Fr., 29.09.2017

Museumsbahnhof Gut gestampft ist gut gedämmt

Bernd Feldkamp demonstriert, wie der Lehm hinter der Schalung mit einem Stampfholz verdichtet wird.

Bernd Feldkamp demonstriert, wie der Lehm hinter der Schalung mit einem Stampfholz verdichtet wird. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Metelen - 

Die Sanierung des Museumsbahnhofs Metelen-Land macht Fortschritte. Schon jetzt sind die Maurer dabei, auch die Innenwände im Obergeschoss zu sanieren. Zum Einsatz kommt dabei ein handwerkliches Verfahren, bei dem Lehmputz in Holzschalungen gestampft wird. 

Von Dieter Huge sive Huwe

„Ach, warum muss ich denn mit aufs Bild?“, fragt Bernd Feldkamp. Doch der Mitarbeiter des örtlichen Fachbetriebs Wiggenhorn ahnt es schon: Nur wenn erkennbar ist, wie die neue Innenwand des Museumsbahnhofs aufgebaut wird, lässt sich auch der tiefere Sinn der Maßnahme erklären. Und zu eben diesem Aufbau gehört auch das Stampfen des Lehms.

Alles andere als 08/15 ist nämlich der neue, wärmedämmende Innenputz des Bahnhofs. Dieser soll atmen, die Feuchtigkeit der Fassade „diffundieren“ lassen, wie die Fachleute sagen. Architektin Nadine Schluch erläutert vor Ort, wie der Aufbau der neuen Wand aussieht: „Der Stampflehm wird hinter einer Schalung eingebracht, die anschließend teilweise entfernt wird. So kann das Material austrocknen. Man rechnet etwa mit einer Woche pro Zentimeter.“ Gut sechs Wochen dauert das bei sechs Zentimetern Putzaufbau. Erst danach wird die Innenverschalung, die aus Wärmedämm-Lehmplatten besteht, aufgebracht.

Doch soweit sind die Wiggenhorn-Mitarbeiter noch nicht, wenn auch schon in zwei Räumen die Westseite fertig verputzt – oder besser gesagt: gestampft – ist. „Das Verfahren ist für mich selber neu. Ich habe mal so etwas ähnliches bei einem Bau in Dortmund gesehen. Da wurde der Lehm aber zwischen den Holzlatten an die Wand geworfen und später mit einem Brett glattgezogen“, berichtet Bernd Feldkamp.

Für die neue Art der Außendämmung kann sich der Maurer durchaus begeistern. „Das dauert eben nur etwas länger“, berichtet er und zeigt auf eine der Innenwände, an der er mit zwei Kollegen einen ganzen Tag lang gearbeitet hat.

Statt der gewohnten Maurerkelle sind der Akkuschrauber und natürlich ein gebogenes Stampfholz die wichtigsten Utensilien. Die Lattung wird angebracht, der Lehm mit einem Kehrblech hineingegeben und dann gilt es, kräftig zu stampfen, um das Material zu verdichten. Später werden die schmaleren Latten herausgenommen und der Trocknungsprozess kann beginnen.

Im Bahnhof gibt es jedoch auch knifflige Ecken, die spezielle Tricks notwendig machen, damit der dämmende Lehm auch überall verbaut werden kann. So wurden von den Maurern für den Deckenbereich eigens Lehmplatten in einer Holzschalung hergestellt. Sind diese ausgehärtet, werden sie von unten zwischen der Außenwand und der Decke eingeschoben.

„Mit dem Stampflehm ist es möglich, die Unebenheiten des Fachwerks auszugleichen. Würden wir mit Platten arbeiten, blieben Hohlräume“, nennt Architektin Nadine Schluch einen weiteren Vorteil des Verfahrens.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5186087?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F