Di., 07.11.2017

Bewegte Geschichte Ein Trampeln und Springen

Diese Postkarte aus dem Jahr 1939  zeigt den Kaminraum des Hotel Crins mit Blick auf die Terrasse.

Diese Postkarte aus dem Jahr 1939  zeigt den Kaminraum des Hotel Crins mit Blick auf die Terrasse.

Horstmar - 

Der Abbruch der Gebäude des ehemaligen Hotels Crins mitten in der Altstadt hat Erinnerungen an die bewegte Geschichte des Hauses geweckt. Dort fanden früher sogar Tanzstunden statt, wie Franz Giese in seinem Buch „De fürstbischöflik Mönsterske Hauptmann Franz Miquel un sine Familje“ schreibt. Karl Heinz Brügge hat seinen Bericht ins Hochdeutsche übertragen. Engelbert Glock hat den Text bearbeitet und leicht gekürzt.

Mit dem Abriss der Gebäude des ehemaligen Hotel Crins an der Münsterstraße mitten in der Altstadt hat Burgmannsstadt ein Haus mit einer langen Geschichte verloren. Davon zeugt eine Erzählung unter dem Titel „Tanzstunden auf Crin`s Saal“ und „Schlussball auf dem Rathaus in Horstmar“. Diese hat Franz Giese in seinem Buch „De fürstbischöflik Mönsterske Hauptmann Franz Miquel un sine Familje“ in Münster 1892 veröffentlicht. Karl Heinz Brügge hat seinen Bericht ins Hochdeutsche übertragen. Engelbert Glock hat den Text bearbeitet und leicht gekürzt.

. . . War es doch schön in und um Horstmar!

In Crin`s Haus, oben auf dem Saal, wurde von zwei Tanzlehrerinnen aus Köln Tanzunterricht gegeben, und der ganze junge Damenflor und die ganze jeunesse dorée aus Horstmar und Umgebung nahm daran teil. Das war dort ein Trampeln und Springen und Rufen und Kommandieren zwischendurch, als wenn oben das ganze vierte Münstersche Kürassierregiment von Driesen Unterricht im Reiten bekäme. Doch die Sache näherte sich dem Ende, und dann sollte auf dem Rathaus Schlussball sein.

Mathis und ich, die wir wie Gott in Frankreich lebten, der eine bei Crins und der andere bei Isfort in der Post wurden eingeladen, teilzunehmen, wenn auch nur als Zuschauer. „Öhm Mathis“, sagte ich, „dafür wirst du dich wohl nett bedanken, du wolltest doch bei Plätzers in Angelmodde auch niemals zuschauen! – Ja“, sagte er, „da waren doch meist nur alte Frauen und hier sind es die netten Horstmarer Wichterkes“. Und richtig, ehe der Ball noch angefangen hatte, da waren wir beide schon da. Es war wunderschön im Saal! Wacholdersträucher mit Fänchen darüber hatte der Knecht von Crins, der alte Heinrich, an die Wände genagelt. Und für mehr als einen Taler Luchtenfett (Lampenöl), so sagte mir dieser später, wäre dabei draufgegangen.

Das war aber nichts gegen das Luchtenfett, das die Tänzer und besonders die Eltern und Verwandten sowie die Horstmarer Honoratioren, für sich innen verbrauchten. Das Geld dafür möchte ich mal auf einem Haufen vor mir auf dem Tisch liegen haben! Und wie pikfein die jungen Damen und Herren angezogen waren, die einen schneeweiß, die anderen pechschwarz mit den feinsten Handschuhen, Manschetten und Vorhemden!

Und wie schön wurde getanzt! Alle Tänze, die es gibt! Und wie schön kommandierten die beiden Tanzlehrerinnen und wie schön strichen die Musikanten ihre Geigen und ihre Brummbässe! Und wie wussten die Damen und Herren ihre Verneigungen zu machen und die Kotillonorden und „Boukettkes“ an die Tänzerinnen wurden ausgeteilt genau so wie in Münster auf dem Civilclub. Den größten Triumph aber feierten Matthis und ich! Wir beide tanzten nicht mit, denn wir konnten es nicht, und doch kamen die beiden „nüdliksten Wichterkes“ vom ganzen Ball auf uns alte Knasterbärte losgesprungen und steckten uns einen Kotillonorden an. . .  Wir grinsten wie die Pfingstfüchse und tranken jeder eine Flasche Wein extra. . .

Bis zum anderen Morgen das Tanzen und Feiern. Und die Horstmarer Droschkenfahrer dachten: Wäre doch jede Woche so ein Schlussball und nicht höchstens alle drei Jahre.



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