Mi., 03.01.2018

Ernie Huesmann Mehr als nur Kreiselkunst

Ernie Huesmann vor seinem Atelier an der Emsdettener Straße. 

Ernie Huesmann vor seinem Atelier an der Emsdettener Straße.  Foto: pia

Greven - 

Mit Kunst werden die wenigsten reich. Optimal deshalb, wenn jemand im Unruhestand ist und nun ganz seiner Leidenschaft widmen kann. Grevens Kreiselkünstler Ernie Huesmann hat dieses Glück. Ein Atelierbesuch.

Von Pia Weinekötter

Mindestens eines seiner Kunstwerke kennen alle Grevener und fahren fast täglich daran vorbei: der Völkerball von Ernie Huesmann auf dem Kreisverkehr in der Innenstadt ist 2001 als erste Kreiselkunst der Stadt installiert worden. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Modehauses Wieschhörster entstand diese Auftragsarbeit. „Völkerball“. „Alle Menschen sind ein Volk“. „Die 16 farbig beschichteten Metallfiguren stehen für alle Völker unterschiedlicher Hautfarbe, Rasse und Gesinnung“, erklärt der Künstler den Titel. Für die Grevener heißt die Skulptur nur „Völkerball“.

Doch auch an anderer markanter Stelle in Greven findet man einen echten Huesmann: wieder auf einem Kreisel, dieses Mal am Hallenbad. Das künstlerische Konzept für das Segelschiff in Anlehnung an Grevens Stadtwappen stammt auf Anregung des Bürgermeisters aus seinem Atelier an der Emsdettener Straße und ist – wie der Künstler betont – „keine Emspünte“. Auch am Emsdeich wird eines seiner Kunstwerke wahrscheinlich bald zu finden sein. Im Rahmen der Emsdeich-Skulpturen ist ein Wind-Objekt von Ernie Huesmann ausgewählt worden und wartet auf die Umsetzung und weitere Sponsorengelder. Neue Ideen hat der Künstler aber schon für ein weiteres Objekt am Emsdeich. „Etwas Großflächiges mit Licht“, mehr möchte er noch nicht verraten.

Denn der Werdegang eines Kunstobjektes ist immer sehr vielschichtig: „Nach der ersten Überlegung folgen die Skizzen nach dem Motto ‚was ist überhaupt möglich?‘, die ich dann am Rechner, wenn nötig, verfeinere und ergänze.“ Anschließend folgen das Stadium des Modellbaus und die Rücksprache mit Metallbauern, Statikern oder auch Feinmechanikern für die technische Umsetzung. „Die Farbgestaltung liegt dann wieder in meiner Hand“, erklärt Huesmann und verweist auf den Völkerball, bei dem er alle Farben extra für dieses Werk angemischt hat. „Und die Leuchtkraft ist auch nach über 16 Jahren noch wirklich gut.“

Die Kunst ist dem gebürtigen Grevener schon in die Wiege gelegt worden. „Auch meine Eltern hatten beide zeichnerisches Talent.“ Die ersten eigenen großen Bleistiftzeichnungen entstanden während seiner Schulzeit mit 16 oder 17, erinnert er sich zurück. „Aber mein Vater bestand darauf, dass ich etwas Vernünftiges lerne und keine Kunst“, erklärt der Künstler augenzwinkernd. Fernmeldetechnik wurde dann sein Metier. Als er jedoch im Elektrotechnik-Studium an seine Grenzen kam, wechselte er zum Studium Grafik-Design und konnte so anschließend sein künstlerisches Potenzial beruflich ausleben.

Nach einigen Jahren in Hamburger Werbeagenturen zog es ihn wieder ins Münsterland und mit „Ernie Design, Kunst + Werk“ folgte Mitte der 90er der Schritt in die Selbstständigkeit. Während dieser Zeit lief die Kunst auf niedriger Flamme, kam aber trotzdem vielfältig zu Tage: „Wenn Sie sich hier in unserem Wohnzimmer umsehen, ist bis auf die zwei Sofas alles von mir entworfen und größtenteils auch selbst hergestellt“, erklärt er nicht ohne Stolz und verweist auf die Lampen, Lichtobjekte, Tische, Schränke – ein Möbel verfügt trotz Türen und Schubladen bis auf die Wandkante nicht über einen einzigen rechten Winkel – bis hin zur Fensterbank mit der offenen Bruchkante und den Bohrlöchern. Seit 2016 ist er im Unruhestand – an seine frühere Arbeit erinnert dabei das Licht-Objekt aus CDs im Eingangsbereich seines Ateliers mit dem Titel „Hommage an meine Arbeit“, das sich tatsächlich aus den Original-CDs der Kundenaufträge seiner Grafik Design Tätigkeit zusammensetzt.

Jetzt hat der 65-Jährige mehr Zeit für die Kunst. Deshalb ist in Greven auch wieder hier und da ein echter Huesmann zu finden: In Zusammenarbeit mit dem Heimatverein gestaltet er das Design für Schaltkästen in der Innenstadt. Hier erzählen historische Bilder, Grafiken und Karten mit Texten des Autors Klaus Roth von Grevens Vergangenheit. Das wird später eine historische Stadtführung. Dieses Mal „Kunst“ nicht im Vorbeifahren. Sondern im Vorbeiflanieren.



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