Do., 05.10.2017

Frühschoppen der SPD Mehr zivile Prävention

Diskutierte beim SPD-Frühschoppen mit: Christoph Strässer.

Diskutierte beim SPD-Frühschoppen mit: Christoph Strässer. Foto: Susanne Menzel

Metelen - 

„Die Fluchtursachen bekämpfen“ war jetzt das Thema des SPD-Frühschoppens. Neben dem SPD-Politiker und Preußen-Präsidenten Christoph Strässer diskutierten der Mediziner Arnulf Lehmköster, Erich Joost sowie Birgit Krude und Conny Wiechers mit über das Thema.

Von Susanne Menzel

„Nicht die Flüchtlinge an sich sind die Krise, sondern diese Menschen kommen aus einer. Nicht die Flüchtlinge an sich sind eine Katastrophe, sondern sie sind aus einer geflohen.“ Manchmal sind es die Feinheiten, die einem Begriff, die einem Sachverhalt eine ganz andere Bedeutung geben.

Diese Feinheiten nahm SPD-Politiker Christoph Strässer beim Frühschoppen der Metelener Sozialdemokraten zum Thema „Die Fluchtursachen bekämpfen“ am Dienstagvormittag in der Gaststätte Elling genauer unter die Lupe. Sein Fazit: „Wir müssen mehr zivile Krisenprävention betreiben, um Menschen gar nicht erst in eine Fluchtsituation zu bringen. Wir müssen humanitäre Nothilfe leisten, wenn das Kind doch in den Brunnen gefallen ist. Und wir müssen einen Freihandel auf Augenhöhe – insbesondere auch mit afrikanischen Ländern – möglich machen.“ Viele der kleinen Projekte, wie sie an dem Vormittag vorgestellt wurden, hält Strässer (neben seinen politischen Aktivitäten auch Präsident von Preußen Münster) zwar „für wunderbar, aber man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass sie die Probleme in den Ländern lösen könnten. Es sind gute Ansätze, aber vieles muss auch global verändert werden.“

Einen ganz anderen Blick auf Hilfe vor allem in Entwicklungsländern eröffnete Dr. med.

Arnulf Lehmköster, der mit Hilfe von Kollegen für die Interplast Germany Sektion Vreden in zahlreichen Krisengebieten („nicht in Kriegsgebieten“) ehrenamtlich tätig ist. Für jeweils zwei Wochen reisen die Ärzte auf eigene Kosten zu Einsätzen von Uganda bis Pakistan, von Nepal bis in den Jemen, um dort Menschen mit angeborenen oder erworbenen Defekten durch eine plastisch-chirurgische Operation ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. „Wir wirken aber nur dort, wo die Teams vor Ort auch bereit sind, mit uns zusammenzuarbeiten“, sagte Lehmköster. „Wir wollen die Einheimischen stets mit ins Boot nehmen.“ Denn Hilfe zur Selbsthilfe ist der nächste Schritt. Interplast Germany schult die Ärzte nicht nur und bindet sie in die medizinischen Hilfen mit ein, sie richtet auch Operationssäle wieder her. Lehmköster: „Oftmals fehlt es vor Ort an der Grundausstattung. Da werden viele Millionen seitens der Regierung – wie etwa in Ruanda – in die Hauptstadt gesteckt, statt 500 000 Euro in Medikamententräger zu investieren, die unzähligen Menschen helfen könnten.“

Nach Afrika – speziell nach Uganda – ist auch die Unterstützung der Metelener Uganda-Hilfe ausgerichtet, die deren Vorsitzender Erich Joost vorstellte. „Wir wollten direkt

helfen“, schilderte er die Entwicklung einer Idee seit 1980. 37 Mitglieder (davon elf nicht aus Metelen) zählt die Initiative aktuell. Über 613 000 Euro an Spendengeldern sind in den Jahren zusammengekommen und unter anderem als Schulgeld oder für die Armprothesen einer jungen Frau verwendet worden. „Die Uganda-Hilfe ist im Ort genauso fest verwurzelt wie der Eine-Welt-Laden“, bestätigte Moderator und Ex-Bürgermeister Helmut Brüning.

Der Eine-Welt-Laden, vorgestellt von Birgit Krude und Conny Wiechers, mit aktuell neun

Mitstreitern „und für weitere offen“, ist seit vielen Jahren nicht mehr aus der Gemeinde wegzudenken. Kindergärten, aber auch Schulen, Erwachsene beim Einkauf oder der Weinprobe sind hier Gäste und Kunden. Ein gelebtes Beispiel im Kleinen im Umgang mit weltweiten Problemen. Wie Christoph Strässer betonte: „Das Zusammenspiel ist wichtig.“ Und wie Helmut Brüning fortsetzte: „Es gibt viele Fragen, die man sich zur Bekämpfung von Fluchtursachen stellen kann. Aber wer sich diesen Fragen stellt, muss auch die Antworten hören – und sich damit auseinandersetzen.“



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