Mi., 03.01.2018

Bier-Export nach Fernost Ein Adler für China

Ludger Schürhoff (l.) , den man in Münster vom Catering im Rathaus kennt, setzt auf sein Adler Bier. Auf Vermittlung von Manhin Tang wird es bald in Hongkong ausprobiert.

Ludger Schürhoff (l.) , den man in Münster vom Catering im Rathaus kennt, setzt auf sein Adler Bier. Auf Vermittlung von Manhin Tang wird es bald in Hongkong ausprobiert. Foto: Dirk Anger

Greven/Münster - 

In Münsters Rathaus macht er häufig das Catering – jetzt exportiert er seine Bier-Marke nach China. Herrn Tang sei Dank.

Von Dirk Anger

36 000 Flaschen Bier schippern gerade im Frachtcontainer ab Hamburg über den Ozean gen Hongkong. Pils, Weizen, Radler . . . – alles für den chinesischen Markt. Und Ludger Schürhoff verfällt in ein breites Grinsen, so als ob er sein Glück noch immer kaum fassen kann. „Für mich ist das wie ein Sechser im Lotto“, freut sich der 55-jährige Grevener über das bisherige Geschäft seines Lebens.

In Münster kennt man den gebürtigen Grevener Schürhoff als Caterer bei Veranstaltungen in Rathaus, Theater oder Stadthaus 2. Dabei schenkt der gelernte Gastronom gerne sein eigenes Adler-Bier aus. Vor Jahren hat er sich die Namensrechte der früheren Grevener Brauerei gesichert – und lässt seitdem im sauerländischen Westheim bei Marsberg den Adler-Gerstensaft nach eigener Rezeptur brauen.

Jetzt lockt den früheren Getränkehändler das Geschäft auf dem chinesischen Markt. Genauso ein Zufall für Schürhoff wie einst, als er als Außendienstler im Mineralwasser-Verkauf auf ein altes Blechschild der bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Greven produzierenden Adler-Brauerei stieß. Als in diesem Sommer Herr Tang anruft, klingelt Schürhoffs Handy im Freibad, wie er sich erinnert. Über das Internet ist Manhin Tang, in Deutschland geborener Hongkong-Chinese, auf das Adler-Bier aufmerksam geworden.

Der 31-jährige Geschäftsmann sucht nach eigenem Bekunden „interessante Produkte“ aus Deutschland für den chinesischen Markt. „Ein mir bekannter Händler hat mich beauftragt, weil ich Deutsch sprechen kann“, erzählt Tang, der in Düsseldorf wohnt. Mit Schürhoff kommt er schnell ins Gespräch – und alsbald ins Geschäft.

Natürlich kennt man die Marke Adler in Asien nicht – doch erste Geschmacksproben überzeugen Tang und seine Auftraggeber in Hongkong. „Die junge Generation möchte neue Sachen probieren“, weiß Tang um die Vorlieben seiner Landsleute. Und dabei locken gerade deutsche Produkte. „Die haben nicht so viel Chemikalien und sind häufig Testsieger“, erklärte der Hongkong-Chinese. Und Weizenbier ist bislang für die Chinesen weitgehend ein Fremdwort, so wie für Schürhoff die chinesischen Schriftzeichen auf seinen Bierflaschen ein Buch mit sieben Siegeln sind.

Aber das spielt keine Rolle: „Der chinesische Markt ist eine Chance für mich“, wittert Schürhoff die große Nummer. Schließlich ist seine Bier-Marke – einst startete er mit einem dunklen Kellerbier – über Greven hinaus kaum bekannt. Gerade erst hat er es geschafft, dass sein Adler von einem münsterischen Getränkelieferanten gelistet wird. Ansonsten bleibt der Grevener mit seiner kleinen Marke die nüchterne Erkenntnis: „Gastronomie und Handel tun sich schwer.“ Dafür aber schafft er das, was den Brauereien der großen Fernsehbiere angesichts ihres ungeheuren Hektoliter-Ausstoßes kaum mehr möglich ist: Er kann in Absprache mit der Gräflich zu Stolberg‘schen Brauerei in Westheim kleinere Chargen liefern. „Für diese Menge stellen die Großen die Etikettierung gar nicht um.“

Seinen Getränkefachhandel an der Mühlenstraße hat Schürhoff unlängst verkauft. Er setzt voll auf sein Adler und den China-Coup. Das Bier wollen seine Abnehmer in Hongkong zunächst auf Veranstaltungen, Events und im Shopping-Center zu Werbezwecken unters Volk bringen – allesamt Einwegflaschen. Dann entscheidet die Nachfrage über die Adler-Zukunft in Fernost.

Bis 2019 billigt Schürhoff Herrn Tang und den chinesischen Käufern ein exklusives Lieferrecht zu. Auf der sicheren Seite ist er allemal: Denn einen fünfstelligen Betrag haben die Chinesen ihm für die erste Containerladung bereits auf sein Konto überwiesen, wie er erzählt. Jetzt ist Schürhoff gespannt, ob man in Hongkong etwas mit seiner Marke anfangen kann.

Mitte Januar soll das flüssige Gut dort eintreffen.



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