So., 14.01.2018

Interview mit Klaus-Dieter Niepel „Stadt soll Ortsmitte vermarkten“

 

  Foto: Arndt Zinkant

Was soll aus der Ortsmitte werden? Wie geht es mit der Verlagerung der SCR-Einrichtungen an den Wittler Damm weiter? Was wird aus der alten Hauptschule? Zu all diesen drängenden Fragen, die mit der Ortsentwicklung zusammenhängen, bezieht Klaus-Dieter Niepel, Vorsitzender des Reckenfelder Bezirksausschusses, im Interview Stellung.

Herr Niepel, Sie sind nun seit drei Jahren Ratsmitglied und Vorsitzender des Reckenfelder Bezirksausschusses. In drei Jahren wird wieder gewählt. Wie sieht die Halbzeitbilanz aus?

Klaus-Dieter Niepel: Wir haben viel gemacht – ich erinnere an den Straßenausbau, der fast vollendet ist. Dadurch hat das Ortsbild sehr gewonnen. Und noch mehr haben wir auf den Weg gebracht – Stichwort Kindergarten, Caritas-Wohnheim, Überplanung der Emsdettener Landstraße, die Verlagerung des Sportplatzgeländes und die ersten Planungen für die Ortsmitte.

Kommt die Sportplatzverlagerung wirklich in 2018?

Niepel: Ich gehe fest davon aus, dass die Planungen 2018 stehen und Ende 2019 die Verlagerung erfolgt ist. Über die Art und Weise, wie das geschehen soll, ist allerdings noch nicht das letzte Wort gefallen. Ich denke dabei zum Beispiel an die Kegler des SCR. Wir müssen die sportlichen Leistungen dieser Gruppe honorieren. Wenn es ein Fußballverein wäre, der Chancen auf die Bundesliga hat, gäbe es gar keine Diskussion drüber, dass sich eine Stadt finanziell engagiert. Bei den Keglern tut man so, als ob das nichts wert wäre. Das kann nicht sein. Wir und auch der SCR selbst müssen Lobbyarbeit leisten.

Denken Sie dabei an eine normgerechte Kegelbahn im Zusammenhang mit dem geplanten Mehrzweckgebäude am Wittler Damm?

Niepel: Wir sollten das berücksichtigen, ja. Der Verein hat ja bereits aus eigenen Mitteln eine gebrauchte Kegelbahn gekauft. Jetzt sollte die Stadt beim Gebäude zumindest mithelfen.

Wenn der SCR umgezogen ist, wird die Ortsmitte frei zur Überplanung. Dann stellt sich die Frage: Was wird aus der alten Turnhalle und aus der alten Hauptschule?

Niepel.: Meine persönliche Meinung ist: Die Turnhalle sollte entfernt werden. Sie ist rein optisch keine Augenweide, verursacht enorme Betriebskosten und würde die Planung in der Ortsmitte sehr einschränken.

Und die alte Hauptschule?

Niepel: Am neuen Trakt hängt wahrscheinlich kein Reckenfelder. Anders sieht es mit dem alten Gebäude aus. Dem würden viele Reckenfelder nachweinen.

Es gibt ja Überlegungen, daraus ein Bürgerhaus zu machen.

Niepel: Das käme auf die Bedingungen an. Es würde gewiss nicht funktionieren, wenn ein Verein als Träger für alle Kosten aufkommen müsste. Ein möglicher Trägerverein müsste finanziell unterstützt werden, etwa bei den fixen Kosten. So etwas ist denkbar. Greven hat die GBS mit ihren Möglichkeiten. Warum sollte ein großer Stadtteil wie Reckenfeld nicht auch ein Bürgerzentrum haben? Wir haben das gleiche Recht auf einen solchen Treffpunkt für Jung und Alt wie die Kernstadt.

Drei Jahre lang, von 2009 bis 2012, haben viele Reckenfelder am Konzept „Reckenfeld 2020“ und später am Integrierten Handlungskonzept mitgearbeitet und für die Ortsmitte Ideen entwickelt. Spielen diese Ideen überhaupt noch eine Rolle?

