Do., 09.11.2017

Motorrad-Club unterwegs Mit 3,7 PS auf die Winterreise

Diese Herren fahren im Sommer schnittige Motorräder – und in der Wintersaison steigen sie auf die alten DDR-Dreiräder der Marke Simson Duo 4/1 um.

Diese Herren fahren im Sommer schnittige Motorräder – und in der Wintersaison steigen sie auf die alten DDR-Dreiräder der Marke Simson Duo 4/1 um. Foto: Günter Benning

Greven - 

Die Hupe klingt wie eine erkältete Kindertröte. Und aus dem Zweitakterauspuff rußt der dezente Qualm des Spätsozialismus.

Von Günter Benning

Fünf schwergewichtige Oldtimerfreunde flitzen in ihren offenen Simson Duo 4/1 vom Parkplatz vor dem Grill-Restaurant an der Saerbecker Straße. Letzte Etappe einer Winterreise mit halbantiken DDR-Fahrzeugen.

Der Herren-Club aus Altenberge, der hier gerade Mittagspause einlegt, fährt im Sommer brav auf ordentlichen Motorrädern durch die Lande. „Im Winter“, sagt Peter Stüer, „steigen wir auf die Krankenfahrstühle um.“

Tatsächlich ist die überdachte Version des Simson Motorrads in den Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik vor allem als Fahrzeug für Gehbehinderte gebaut worden. Quasi ein Vorläufer der heutigen elektrischen Senioren-Chopper.

„Zugelassen ist der aber bis zu 60 Stundenkilometer“, sagt einer der Mitstreiter. Und legt gleich die technischen Daten nach: Zweitakt-Motor, 50 Kubikzentimeter, 3-Gang-Halbautomatik und 3,7 PS.

Direkt nach der Wende wurden die solide geschraubten Wägelchen für 400 Mark angeboten. Heute zahlt man bis zu 1800 Euro im Internet. Also eine deutliche Wertsteigerung.

Man muss sich aber auskennen, wenn man, wie der Simson-Club aus Altenberge, mit dem Krankenfahrzeug zur zweitägigen Winterauftaktfahrt losdüst. „Irgendwas“, sagt Biker Wolfgang Merx, „ist immer zu schrauben.“ Auch diesmal musste auf dem Weg zum Hotel in Bad Iburg ein Rad ausgetauscht werden. „In Holperdorf“, schmunzelt Merx, „ging es natürlich nur im ersten Gang die Berge hoch.“

Gegenüber manchen anderen seltenen Oldtimerfahrzeugen hat das Simson Duo einen unschätzbaren Vorteil: „Ersatzteile gibt es satt“, sagt Merx. „Die Leute in der DDR haben ganze Garagen davon gehortet.“ Getreu dem Motto: Leg dir einen Vorrat an, wer weiß, wann es wieder was gibt. Begonnen wurde die Produktion von Versehrtenfahrzeugen – vermutlich wegen der vielen Kriegsopfer – zum Ende der 1940er Jahre in der 1880 gegründeten Firma Louis Krause, Leipzig. 1961 wurden die ersten zweisitzigen Fahrzeuge Piccolo Duo gebaut. Das Fahrzeug war ein Exportschlager. Die Hälfte der Produktion ging nach Polen. Ein weiteres Exportland war Albanien.



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