Sa., 16.09.2017

Bahnhof Metelen-Land Sünden der Vergangenheit beseitigen

Zahn der Zeit: Christian Rieping von der gleichnamigen Tischlerei und die Architektin Nadine Schluch zeigen, wie marode die Hölzer des Fachwerks im Innern waren. Diese wurden durch abgelagerte Fichtenbalken ersetzt.

Zahn der Zeit: Christian Rieping von der gleichnamigen Tischlerei und die Architektin Nadine Schluch zeigen, wie marode die Hölzer des Fachwerks im Innern waren. Diese wurden durch abgelagerte Fichtenbalken ersetzt. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Metelen - 

Wie marode das Fachwerk des Museumsbahnhofs war, wurde erst bei dessen Sanierung deutlich. Die alten Balken liegen noch neben dem Gebäude und sind teils komplett durchgefault. Die Geldgeber des Sanierungsprojekts erkundigten sich jetzt nach dem Stand der Arbeiten.

Von Dieter Huge sive Huwe

Bauliche Sünden der Vergangenheit in alten Gebäuden rächen sich irgendwann. Das machte Nadine Schuch anlässlich eines Besuchs der Geldgeber für die Sanierung des Museumsbahnhofs Metelen-Land deutlich. Die Architektin benannte klar die Fehler, die in den 80-er Jahren gemacht wurden und deren Beseitigung jetzt richtig ins Geld geht.

Die Wahl falscher Materialien und vor allem Fehler beim konstruktiven Holzbau hatten dazu geführt, dass die Hölzer im Giebel des denkmalgeschützten Gebäudes teilweise moderten. Wie sehr, das wurde an den ausgebauten Balken deutlich, die noch neben dem Bahnhof lagern.

Dadurch, dass Mitte der 80-er Jahre der Dachüberstand an der Wetterseite zurückgebaut wurde, hatte die Witterung leichtes Spiel mit der Fassade. Feuchtigkeit drang ein, konnte nicht entweichen, da die Konstruktion durch teils mehrlagige Anstriche versiegelt war. Bei der Ausfachung sah es kaum besser aus: Hier war ein Zementputz genutzt worden – kontraproduktiv im Sinne einer atmungsaktiven Fassade.

„Wir hatten keine Möglichkeit, die alten Steine wiederzuverwenden“, machte die Architektin auf Nachfrage von Sigrid Karliczek, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, deutlich. Allerdings fanden die Planer nach ausgiebigen Recherchen in alten Lieferlisten einen Stein, der sehr gut zu der vorhandenen Verklinkerung im Erdgeschoss des Gebäudes passt.

Die Maurer waren bereits an der Arbeit und so hatten auch die anderen Vertreter der Geldgeber und der Gemeinde die Gelegenheit, einen Eindruck von der frisch sanierten Fassade zu bekommen. Bis das Gerüst abgebaut wird, dauert es allerdings noch ein wenig. Zwar haben die Zimmerleute der Firma Rieping aus dem Drensteinfurter Ortsteil Rinkerode in handwerklicher Manier bereits die neuen Balken verzapft und angebracht, noch aber fehlt der Dachüberstand, der jetzt wieder hergestellt wird. Auch sollen darunter Lärchenbretter verbaut werden. „Die sind einfach haltbarer“, führt Christian Rieping aus. Ungewöhnlich sei, so der Holz-Fachmann, dass die Konstruktion beim Bau ganz in Fichte erstellt wurde: „Das kennt man im Münsterland so nicht.“

Im Sinne der denkmalgerechten Sanierung wird aber auch jetzt wieder auf Fichte gesetzt – diesmal allerdings auf lang gelagerte Vollhölzer. Auch bekommen sie einen Leinöl-Anstrich, der das Holz atmen lässt, so dass sich nicht wieder die Feuchtigkeit im Innern ausbreiten kann.

Die Besinnung auf alte Handwerkstechniken sei ganz im Sinne des Denkmalschutzes, freute sich Sigrid Karliczek auch über die Ankündigung, dass bei der Sanierung der Innenwand mit Stapellehm gearbeitet werden soll.

Die äußere Fassade muss wegen der Fledermäuse im November fertig sein. Die Eisenbahn-IG hofft, ihr Museum im April 2018 wieder öffnen zu können.



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