Sa., 05.03.2016

Pilgern Zeit, die Seele nachkommen zu lassen

Ruth Bentler zeigt ein „Multifunktionstuch“ mit abgebildeter Pilgerroute

Ruth Bentler zeigt ein „Multifunktionstuch“ mit abgebildeter Pilgerroute Foto: Dorothee Zimmer

metelen - 

Hape Kerkeling machte den Jakobsweg bekannt, unzählige Gläubige pilgerten schon auf ihm. Jetzt war auch Pastoralreferentin Ruth Bentler mit acht Metelenern unterwegs.

Von Dorothee Zimmer

Für Ruth Bentler stellte sich nie die Frage nach dem Ob, sondern lediglich nach dem Wann. „Ich wollte auf jeden Fall einmal ein Stück des Jakobsweges mit Santiago de Compostela als Ziel gehen“, erzählte die Pastoralreferentin jetzt in der Oase von einem langgehegten Wunsch.

Nicht zuletzt das Buch von Hape Kerkeling und das berühmte, quer durchs Kirchenschiff schwenkende Weihrauchfass mit seinen voluminösen Ausmaßen hätten ihr Interesse wachgehalten. „Da kam das Angebot der Pilgerreise vom Bistum Münster vom 5. bis 14. Oktober im vergangenen Jahr gerade recht.“

Sie und acht weitere Metelener Fußpilger seien höchst motiviert gewesen, die Distanz von 115 Kilometern zurückzulegen, um die Voraussetzungen für die angestrebte Pilgerurkunde zu erfüllen. Am Ende kamen sogar noch zehn Kilometer dazu. An den ersten beiden Tagen des Aufenthaltes mussten sie sich indes noch gedulden, erst dann konnten sie ihre „Dienstkleidung“ – Käppchen, Schultertuch und eine Kette mit Pilgermuschel - anlegen. Im Nachhinein bewertet sie das verordnete Innehalten positiv: „Wir hatten Zeit, die Seele nachkommen zu lassen. Das war Gold wert.“

Bentler erwähnte in ihrem ausführlichen Reisebericht gelegentlich, ihr eigenes Pilgern sei im Gegensatz zu manch anderen Leuten, die sie unterwegs traf, eine Variante in leichter Ausführung gewesen. Eine Gruppe aus Litauen zum Beispiel habe sich von ihrer Heimat aus auf den Weg gemacht und von Mai bis Oktober mehr als 4000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Respekt zollte Bentler zudem einer jungen Frau aus Italien, die mit Esel und Hund pilgerte und ohne Geld unterwegs war. „Manchmal hat sie gearbeitet, manchmal haben Pilger ihr und den Tieren etwas zu essen gegeben. Von uns hat sie auch etwas bekommen.“

Zwei Wörter auf Spanisch waren bei den Pilgern in aller Munde: „Jeder wünschte jedem immerzu ,buen camino’ – guten Weg.“ Daneben sei auch der Umgang untereinander von besonderer Qualität gewesen: „Man achtet sehr aufeinander. Wenn jemand zum Beispiel am Weg saß und seinen ausgezogenen Schuh in der Hand hielt, fragte bald ein Vorbeigehender, ob er irgendwie helfen könne.“

Als besonders eindrucksvoll empfand Bentler den Einzug einer größeren Schar von Pilgern in die Stadt. „Da wurde sogar der Verkehr angehalten: Die Pilger hatten Vorfahrt.“



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