Mi., 04.10.2017

Volksbank Greven gibt Eigenständigkeit auf Fusion ohne Kündigungen

Stellten den Fahrplan für die Fusion mit Steinfurt und Münster zur Volksbank Münsterland Nord vor: Dietmar Dertwinkel (links) und Andreas Hartmann.  

Stellten den Fahrplan für die Fusion mit Steinfurt und Münster zur Volksbank Münsterland Nord vor: Dietmar Dertwinkel (links) und Andreas Hartmann.   Foto: oh

Greven - 

Für Lieschen Müller soll sich nichts ändern – außer einer neuen IBAN. Service, Filialen und Ansprechpartner bleiben, verspricht der Vorstand. Deutlich größer sind die Veränderungen, die sich hinter den Kulissen der Volksbank Greven vollziehen.

Von Oliver Hengst

Nachdem das Geldhaus jahrelang selbstbewusst behauptet hatte, selbstständig bleiben zu wollen, hat der Vorstand am Mittwoch verkündet, nun doch eine Fusion anzustreben. Man will sich dem entstehenden Verbund aus VR-Bank Kreis Steinfurt und Vereinigter Volksbank Münster anschließen. Der Name des Dreier-Bündnisses: „Volksbank Münsterland Nord eG“.

Neben der Hauptstelle Greven (künftig ein „Kompetenz-Center“) bleiben die Filialen in Nordwalde, Altenberge und Reckenfeld erhalten – und zunächst auch die Niederlassung an der Emsdettener Straße. Hier wolle man „in den nächsten Jahren entscheiden, was passiert“, sagt Volksbank-Vorstand Dietmar Dertwinkel. Die Gründe der Sparkasse, ihre Filiale in direkter Nachbarschaft zu schließen, seien aber „durchaus nachvollziehbar“, ergänzt Vorstands-Kollege Andreas Hartmann.

Wichtig ist ihm dies: „Es ist nicht so, dass wir fusionieren müssen. Es gibt kein Problem, keine Schieflage.“ Man wolle die Volksbank Greven zukunftssicher aufstellen, und zwar langfristig. Es sei der Blick nach vorne, der letztlich den Ausschlag gab. Man agiere, sagt Dertwinkel, „aus einer Position der Stärke heraus“. Jetzt könne man noch aktiv mitgestalten. Handle man nicht, bliebe in einigen Jahren womöglich nur die Option, sich einem schon bestehenden Verbund anzuschließen.

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Ausschlaggebend für die Fusion seien vor allem die extremen Niedrigzinsen, die es einer Bank schwer machten, mit dem „Produkt Geld“ Gewinne zu erzielen, sowie die nach Angaben der beiden Vorstände steigenden Auflagen und Dokumentationspflichten, die immer mehr Mitarbeiter binden.

Apropos Mitarbeiter: „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, betont Hartmann. Gleichwohl wolle man im Verbund Synergien nutzen, die am Ende zu einer um bis zu 15 Prozent niedrigeren Zahl an Mitarbeitern führen könnten. Dies werde „absolut sozialverträglich“ geschehen, verspricht Hartmann, man wolle demografische Entwicklungen nutzen. „Da müssen sich die Mitarbeiter keine Sorgen machen.“ Gleichwohl werde erwartet, dass Mitarbeiter den Prozess positiv begleiten – zumal ihnen tolle, neue Jobchancen im Haus offen stünden.

Nicht zu vergessen: Der Trend zur Digitalisierung. „Leere Filialen, heiße Drähte“, fasst Hartmann das zusammen. Für die benötigte technische Infrastruktur seien erhebliche Investitionen nötig, dies im Verbund zu schultern, falle eben leichter als allein. Dennoch setze die Volksbank nicht nur auf Digitales – man wolle Präsenz in der Fläche zeigen und zugleich moderne Kanäle bedienen, um dem Kunden freizustellen, „auf welchem Wege er mit uns kommunizieren möchte“, sagt Dertwinkel. Für ihn ist daher der Begriff „Bank der Regionen“ mehr als ein Schlagwort. Man werde die genossenschaftliche Idee weiter pflegen, ebenso die Nähe zum Kunden, die schnelle Entscheidungskompetenz vor Ort, verspricht er. Fusion hin oder her.

Man will Vollsortimenter bleiben, eine Volksbank im besten Wort-Sinn, eine, die alle Kundenanforderungen erfüllt, heben die Vorstände hervor. Die Fusion sei „der richtige Weg für Kunden, Mitglieder und Mitarbeiter“, ist Hartmann überzeugt.

Auch künftig können Greven, Altenberge und Nordwalde übrigens mit Gewerbesteuern der Volksbank rechnen. Die Summen werden weiterhin anteilig ausgezahlt.  



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