Mi., 06.01.2016

Selbstbehauptungstraining für Mädchen Bis hierhin und nicht weiter

Stärke zeigen sollen die Mädchen, indem sie mit voller Kraft ihr Gegenüber wegdrücken. Es ist eine von vielen Übungen, mit denen Selbstbehauptungstrainerin Tanja Gosling den Teilnehmerinnen zeigt, was alles in ihnen steckt.

Stärke zeigen sollen die Mädchen, indem sie mit voller Kraft ihr Gegenüber wegdrücken. Es ist eine von vielen Übungen, mit denen Selbstbehauptungstrainerin Tanja Gosling den Teilnehmerinnen zeigt, was alles in ihnen steckt. Foto: Heidrun Riese

Metelen - 

Nein zu sagen, kann einiges an Mut erfordern. Bei einem zweitägigen Angebot des Jugendtreffs Chilly lernten jetzt zwölf Mädchen nicht nur das. Sie übten auch, wie sie sich behaupten, verteidigen und damit aus einer unangenehmen oder sogar brenzligen Situation retten können.

Von Heidrun Riese

„Stop“, schallt es durch die Sporthalle an der Walkenmühle. Gefolgt von einem lautstarken: „Hau ab, lass mich in Ruhe!“ Was dort passiert, ist aber überhaupt nichts Schlimmes – ganz im Gegenteil. „Es soll genau das verhindern“, betont Tanja Gosling, die der Jugendtreff Chilly zu einem Selbstbehauptungstraining für neun- bis 13-jährige Mädchen eingeladen hat. An zwei Vormittagen vermittelt die Sozialpädagogin und Selbstbehauptungstrainerin, die auch auf die Prävention sexualisierter Gewalt spezialisiert ist, den zwölf Teilnehmerinnen wichtige Hilfen in unangenehmen oder sogar brenzligen Situationen.

„Mädchen, gerade in dem Alter, wissen oft nicht, wie das mit dem Nein-Sagen funktioniert“, erläutert Stephanie Dietrich, Leiterin des Jugendtreffs, den Hintergrund. „Sie wollen immer nett sein und es allen recht machen. Dadurch lassen sie sich leicht überrumpeln.“ Sich zu wehren, wenn auch nur mit Worten, ist also gar nicht so einfach.

Wie wichtig es ist, Grenzen aufzeigen zu können, erleben die Teilnehmerinnen in einem Rollenspiel. Zwei Situationen stehen zur Auswahl: In der einen gibt es den Klavierlehrer, der seine Hand während des Unterrichts plötzlich auf den Oberschenkel seiner Schülerin legt. In der anderen ist es ein schmieriger Typ, der sich im Bus einer jungen Mitfahrerin annähert. In Zweier-Gruppen werden die Szenen durchgespielt. Beim ersten Mal ist das Mädchen zurückhaltend, beim zweiten Mal wehrt es sich gegen den Mann. Jede Teilnehmerin schlüpft sowohl in die Rolle des potenziellen Täters als auch in die seines auserkorenen Opfers. In welcher sie sich am wohlsten fühlen, darin sind sich alle einig: Es ist die, in der sich das Mädchen gegen den Mann behauptet und damit aus der unangenehmen Situation rettet.

Mut spielt bei Selbstbehauptung und -verteidigung eine wichtige Rolle. Den kitzelt Gosling mit einfachen Übungen aus ihren Schützlingen heraus und verlangt ihnen dabei Schritt für Schritt mehr ab. In der Mitte der Halle ist eine dicke Matte aufgestellt. Zunächst sollen die Mädchen in vollem Tempo dagegen rennen und sich mit dem weichen Untergrund fallen lassen. Danach lehnen sie sich mit dem Rücken an die Matte und lassen sich mit ihr zu Boden sinken. Zum Schluss kommt das Sandwich, das einige der Neun- bis 13-Jährigen schon mehr Überwindung kostet. „Ihr legt euch zu zweit auf die eine Matte und die anderen lassen eine weitere Matte auf euch drauffallen“, kündigt die Trainerin an und gibt gleichzeitig Entwarnung. „Keine Sorge, sie heben sie aber auch sofort wieder an.“ Die Mädchen merken schnell: Das ist nichts, wovor sie Angst haben müssen.

Und genau so lernen sie, dass es zwar ein wenig Mut erfordert, aber gar nichts Schlimmes ist, in brenzligen Situationen laut und stark aufzutreten – um zu zeigen, dass man nicht alles mit sich machen lässt. „Je selbstbewusster ich auftrete, desto eher wende ich ein mögliches Unheil von mir ab“, betont Gosling, die auch ein paar einfache Techniken zur Selbstverteidigung zeigt. Und weil Männer von Natur aus stärker sind als Frauen und vor allem als Mädchen, gibt es obendrein noch ein paar Tipps, wie Köpfchen gegen Kraft einzusetzen ist.

Und so viel ist sicher: Aus dem insgesamt fünfstündigen Training nehmen die Teilnehmerinnen eine Menge mit. Bleibt zu hoffen, dass ihnen wirklich gefährliche Situationen erspart bleiben und es vielleicht nur der große Bruder oder der nervige Mitschüler ist, der nach einer Neckerei zu hören bekommt: „Hau ab, lass mich in Ruhe!“

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