Niepel: Unbedingt. Darauf müssen wir drängen, denn sonst ginge zu Recht ein Aufschrei durch die Bevölkerung. Wenn es zum Beispiel nicht gelingen sollte, die alte Schule zum Bürgerhaus zu machen, müsste etwas Neues gebaut werden, denn ein Bürgerzentrum war eine zentrale Forderung. Dafür würde ich mich schon einsetzen wollen.

Besteht denn die Gefahr, dass diese Wünsche vergessen werden?

Niepel: Wenn die Wünsche der Reckenfelder nicht berücksichtigt werden, gibt es am meisten Profit, machen wir uns nichts vor. Wir müssen sehr aufpassen, dass das nicht passiert. Dafür bekommen wir aber Unterstützung im Grevener Rathaus. Auch dort ist man der Meinung, dass man sich bei der Planung am Integrierten Handlungskonzept entlanghangeln sollte.

Es deuten sich im Ortsteil schon Diskussionen darüber an, was genau in der Ortsmitte gebaut werden soll. Sind Sie für Kästen mit Mietwohnungen oder für Einfamilienhäuser?

Niepel: Wir müssen aufpassen, dass wir keine Kästen kriegen. Aber wir müssen genauso aufpassen, dass wir auch Wohnraum schaffen für Menschen, die es nicht so dicke haben. Darum bin ich dafür, nicht alles an einen einzigen Investor zu geben, sondern das Gelände durch die Stadt selbst zu vermarkten.

Es gibt einen ersten Planungsentwurf, der sieht Supermärkte im Innern des Blocks vor. Können Sie sich das vorstellen?

Niepel: Ich gehe davon aus, dass da kein Aldi hinkommt und dass er da auch nicht hin will. Dafür lassen sich in Reckenfeld bedeutend bessere Plätze finden. Und die Frage ist, ob der Standort für kleinere Geschäfte lohnenswert ist.

Im Integrierten Handlungskonzept wurde ein Generationenpark für die Ortsmitte gefordert. Ist das realistisch?

Niepel: Wir werden auf jeden Fall Grün erhalten müssen mit Aufenthaltsqualitäten für Jung und Alt – am besten in der Nähe eines Bürgerhauses.

Immer wieder wird angesichts der Entwicklung Reckenfelds der Ruf nach einer weiterführenden Schule laut. Halten Sie ein solches Projekt für realistisch?

Niepel: Für die nächsten Jahre nicht. Wenn Reckenfeld weiter wächst, muss man allerdings neu überlegen. Mir kommt es zunächst einmal darauf an, dass die Reckenfelder Grundschule so gut ausgestattet wird, dass sie allen modernen Anforderungen an eine Schule genügt.

Was ist Ihre größte Sorge für Reckenfeld in den nächsten Jahren?

Niepel: Etwas Sorgen macht mir der Fluglärm. Wenn sich im Airportpark weiterhin Firmen ansiedeln, die Frachtflug erzeugen, wird es immer schwieriger, ein Nachtflugverbot durchzusetzen. Davon ist Reckenfeld neben Ladbergen stark betroffen. Fluglärm wirkt sich stark negativ auf die Lebensqualität der Bürger aus.

Neben Ihrer politischen Karriere sind Sie ein Mann der Freilichtbühne. Sind Sie in dieser Eigenschaft zufrieden mit den Zuschüssen der Stadt für ihren kulturellen Leuchtturm?

Niepel: Wenn man die paar Euro im Haushalt sieht, könnte man natürlich auf die Idee kommen, dass wir stiefmütterlich behandelt werden. Aber dem ist nicht so. Die Stadt hat uns in den vergangenen Jahren bei unseren verschiedenen Projekten immer durch großzügige Zuschüsse geholfen. Wir hoffen, dass das auch bei der Verwirklichung unseres Traums von einem kleinen Zimmertheater im Spielerheim so sein wird. Aber das ist derzeit alles noch nicht spruchreif.

Was fasziniert Sie persönlich mehr – das Theater oder die politische Bühne?

Niepel (lacht): Politik ist interessant, ganz ohne Zweifel. Aber wenn ich an die Bühne denke, komme ich ins Schwärmen, auch wenn ich nicht mehr Vorsitzender bin. Das Theater, das ist schon ein bisschen eine Sucht. Interview: M. Gerharz



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