Sa., 30.09.2017

Metelenerin bei Fashion Week in Paris Modische Interpretation von Schizophrenie auf dem Laufsteg

Die Krankheit Schizophrenie in Kleidung zu interpretieren hatte sich die Metelener Modedesignerin Ricarda Nienhaus zum Ziel gesetzt. Ihre Entwürfe, zugleich Abschlussarbeiten ihres Studiums, wurden während der Fashion Week in Paris einem breiten Publikum präsentiert.  

Die Krankheit Schizophrenie in Kleidung zu interpretieren hatte sich die Metelener Modedesignerin Ricarda Nienhaus zum Ziel gesetzt. Ihre Entwürfe, zugleich Abschlussarbeiten ihres Studiums, wurden während der Fashion Week in Paris einem breiten Publikum präsentiert.   Foto: Jeanette Bäumer

Metelen - 

Eine Kollektion, die die psychische Krankheit Schizophrenie interpretiert, bildete den Abschluss des Modedesign-Studiums von Ricarda Nienhaus. Sie wurde während der Paris Fashion Week gezeigt. Die Metelenerin machte jetzt ihren Studienabschluss in Düsseldorf.

Von Valentina Rost

Schon als kleines Mädchen zeichnete sie Modekataloge, aus denen sich ihre Familienmitglieder dann Kleidungsstücke bestellen konnten. Jetzt hat Ricarda Nienhaus ihre frühkindliche Begeisterung zum Beruf gemacht. Nach Jahren harter Arbeit und unzähligen, schlaflosen Nächten zeigte die Metelenerin ihre Kollektion auf der Fashion Week in Paris. Drei Jahre hatte sie am Fashion Design Institut (FDI) in Düsseldorf Modedesign studiert und darf sich jetzt „internationale Fashion Designerin“ nennen.

Die 24-Jährige ist bekannt für ihr extravagantes, skurriles und auch geradliniges Design. Das trifft auch bei ihrer achtteiligen Abschlusskollektion zu. „Shizophrenia“, benannt nach der psychischen Krankheit, ist ihr ganzer Stolz. Und das nicht ohne Grund: In den acht Outfits stecken monatelange Arbeit, Herzblut, Können und vor allem ganz viel Leidenschaft. „Diese Kollektion ist einfach mein Meisterstück. Ich habe all meine Kraft und meine Gedanken dort hinein gesteckt. Ich bin mehr als stolz auf das, was ich hier innerhalb von ein paar Monaten auf die Beine gestellt habe.“

Fotostrecke: Modedesign aus Metelen

Auf den ersten Blick sieht man viel schwarz. Schaut man genauer hin, erkennt man die vielen aufwendigen Details und die einzigartigen Besonderheiten, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Kollektion ziehen. Von der Stoffauswahl über die Schnitttechnik bis hin zu den Accessoires. „Jede noch so kleine Kleinigkeit ist mir sehr wichtig. Es verleiht der Kollektion genau den Ausdruck, den ich erzielen wollte.“

Die verschiedenen schwarzen Stoffe stammen aus einem Stoffladen in Gronau. „Die meisten davon sind gar nicht für die Bekleidungsindustrie gedacht“, erzählt die Designerin. Für ihre letzte Arbeit am Fashion Design Institut hat sie mit außergewöhnlichen Materialien gearbeitet wie zum Beispiel mit einem grünen Kunstfellstoff, der an Federn erinnert und je nach Lichteinfall anders schimmert. Das feine rote Kuhfell und ein im Crackle-Effekt gefärbtes Nappaleder hat sie in London gefunden.

Eindrucksvolle Konstruktionen aus Kabelbindern

Wenn die Design Absolventin über ihre Kollektion redet, leuchten ihre Augen. „Obwohl zwar alles sehr auffällig und avantgardistisch wirkt, habe ich auf klare Linien geachtet.“ Damit bleibt Ricarda Nienhaus ihrer Handschrift treu und präsentierte auf der Fashion Week in Paris eine bemerkenswerte Herbst/Winter Kollektion 2017.

In jedem Outfit erkennt man ein Symptom der Krankheit. Ein Mantel, zum Beispiel, verdeutlicht die Verfolgungsangst, unter der viele der Betroffenen leiden, dadurch, dass er nur von hinten zu öffnen ist. Ein anderes Outfit lässt sich in vielen verschiedenen Varianten tragen – offen, geschlossen oder übereinanderlappend, das charakteristische Symbol der Entschlusslosigkeit.

Ricarda Nienhaus interessiert sich sehr für die menschliche Psyche. „Schizophrenie ist eine psychische Störung, die es häufiger gibt, als man denkt.“ Mit ihrer Kollektion will sie der Krankheit mehr Aufmerksamkeit schenken und zu Akzeptanz aufrufen. „Niemand sucht sich aus, an einer psychischen Störung zu erkranken, aber man kann versuchen, das Beste daraus zu machen und auch Außenstehende können dazu beitragen!“ Für die 24-Jährige sind diese Menschen besondere Individuen, für die sie sich mit ihrer Abschlussarbeit stark machen will.

Stark ist aber nicht nur ihre textile Arbeit. Auch die Fotostrecke, das Video und das Lookbook, was die Metelenerin zusätzlich zu ihrer Kollektion erarbeitet hat, ist eine Glanzleistung. Extra angefertigte „Headpieces“ verdeutlichen noch einmal mehr das Ausmaß der psychischen Störung und sorgen für eine geheimnisvolle, mystische Stimmung. Dafür hat sie zum einen hautfarbene Strümpfe kreativ-unheimlich bemalt und zum anderen eindrucksvolle Konstruktionen aus Kabelbindern angefertigt.

Talentierte Jungdesignerin

Dann der Moment, der ein Designerherz höher schlagen lässt: Models tragen ihre Einzelstücke auf der Fashion Week in Paris. „Ich bin überglücklich! Ich liebe es, meine Mode auf dem Laufsteg mit passender, lauter Musik in guter Atmosphäre zu präsentieren.“ Zusammen mit ihren Kommilitonen zeigt die 24-Jährige im L’oratoire du Louvre ihre Unikate einem bunt gemischten Publikum. Fotografen, Journalisten, Blogger, Fashionistas und natürlich die Familie und Freunde sind begeistert von der Show, würdigen die harte Arbeit mit Standing Ovations.

Bedrohlich und angsteinflößend sowie inspirierend und ästhetisch: das ist die Arbeit einer talentierten Jungdesignerin, die ihrem Zukunftswunsch einen riesigen Schritt näher gekommen ist. Und Ricarda Nienhaus bleibt nicht stehen: „Mich selbstständig zu machen ist mein großes Ziel. Es würde mich zu 100 Prozent erfüllen, wenn ich meine eigene Mode machen, verkaufen und meine Kunden damit glücklich machen kann. Aber dafür will ich erst noch mehrere Erfahrungen in der Modewelt sammeln.“

Mehr zum Thema

Fashion Week: Göttinen und Mumien bei Rick Owens in Paris

Mode: Yves Saint Laurent-Museum in Paris eingeweiht

Als Dozentin die Fächer Modedesign und Schnitttechnik zu unterrichten, klingt für die 24-Jährige auch interessant. „Egal ob kommerzielle oder so extravagante Mode wie meine – anderen jungen Talenten Input zu geben und sie in ihrem Denken zu unterstützen ist eine wichtige und zugleich inspirierende Aufgabe, die mich sehr reizt.“



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5188707?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F