Mi., 27.09.2017

Enkel-Trick-Betrüger unterwegs „Oma würde für ihre Enkel alles tun“

Beim „Enkel-Trick“ gaukeln Betrüger bevorzugt älteren Menschen vor, ein Verwandter zu sein, der in finanzieller Not ist. Im Laerer Fall fand die Geldübergabe zwar nicht an der Haustür statt, aber wie immer wurde die Gutgläubigkeit des Opfers ausgenutzt.

Beim „Enkel-Trick“ gaukeln Betrüger bevorzugt älteren Menschen vor, ein Verwandter zu sein, der in finanzieller Not ist. Im Laerer Fall fand die Geldübergabe zwar nicht an der Haustür statt, aber wie immer wurde die Gutgläubigkeit des Opfers ausgenutzt. Foto: Oliver Werner

Laer - 

Die Polizei des Kreises Steinfurt warnt vor Enkel-Trick-Betrügern, die zurzeit im Raum Greven, aber auch in Laer unterwegs sind. Im Ewaldidorf hat eine über 80-Jährige fast 45 000 Euro verloren, weil sie ihrem vermeidlichen Verwandten mit dem Geld helfen wollte. Ihre Familie ist fassungslos über den Vorfall.

Von Sabine Niestert

Obwohl die Polizei ständig davor warnt, geschieht es immer wieder. Dieses mal ist einer Seniorin aus Laer passiert. Die über 80-Jährige ist auf den sogenannten „Enkel-Trick“ hereingefallen und hat dabei fast 45 000 Euro verloren. Im guten Glauben, ihrem Enkel mit dem Geld zu helfen, hat sie diese riesige Summe von der Volksbank abgehoben.

Wie es dazu kam, schildert die Enkelin der geschädigten alten Dame in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Sie und ihre Familie suchen die Öffentlichkeit, um andere alte Menschen, noch einmal ausdrücklich vor dieser perfiden Betrugsmasche zu warnen, was auch die Polizei tut. Diese stellt in einer Presseverlautbarung fest, dass es im Kreis Steinfurt gerade wieder zahlreiche Fälle dieser Art gibt und dass die Methoden der Betrüger stets variieren.

Irritation am Bankschalter

Die bekannt klassische Vorgehensweise war es bei der Bürgerin im Ewaldidorf. Die Frau bekommt einen Anruf, vermutet, dass es einer ihrer Enkel ist, nennt seinen Namen und der Mann am anderen Ende bittet zunächst um 20 000 und später sogar um 40 000 Euro.

„Der Anrufer hat meiner Oma gesagt, dass er in Not ist, dringend Geld braucht und es ihr natürlich zurückzahlt“, schildert die Enkelin den Vorgang. Weil ihr Bruder kurz vor seiner Hochzeit stand, wollte die Großmutter ihm unbedingt helfen. Das erzählte sie auch bei der Volksbank, wo sie einen Tag nach dem Telefonat das Geld abheben wollte. Die Mitarbeiterin am Schalter hätte noch Kollegen hinzugezogen, die in Anbetracht der hohen geforderten Summe zwar mehrmals nachgefragt hätten, der Kundin dann aber trotz ihrer Bedenken das Geld auszahlten.

Betrugsmasche

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Das brachte die alte Dame dann später zum verabredeten Treffpunkt. Den hatte der angebliche Enkel mit der Seniorin ausgemacht und ihr eine Frau namens „Schaf“ angekündigt. Diese ließ sich die fast 45 000 Euro in den Rucksack packen und verschwand damit.

Gutgläubigkeit ausgenutzt

Die Familie von der Betrogenen erfuhr erst eine Woche später von den Vorfall. So wartete die Oma vergeblich auf den Dank ihres Enkels und die Rückzahlung des Geldes, die es nicht gab. Zurück bleibt eine fassungslose Familie, die nicht fassen kann, dass die Gutgläubigkeit älterer Menschen so schamlos und dreist ausgenutzt wird.

Warum ihre Großmutter auf den Trick hereingefallen ist, obwohl sie mehrmals von ihm gehört hat, kann sich die Enkelin nur mit der „emotionalen Betroffenheit“ erklären. „Meine Oma würde für ihre Enkel alles tun“, weiß sie. Und das ist der Frau dieses Mal zum Verhängnis geworden

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