Do., 09.11.2017

Stadtverwaltungs-Azubis eröffnen ihre Ausstellung Ergreifende Briefe an die Gehängten

Mahnung unter dem Galgen: Bürgermeister Peter Vennemeyer bedankt sich bei den Azubis, die die Ausstellung konzipiert haben.

Mahnung unter dem Galgen: Bürgermeister Peter Vennemeyer bedankt sich bei den Azubis, die die Ausstellung konzipiert haben. Foto: Monika Gerharz

Greven - 

Briefe von jungen Azubis im Jahr 2017 an ermordete junge Zwangsarbeiter, die 1942 in den Bockholter Bergen erhängt wurden: Die Eröffnung der Ausstellung „Was geschah am 14. August 1942?“ im Rathaus geriet zu einer tief berührenden Veranstaltung.

Von Monika Gerharz

Briefe von jungen Leuten an junge Leute, die ermordet worden sind, vorgelesen unter einem Galgen: Die Eröffnung der Ausstellung „Was geschah am 14. August 1942?“ im Rathaus, die die Aktion „Stolpersteine“ ergänzt, ließ keinen Zuhörer unberührt. „Der Galgen, die Schlaufen daran schockieren“, sagte beispielsweise Hans-Dieter Bez. Stadträtin Lore Hauschild meinte: „Faschismus, KZ, Hinrichtungen, davon hatte man ja gehört. Aber hier wird man bei den Emotionen gepackt. Das hätte ich so nicht erwartet.“

Dabei sprachen die Auszubildenden der Stadtverwaltung, die, wie berichtet, die Ausstellung konzipiert hatten, nicht nur die Gefühle, das Mitleid der Besucher an. In zwei sehr persönlich gehaltenen Briefen an die beiden polnischen Zwangsarbeiter Franciszek Banas und Waclaw Ceglewski, die am 14. August 1942 in den Bockholter Bergen wegen angeblichen „Umgangs“ mit deutschen Frauen erhängt worden sind, reflektierten sie nicht nur mit viel Einfühlungsvermögen, was wohl in Kopf und Seele der jungen Polen vorgegangen sein mochte. Sie fragten auch danach, wie es dazu kommen konnte – und wie die Stadtverwaltung, der Amtsschreiner, der Standesbeamte, die örtliche Polizei in die Unrechtsaktion verwickelt waren. Es sei „eine fürchterliche Vorstellung“, dass man, wäre man damals Azubi bei der Stadtverwaltung gewesen, vielleicht vor der Wahl gestanden hätte, mitzuwirken oder sich zu verweigern und im KZ zu landen. „Hätten wir den Mut gehabt? Wir wissen es nicht“, gaben die jungen Leute ehrlich zu. „Schreibende Auseinandersetzung“ nennt Peter Schilling vom Verein „Spuren finden“, der die Azubis beraten hat, diese Form der Annäherung.

In einer kleinen Ansprache bedankte sich der „Chef“ der Ausstellungsmacher, Bürgermeister Peter Vennemeyer, bei den Auszubildenden für ihr großes Engagement.

Er wies darauf hin, dass es auch heute wieder die Gefahr gebe, dass Menschen wegen ihrer Herkunft missachtet würden. „Wir müssen achtsam sein“, sagte der Bürgermeister. „Es bleibt wichtig, sich an das historische Unrecht zu erinnern, damit sich solche Schicksale niemals wiederholen.“

► Die Ausstellung ist in den nächsten drei Wochen vor dem Ratssaal zu sehen.



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