Do., 08.02.2018

Was vom Buchmarkt übrig bleibt 800 Ladenhüter

Das sind die Reste des Flohmarktes in der Stadtbibliothek. Sigrid Högemann packt sie zusammen.

Das sind die Reste des Flohmarktes in der Stadtbibliothek. Sigrid Högemann packt sie zusammen. Foto: Peter Beckmann

Greven - 

Die Bücherei hat ihre Bestände durchforstet und in einem Flohmarkt verkauft. Wir haben nachgesehen, was übrig blieb.

Von Peter Beckmann

Ach, wäre das schön gewesen. Und sicherlich eine richtig tolle Geschichte. Eine Geschichte über das aller letzte Buch, über den Ladenhüter, den wirklich niemand haben möchte. Man hätte darin schmökern können und dann erzählen, dass es dann doch gar nicht so schlecht ist, das letzte Buch. Aber nein: Das gibt es nicht. Denn: Beim Flohmarkt in der Stadtbibliothek, der gestern zu Ende ging, blieben gleich rund 800 Bücher, CDs und DVDs übrig. Schade.

3000 Medien warteten seit zwei Monaten auf Käufer. Die meisten gab es für einen Euro, aber es waren auch ein paar teurere dabei. „Das sind dann ehemalige Bestseller, die sich noch in einem guten Zustand befinden“, erklärt Sigrid Högemann, Leiterin der Stadtbibliothek.

Sie und ihre Mitarbeiterinnen haben im November immer eine Aufgabe, die sie alle nicht so gerne mögen. „Wir können uns alle nur ganz schwer von Büchern trennen. Vor allem, wenn wir sie selbst bestellt und gelesen haben.“

Aber: Der Bestand muss durchforstet werden. Denn auch in einer Bücherei ist der Platz nur endlich. Die Kriterien, wonach ein Buch oder eine DVD ausgesondert werden und auf dem Flohmarkttisch landen, sind vielfältig. „Da gibt es Ratgeber, wie zum Beispiel für Lohnsteuerhilfen, die veraltet sind. Manche sind eben in einem schlechten Zustand. Bei einigen ist die Aktualität weg und natürlich sind auch die Ausleihzahlen ein Kriterium.“ Logisch: Wenn ein Buch seit zwei Jahren nicht mehr ausgeliehen wurde, spricht das eine deutliche Sprache. „Dabei schauen wir aber schon genau hin, ob es ein Klassiker ist oder eine Null-Acht-15-Schmonzette“, verdeutlicht Högemann.

Manche Medien haben auch gar keine Nachfrage mehr – das Netz lässt grüßen. „Kunstbände mit Büchern braucht heute niemand mehr, die bekommt man besser und bequemer im Internet“, nennt die Bibliothekarin ein Beispiel. Nachschlagwerke seien ein anderes.

Unter den vielen Büchern, die auf dem Flohmarkt verkauft werden, sind auch viele Buchspenden. „Wir bekommen fast täglich Angebote für Bücherspenden“, erzählt Högemann. Benötigt würden aber nur aktuelle Bücher. „Deshalb müssen wir einiges ablehnen, sonst platzen wir aus allen Nähten.“

Tja, gestern war der letzte Tag. Und was passiert mit den Ladenhütern? „Wir haben da jemanden, der alles abholt“, erzählt Högemann. Vermutlich sei das ein Flohmarkthändler. Aber darüber ist die Büchernärrin auch recht froh. Denn: „Bücher wegwerfen geht gar nicht, da würde nicht nur mir das Herz brechen.“



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