So., 04.02.2018

Anstehen lohnt sich Immer wieder toll. . .

Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther (v.l.) zeigten sich analytisch, sensibel, von beißend-kritisch bis krachend naiv und boten dem Publikum einen herrlichen Abend, der sogar das schlechte Wetter vergessen ließ.

Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther (v.l.) zeigten sich analytisch, sensibel, von beißend-kritisch bis krachend naiv und boten dem Publikum einen herrlichen Abend, der sogar das schlechte Wetter vergessen ließ.

Laer - 

Das Anstehen für die Karten der Storno-Auftritte lohnt sich. Das zeigte sich wieder beim Gastspiel von Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther am Freitagabend in der Laerer Turnhalle. Dort präsentierte das geniale Trio sein ganz persönliches (Un-)Verständnis der Welt und des Jahres 2017.

Von Annegret Rose

Storno, ein Kulttrio, das in Laer 640 Menschen an einem kalten Freitagabend in die Turnhalle lockte. Dort war dann die Hölle los. Dass sie geniale Späße auf Lager haben, ist nicht unbekannt, aber immer wieder toll zu hören und zu sehen. Die drei, dass sind Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther. Alle in den besten Jahren, super verrückt in der Präsentation. Bevor die Show begann, begrüßte Gudrun Homann vom Kulturamt Laer die Fans. Sie nutzte die Gelegenheit, sich bei den Vereinigten Schützen, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Dorfmarketing sowie bei Klemens Potthoff und Edgar Kösters für die Unterstützung zu bedanken.

2017, ein Schicksalsjahr, das noch lange nicht zu Ende ist. Damit es nicht vergessen wird, zeigen drei verwegene Kerle eine Rückschau. Philipzen eröffnete mit dem Verweis auf „Habemus GroKo“ die Szene, um zu beklagen, dass Jamaika nicht zustande gekommen wäre. Dabei spiele die mangelnde Kompromissbereitschaft in der Gesellschaft eine entscheidende Rolle.

Das sähe man auch im Privaten. Mit seiner Frau habe er sich erst kürzlich darauf geeinigt, dass sie beide Barbara heißen, weil er sie morgens fälschlicherweise mit diesem Namen anspreche. Man müsse halt eine gemeinsame Realität schaffen. Das gelte auch in der Politik. „Wo gehobelt wird, da fällt der Spahn“.

Kurz darauf erscheinen Funke und Rüther auf der Bühne mit einem neuen Stichwort: „Asymmetrische Demobilisierung“. Bevor der überraschte Zuschauer über Veränderung nachdenken kann, kommentieren die drei das angebliche Ende der SPD durch Martin Schulz und Andrea Nahles.

Im anschließenden A-Capella-Gesang nach dem alten Kirchenlied „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ wird Schulz bedauert. „Oh Schulz, in den Umfragen lagst du im März mal vorn, dann wurdest du geschlagen, die Beule ein Martinshorn. . .“

Die Abfolge der einzelnen Nummern lässt keine Pause fürs Überlegen zu. Die Künstler feuern eine Wortsalve nach der anderen, während sich die Besucher vor Lachen biegen.

Als roter Faden des Programms „Die Abrechnung 2017“ stehen neben den politischen Veränderungen auch die gesellschaftlichen. Die FDP, insbesondere der elegante Lindner, wird verhohnepipelt als Vertreter des Parfüms „l’egoisté“ (Der Egoist). „Hast Du erst die Haare schön, will niemand mehr den Inhalt sehn.“ Dann fragen die Akteure, wer heute noch grün wähle und kommen dabei auf Menschen, denen viele komische Eigenschaften angedichtet werden, wie das Unkraut Rauke in Gourmet Ruccola umzutaufen und SUV fahren.

Neben allen Parteien, auch der CDU, vertreten durch Angela Merkel (Mutti) wird besonders die AfD aufs Korn genommen, denn „wer glaubt, dass die ohne Pöbeln und mit Vernunft agieren, der glaubt auch an eine Eheberatung im Puff.“ Der Begriff „Rechtsausschuss“ erlange mit der AfD im Bundestag eine neue Bedeutung.

Weitere Themen des Abends wie die „Ehe für alle“, die Klimawende, die Veganer sowie die Digitalisierung nahm das Trio in der Analyse auf die Schippe. Der Song „Despacito“, bei Storno in „Incognito“ umgewandelt, kritisierte das Lobby-Unnwesen. Während Rüther mit der Miene des Zweiflers auftrat, spielte Funke mit seinem Knautschgesicht den „Doof“ und Philipzen gab den Schelm.

Zuletzt standen die Zuschauer vor Begeisterung auf und erklatschten sich Zugaben. Auf alle Fälle wünschten sich Publikum und Künstler ein Wiedersehen im nächsten Jahr.



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