen im ersten Stock. Und er erstellt zusammen mit seinen neun Kollegen in Kooperation mit Grundschullehrern Konzepte entsprechend der Lehrpläne, damit Kinder von klein auf die Grundlagen der Informatik verstehen. Es ist immer viel zu tun.

„Meist arbeitet man an einer Aufgabe nicht länger als eine Stunde“, so Högemann. Die Arbeit ist zwar nicht fertig, aber andere Dinge sind wichtiger.

So managen sie den „dritten Ort“, wie die Ausbildungsleiterin die Bibliothek nennt. Neben der Wohnung und dem Arbeitsplatz ist diese Einrichtung eine Aufenthaltsstätte, „an der man einfach nur ‚Sein‘ kann.“

Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Berufstätige, Geflüchtete und Rentner kommen immer wieder. Die Computer sind Arbeits- und Spielplätze, die Drucker- und Scanner sind nützliche Gadgets, und verschiedenste Veranstaltungen bieten Ablenkung vom Alltag.

Der Azubi ist ein Glückstreffer für die Bibliothek. Er ist seit wenigen Wochen dabei. „Eigentlich wollte ich in die Verwaltung“ meinte er. Dann ist er über ein Praktikum in der Emsdettener Bibliothek gelandet. Dort absolvierte er einen Bundesfreiwilligendienst und ist jetzt in Greven.

„Mir gefällt die Abwechslung. Ich arbeite gerne mit Menschen“, sagt er.

Damit erfüllt Sebastian Woltering gleich zwei Grundvoraussetzungen. Außerdem sollte man mitbringen: technische Affinität, eine eigenverantwortliche Arbeitsweise und am besten auch gute Deutschnoten.

„Die Bücher sind aber in den Hintergrund gerutscht“, sagt Sigrid Högemann. Das Angebot der Bibliothek hat sich geändert. Zusammen mit anderen unterhält Greven zum Beispiel eine Online-Plattform mit über 20 000 E-Books und Hörbüchern.

„Wir erklären den Kunden, wie man etwas herunterlädt und welche Geräte sich eignen“, so die Ausbildungsleiterin.

Zehn Stunden Arbeit am Tag gehen fliegend vorbei. „Man guckt nicht mehr auf die Uhr“, sagt der Azubi. Dafür wird die Arbeit entsprechend entlohnt.

Wie alle 12 Auszubildende der Stadt Greven verdient auch Woltering gestaffelt 918,25 Euro im ersten, 968,20 Euro im zweiten und 1014,02 Euro im dritten Jahr. Bald lernt er die anderen städtischen Auszubildenden kennen. Da wird jeder viel zu erzählen haben.



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