Mo., 02.10.2017

Globetrotter Zurück mit dem Kastenbrot

Wiedersehen nach sechs Monaten: Bernd Vortkamp schließt seine Mutter Ingrid in die Arme.

Wiedersehen nach sechs Monaten: Bernd Vortkamp schließt seine Mutter Ingrid in die Arme. Foto: Dorothee Zimmer

Metelen - 

Bernd Vortkamp war ein halbes Jahr lang unterwegs – immer in östlicher Richtung. Mit dem Rad fuhrt der Metelener bis zum Baikalsee. Am Samstag kehrte er in die Vechtegemeinde zurück, herzlich empfangen von seiner Familie, Freunden und den Nachbarn.

Von Dorothee Zimmer

Es war Weihnachten 2016, da erzählte Bernd Vortkamp den Eltern und seinen Schwestern Dagmar, Eva und Esther von einem Plan, den er gefasst hatte: Er wollte mit dem Trekkingrad zum Baikalsee fahren. Ein halbes Jahr sollte die Reise dauern und über Polen, Litauen, Lettland und Russland rund 10 000 Kilometer weit bis nach Sibirien führen.

Anfang April setzte er – bepackt mit Zelt, Kocher und weiterer kleiner Ausrüstung – seinen Entschluss in die Tat um. Am Samstagabend traf der 32-Jährige mit einer Bärenfellmütze auf dem Haupt und einem am Baikalsee gekauften Kuaz-Bulli mit darin verstautem Rad wieder zu Hause am Seidenweberweg ein, wo er von der Familie, Verwandten, Freunden und Nachbarn herzlich empfangen wurde.

„Eigentlich war die Reise in dieser Form ein Kompromiss“, erzählen die Eltern Bernhard und Ingrid Vortkamp beim Warten auf die Ankunft des Sohnes, der noch im Stau steht. „Noch lieber wäre er zwei, drei Jahre unterwegs gewesen und dann um die ganze Welt gefahren.“ Dagegen sprach einiges, unter anderem eine feste Beziehung, so dass er sich für die vermeintlich kleinere Variante entschied. Seiner Mutter sagte er: „Das ist mein Lebenstraum. Wenn ich diese Fahrt jetzt nicht mache, würde ich es immer bereuen.“

Die Schwestern beschreiben ihn als „sehr heimat- und familienverbunden“. Der Kontakt wurde übers Telefon und WhatsApp gehalten. Bernd Vortkamp, der beruflich als Elektrotechniker weltweit unterwegs war und seine letzte Arbeitsstelle wegen des Vorhabens kündigte, antwortet später auf die Frage, was ihm auf der Reise gefehlt habe: „Am meisten vermisst habe ich meine Familie, meine Freundin und unseren Hund.“

Ein bisschen Radreise-erprobt war er schon vorher: Einmal fuhr er von München nach Metelen. Er machte eine Tour von der weißrussischen Grenze bis nach Hamburg und radelte in Schweden. Für den Weg zum Baikalsee legte er 7000 Kilometer mit dem Rad zurück und wegen schlechter Wetterbedingungen 3000 Kilometer mit der transsibirischen Eisenbahn. Den Heimweg trat er im 120 PS starken „Kastenbrot“ an – so lautet den Angaben des Vaters zufolge die deutsche Übersetzung für den russischen Bulli.

Es sind vor allem die Begegnungen mit Menschen, die dem Heimkehrer als erstes einfallen, wenn man ihn nach seinen Reiseeindrücken fragt. Er erzählt von erfahrener Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit wildfremder Menschen. Auch die ältere Generation in Polen, Lettland und Littauen sei ihm trotz Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg zugetan gewesen.

Öfter mal geärgert hat er sich über das gelangweilte Desinteresse des Personals, das er als Kunde in russischen Geschäften erlebte. „Sich mit dem Smartphone zu beschäftigen oder sich die Nägel zu lackieren war wichtiger.“

Die Reise insgesamt beschreibt Vortkamp als „toll“ und den Baikalsee als „spitze“. „Aber genau so würde ich nicht noch mal fahren, denn die Landschaft ändert sich zum Schluss kaum mehr. Man sieht lange Zeit nichts anderes als immer nur Birken, Nadelwälder und Steppe.“



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