Di., 03.10.2017

Anne Kokenbrink lebte vier Monate in Kanada Melken morgens um halb vier

Die Arbeit  mit den Kälbern machte der 21-Jährigen am meisten Spaß. Das tägliche Füttern gehörte genau wie das Melken der Kühe am frühen Morgen und am späten Abend zu ihren alltäglichen Aufgaben.

Die Arbeit  mit den Kälbern machte der 21-Jährigen am meisten Spaß. Das tägliche Füttern gehörte genau wie das Melken der Kühe am frühen Morgen und am späten Abend zu ihren alltäglichen Aufgaben. Foto: Anne Kokenbrink

Greven - 

Über vier Monate in einem fremden Land, rund 8000 Kilometer von zu Hause entfernt – Anne Kokenbrink, 21 Jahre alt, hat es gewagt. Nach ihrer Ausbildung lebte sie 19 Wochen lang in Kanada. Von ihren Erlebnissen und den Eindrücken, die sie wieder mit nach Greven brachte, erzählte sie unserer Mitarbeiterin Stefanie Behring.

Was genau hast Du in Kanada gemacht?

Kokenbrink: Ich habe zuerst drei Monate auf einer Farm gearbeitet. Das war ein Milchviehbetrieb in Agassiz. Das liegt in Westkanada und ist ungefähr 120 Kilometer von Vancouver entfernt. Der Betrieb hatte 160 Milchkühe mit weiblicher Nachzucht und dazu noch Ackerbau. Nach dieser Zeit bin ich noch fünf Wochen mit einem Geländewagen durch das Land gereist.

Welches waren Deine täglichen Aufgaben auf dem Betrieb?

Kokenbrink: Ich habe zusammen mit drei Angestellten und teilweise auch den drei Söhnen gearbeitet. So ziemlich jeden Morgen bin ich um halb vier zum Melken und Füttern aufgestanden. Danach haben wir immer alle zusammen gefrühstückt und gegen zehn Uhr ging es meistens los zur Feldarbeit oder andere Aufgaben, wie das Einstreuen der Liegeboxen, das Umstallen von Kälbern oder ähnliches stand an. Am Nachmittag musste dann wieder gefüttert und gemolken werden.

Klingt nach viel Arbeit, die bestimmt sehr anstrengend war, oder?

Kokenbrink: Arbeit gab es dort auf jeden Fall immer genug. Am Anfang musste ich mich auch echt an das frühe Aufstehen gewöhnen. Ich bin zwar sonst auch kein Langschläfer, aber halb vier ist für mich noch mitten in der Nacht. Nach relativ kurzer Zeit habe ich mich aber daran gewöhnt.

Wie wurdest Du in Kanada aufgenommen?

Kokenbrink: Unglaublich herzlich. Die Menschen dort sind ganz anders als die Deutschen. Jedes Mal wenn ich mit dem Hund dort spazieren gegangen bin, habe ich Leute getroffen, die sich sehr für mich interessiert haben, obwohl ich sie überhaupt nicht kannte. Alle nehmen sich sehr viel Zeit, sind hilfsbereit, offen und sind überhaupt nicht hektisch. Auch in der Familie, wo ich gelebt habe, habe ich mich sofort wie Zuhause gefühlt. Alle waren freundlich und haben mich direkt integriert. Sogar beim kanadischen Abiball des Sohnes war ich mit dabei.

Wie bist Du denn auf diese Familie beziehungsweise diese Farm gekommen?

Kokenbrink: Eine Freundin von mir war vor einiger Zeit auch mal in Kanada und hat ebenfalls auf dieser Farm gearbeitet, sie hat sie mir empfohlen. Der Familienvater dort spricht deutsch, er ist damals mit seinen Eltern ausgewandert. Ich habe ihm eine Mail geschrieben und von meinen Wünschen erzählt und so hat sich das ergeben. Auf der Farm arbeiten eigentlich das ganze Jahr über deutsche Aushilfskräfte.

Du hast dort ja nicht nur gearbeitet, sondern bist auch noch gereist, richtig?

Kokenbrink: Ja genau. Nach den drei Monaten wollte ich noch ein bisschen mehr von dem schönen Land sehen. Zuerst waren meine Eltern eine Woche zu Besuch. Mit ihnen war ich in Vancouver und auf der kanadischen Insel Vancouver Island. Anschließend bin ich noch vier Wochen mit einer anderen Deutschen durch das westliche Land gereist. Ich habe sie zufällig auf Facebook kennengelernt und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Es waren unglaublich schöne Eindrücke, die wir dort mitnehmen durften.

Welche dieser Eindrücke von Deiner Zeit in Kanada hat Dich am meisten geprägt?

Kokenbrink: Das ist schwer zu sagen, aber am stärksten im Gedächtnis geblieben sind mir die Menschen dort. Ich habe so viele Leute kennengelernt wie noch nie – und das nicht nur aus Kanada, sondern Menschen aus der ganzen Welt. Das hat mich persönlich sehr geprägt und ich habe mich durch die ganze Zeit dort sehr weiterentwickelt und weiß jetzt, dass ich in meinem Leben unbedingt noch mehr von der Welt sehen will.



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