Sa., 14.01.2017

Denkmalschutz Behutsamer Umgang mit dem Haus

Das Schmuckstück des Stiftsgebäudes ist der Salon mit seiner markanten Stuckdecke (Foto l.).

Das Schmuckstück des Stiftsgebäudes ist der Salon mit seiner markanten Stuckdecke (Foto l.). Foto: Dieter Huge sive Huwe

Metelen - 

Baustellenbesuch im Stiftgebäude: Das für die Ortsgeschichte so bedeutsame Haus wurde 2015 an die neuen Eigentümer verkauft und wird derzeit aufwendig saniert.

Von Dieter Huge sive Huwe

„Wir wollen hier das nächste Weihnachtsfest feiern.“ Johannes Schöns Worte klingen durchaus ambitioniert, schaut man sich in dem historischen Gebäude um. Die Böden sind teils aufgerissen, dicke Brocken Putz von den Wänden gepickt, offene Decken erlauben Einblicke. Das Stiftsgebäude, eines der historisch wertvollsten Objekte des Ortes, ist eine Großbaustelle.

Doch Johannes Schön, der gemeinsam seiner Frau Annette und der Familie Weritz vor anderthalb Jahren das Gebäude erwarb, ist zuversichtlich, dass das Haus spätestens Ende des Jahres das neue Domizil für die Schöns und zwei weitere Familienmitglieder, die im Obergeschoss einziehen, sein wird.

Seine Zuversicht speist sich dabei nicht durch Optimismus, sondern fußt auf einer umfassenden Analyse von Restauratoren und vor allem der des federführenden Architekten Peter W. Lippert. Der Warendorfer Experte, der eine Menge Erfahrung mit der Sanierung historischer Bausubstanz mitbringt, hat gemeinsam mit der Käufergemeinschaft auch das Konzept für die Sanierung erarbeitet, welches seit etlichen Monaten umgesetzt wird.

Bis auf die Grundsubstanz wurde das Innere des Stiftsgebäudes freigelegt – wobei die ganz großen Überraschungen ausblieben, wie Johannes Schön ausführt. „Natürlich ist vieles aus der Zeit der Errichtung des Hauses nicht mehr vorhanden. Im Laufe der Arbeiten wurde deutlich, wie sich das Gebäude über die Jahrhundert entwickelt hat. Größere Schäden, die zuvor so nicht erkennbar waren, gab es nicht.“

Doch auch ohne substanziell notwendige Eingriffe wird sich das Haus gegenüber dem Zustand, in dem es die Vorbesitzer übergaben, verändern. Der Raumschnitt soll zwar grundsätzlich erkennbar bleiben – vor allem der Bereich des markanten Salons ist hier gemeint – aber zugleich soll das Haus auch das Heim für die neuen Bewohner werden. Drei Generationen werden unter einem Dach wohnen und dafür müssen Räume geschaffen, umgenutzt und angepasst werden.

„Wir wollen dabei den Charakter des Hauses bewahren“, erklärt Schön, dass ihm ein behutsamer Umgang mit der Bausubstanz am Herzen liegt. Dies wird etwa deutlich an den Proben, welche Denkmalschützer an verschiedenen Stellen des Hauses entnahmen, um so Wandanstriche der vergangenen Jahrhunderte zu dokumentieren. Was Käufer denkmalgeschützter Objekte bisweilen auf die Palme bringt, freut Schön: „Hier sieht man doch die Geschichte dies Hauses.“

Dennoch sind an einigen Stellen auch unübersehbare Eingriffe notwendig, etwa im Raum hinter dem Salon, der aus statischen Gründen einen wuchtigen Stahl-Träger unter der Decke erhielt. „Den wird man später sehen“, erläutert Schön, dass auch die neuen Nutzer ihre Spuren sichtbar machen werden – als ihren Beitrag zur Entwicklung des Objekts. Dem zentralen Raum des Hauses, dem Salon, wird ferner eine zeitweise öffentliche Funktion zukommen. Klassikkonzerte oder auch die Nutzung für standesamtliche Trauungen unter dem historischen Kristalllüster sind hier angedacht.

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