Do., 08.02.2018

Jahresauftakt der CDU-Mittelstandsvereinigung Sisyphosarbeit für Minister Wüst

Hendrik Wüst (M.) erhält einen Mini-Lkw aus der Hand von MIT-Vorsitzendem Dr. Christoph Kösters.

Hendrik Wüst (M.) erhält einen Mini-Lkw aus der Hand von MIT-Vorsitzendem Dr. Christoph Kösters. Foto: bn

Greven - 

Sisyphos war bekanntlich ein Königssohn, der die Götter ärgerte. Zur Strafe muss er einen Stein einen Berg hinaufrollen, der ihm jedes mal kurz vorm Ziel wegrutschte. So ungefähr darf man sich nach den Berichten von Hendrik Wüst (CDU) die Arbeit eines Verkehrsministers in NRW vorstellen.

Von Günter Benning

Beim Jahresauftakt der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT) entwarf der Landespolitiker und MIT-Landesvorsitzender das Bild eines Sanierungsbetriebs mit unlösbaren Aufgaben.

Da ist einmal die Kapazität. Für den Ausbau von Bundesstraßen und Autobahnen stünden ihm bis 2030 20 Milliarden Euro zur Verfügung, sagt Wüst. „Aber Straßen NRW kann nur 500 Millionen im Jahr verbauen.“ Mehr schaffe die Behörde nicht. Da müsse man künftig verstärkt auf Planungskapazitäten des Marktes zugreifen. Wenn es die gibt. Er könne in seinem Ministerium 50 Stellen für Ingenieure besetzen, sagte Wüst, „wenn ich sie bekomme.“

Die MIT hatte zum Jahresauftakt in die Kantine von Sahle Bauen eingeladen. Bei der Begrüßung betonte Hausherr Albert Sahle, wie verzahnt Wohnungsbau und Verkehr seien. Bei der Lage auf dem Arbeitsmarkt komme man nicht ohne qualifizierte Migration aus. Bei der Dichte der Städte könne man etwa in Münster kaum noch Wohnraum schaffen. Und wenn dann in der Peripherie gebaut werde, so Sahle, gehe das nur mit einem funktionsfähigen ÖPNV.

Da stimmte Wüst zu, allerdings mit einer Einschränkung: Auch hier seien Kapazitätsgrenzen erreicht. Die Forderung im Berliner Koalitionsvertrag, den Personenverkehr auf der Schiene zu verdoppeln, sei hoch gegriffen: „Die Schiene ist schon heute voll.“

Wüst baut aber auf neue Projekte, etwa den Bau einer Nordbahn von Recke nach Osnabrück („sonst wird man künftig gar nicht mehr in die Städte kommen“). Außerdem auf jahrzehntelange Reparatur- und Erneuerungsarbeiten an den NRW-Autobahnen. Hier müsse man mit Nacht- und Wochenendschichten neue Wege gehen, um die Staubelastung zu verringern.

Außerdem müssten, so Wüst, Möglichkeiten der Digitalisierung und Vernetzung besser ausgebaut werden: „Sie können heute im Internet ein Ticket von Greven zu irgendeiner Stadt in Australien buchen, mit Bus, Flug, Leihwagen“, sagte der Minister, „aber versuchen sie mal, ein Ticket von Greven nach Euskirchen zu buchen.“ Das sei in der ÖPNV-Kleinstaaterei unmöglich.



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