Do., 26.10.2017

Vortrag von Tobias Schrörs Kirchenreform erst sehr spät eingeleitet

Der Diplom-Theologe Tobias Schrörs berichtete von seinen Forschungen über die katholische Reform um 1600.

Der Diplom-Theologe Tobias Schrörs berichtete von seinen Forschungen über die katholische Reform um 1600. Foto: Norbert Diekmann

Metelen/Schöppingen - 

Zu einem Vortrag über die Auswirkungen der Reformation in der Region lud der Arbeitskreis „Kulturraum Scopingau“ nun ein. Der Diplom-Theologe Tobias Schrörs hat sich intensiv mit Quellen aus dieser Zeit beschäftigt – und berichtete unter anderem von langen Mängellisten.

Von Norbert Diekmann

500 Jahre Reformation. Pfarrer em. Wolfgang Böcker spricht lieber von einem Gedenken als von einem Jubiläum. „Über die Kirchenspaltung, die wir seit der Zeit haben, kann ich nicht jubeln“, sagte Böcker am Dienstag bei einer Vortragsveranstaltung des Arbeitskreises „Kulturraum Scopingau“ im Alten Rathaus in Schöppingen. Böcker fügte hinzu, dass es auch nach einem Jahrhundert der Ökumene noch viel für die Einheit der Christen zu tun gebe.

Der Arbeitskreis hatte den Xantener Diplom-Theologen Tobias Schrörs eingeladen, über die Reformation und deren Auswirkungen in der Region zu berichten. „Wie hat die einfache Bevölkerung diese wilde Zeit erlebt?“, fragte Böcker. Schrörs konnte Antworten darauf geben, hat er sich doch intensiv mit den Quellen aus der Zeit beschäftigt.

Wie Luthers Thesen auf so breite Resonanz stoßen konnten, machte Schrörs mit einem kurzen Streifzug durch die Fehler der Kirche im 16. Jahrhundert verständlich: mangelhafte Ausbildung der Priester, Ämterkauf und Ämterhäufung, Konkubinat der Priester. Ausufernde Heiligen- und Reliquienverehrung führten zu einem Volksglauben, der oft in Aberglaube abglitt.

Lange dauerte es, bis die katholische Kirche als Reaktion auf Luther ernsthafte Reformbemühungen einleitete. Das Konzil von Trient beschloss von 1545 bis 1563 eine strikte Abgrenzung von den Lehren der Reformatoren, versuchte aber auch eine katholische Reform einzuleiten.

Mehrere Anläufe nötig

Zur Umsetzung der Konzilsbeschlüsse musste der Fürstbischof von Münster mehrere Anläufe unternehmen, bis seine Anstrengungen zur Rekatholisierung seines Territoriums erfolgreich war. Dabei fanden die Aktivitäten der Bischöfe Ernst von Bayern und seines Neffen und Nachfolgers Ferdinand von Bayern so gut wie keine Unterstützung durch das Domkapitel, das lieber auf alten Gewohnheiten beharrte.

Trotzdem dokumentierten die Visitatoren, die sie in die Gemeinden und Klöster ihres Bistums entsandten, ein anschauliches Bild von den Zuständen der Zeit. Aber an den festgestellten Mängeln wurde nur wenig geändert.

Erst ab 1613, fast 100 Jahre nach dem Beginn der Reformation, veranlasste Bischof Franz von Hoya eine erneute Visitation. Versehen mit ausführlichen Checklisten inspizierten die Visitatoren Kirchen, Priester und Gläubige.

Wieder eher katholisch

Daraus ergaben sich ausführliche Mängellisten, aus denen Tobias Schrörs die Befunde für die Orte und Stifte des Scopingaus vortrug. Sein Fazit: Priester und Gläubige waren zu dem Zeitpunkt wieder eher katholisch, aber es wurden auch immer wieder Indizien dafür genannt, dass das „Tridentinum“ die Lehren der Reformation noch nicht vollständig verdrängt hatte.

So spendete der Priester in Horstmar zwar die „Letzte Ölung“, sie wurde aber nicht häufig verlangt. Andererseits wurde der Laienkelch, der in den Gemeinden des Scopingaus während der Visitation von 1573 noch weit verbreitet war, nicht mehr erwähnt.

Erfolgreich war die Gegenreformation offenbar auch hinsichtlich des Konkubinats der Priester. Um 1573 lebte eine große Zahl der Priester in wilder Ehe. 1616, als die Gemeinden des Scopingaus visitiert wurden, wurde gelegentlich noch erklärt, dass der Pfarrer seine Konkubine weggeschickt habe. Der Fortgang der katholischen Reform wurde dann 1618 durch den Beginn des 30-jährigen Kriegs verhindert.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5247266?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F