Mo., 16.04.2018

Große Gefühle aus Franken: „Wulli und Sonja“ im Beatkeller Lieber Nordsee als Helene

Bewegten den Beatkeller: Wulli und Sonja.

Bewegten den Beatkeller: Wulli und Sonja. Foto: Stefan Bamberg

Greven - 

Nein, also wirklich. „Die Sonja singt alles – sogar Helene Fischer“, kündigt der Wulli an. Und kriegt das sofort um die Ohren: ein Raunen im Gewölbe. Sonjas pikierter Blick, der sagen will, dass das ja wohl gar nicht geht.

Von Stefan Bamberg

Aber keine Angst, Wulli hat nur Spaß gemacht. In Wahrheit gehört er natürlich auch zu denjenigen, die lieber richtige Mucke hören. Handgemacht und so.

Mit dieser Einstellung ist man im Beatkeller generell nie verkehrt – und am Samstagabend sogar goldrichtig. Zum Glück nicht atemlos, sondern zügellos hetzen „Wulli und Sonja“ durch die Rock- und Soulgeschichte.

Mit Aretha Franklins „Natural woman“, den Beatles und all den einsamen Leuten („All the lonely people“) – so weit, so berühmt. Doch wer hätte geglaubt, jemals noch mal „The letter“ von den Box Tops zu hören?

Es war auch der erste Song, den Sonja live von Wulli hörte, als der ihn bei einem seiner unzähligen Gigs in den Kneipen Frankens spielte. Sie kam aus Nürnberg, er rockte in Erlangen: „Nur fuchzich Kilometer“, erinnert sich Sonja im feinen Dialekt.

Der Weg hatte sich gelohnt: ein Plausch in der Pause. Wullis Ahnung, dass diese Zuschauerin sicher auch schon mal was mit Musik zu tun hatte – wenige Minuten später stand die kleine Frau mit der großen Stimme nach 16 Jahren Pause plötzlich wieder auf der Bühne: „Mein heutiger Gast: Sonja!“, rief Wulli damals spontan.

Und der gemeinsame Song? „Me and Bobby McGee“ von Kris Kristofferson – wundert es bei dieser Story, dass die Nummer noch heute starke Emotionen auslöst?

Überhaupt: Das Publikum ist begeistert von den Liedern, Sonjas fetter Altstimme und Wullis irren Gitarren-Verrenkungen, mit denen er im Laufe des Abends mutmaßlich mehrere Fliegen erschlägt. Aber es sind nicht zuletzt auch die vielen Anekdoten, die sehr persönlichen Geschichten, die dieses Konzert besonders machen. Die beiden erleben eben auch viel zusammen, kommen bei mehreren hundert Auftritten im Jahr mächtig rum.

Und wenn der Franke eine Reise tut, so kann er was erzählen: Über ihre Liebe zur Nordsee zum Beispiel hat Sonja gleich einen Song geschrieben – „Herzensland“. Klingt natürlich kitschig, und ist es vielleicht auch ein bisschen: „Mit Tränen in den Augen lass‘ ich das Ortsschild hinter mir – doch eines ist ganz sicher: Mein Herz, das bleibt für immer hier.“

Aber lieber eine Prise Fernweh-Pathos als Helenes Plastikschlager.



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