Mo., 30.10.2017

KIM-Konzert Beschwörend und betörend

Vier Frauen, vier Männer: Das Ensemble „Vokalformat 8“ gastierte in der Metelener Kirche.

Vier Frauen, vier Männer: Das Ensemble „Vokalformat 8“ gastierte in der Metelener Kirche. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Metelen - 

Ein Konzertabend, der die Zuhörer betörte: Das Ensemble „Vokalformat 8“ trat am Samstag in der Kirche Ss. Cornelius et Cyprianus auf. Sphärisch schöne Klänge erwarteten das Publikum.

Von Elvira Meisel-Kemper

Nicht nur im Namen dieses ungewöhnlichen Konzertabends „Incantations“ (Beschwörung, Zauberformel) lag der überraschende Zauber alter und neuer geistlicher Lieder, sondern auch in der Kommunikation der klassisch ausgeprägten Stimmen der acht Sänger von „Vokalformat 8“ mit der tragenden Akustik der Kirche Ss. Cornelius et Cyprianus. Dorthin hatte die Kulturinitiative Metelen (KIM) das aufstrebende A-Capella-Ensemble eingeladen.

„Das Konzert ist nicht nur Beschwörung, sondern auch Betörung“, sagte KIM-Vorsitzende Brigitte Schmitter- Wallenhorst, als sie die zahlreich erschienenen Zuhörer begrüßte. Der Kontakt zum Amateur-Chor sei über die Landesmusikakademie NRW in Nienborg geknüpft worden, berichtete sie.

Das älteste Werk war die Vertonung des Psalms 137 „An den Wassern von Babel“ von Heinrich Schütz (17. Jahrhundert). Die Sänger machten an diesem Abend aus der Sprachverwirrung der Menschen ein mehrstimmiges Musikdrama, in dem die Verzweiflung der Menschen und die Empörung über das selbst verursachte Gottesurteil direkt körperlich spürbar wurden.

Zur Beruhigung der Gemüter las Norbert Göller, Vater einer Sängerin, Passagen aus Nikolaus Kopernikus‘ „Weltwunder“ und aus Johann Wolfgang von Goethes „Grenzen der Menschheit“. „Die Texte sollten auf die Ordnung, die Planeten, die Sterne, die Welt fokussieren“, verriet Göller nach dem Konzert. Sie waren das Bindeglied zwischen den geistlichen Liedern und ihr Spiegel.

Gottfried August Homilius vertonte im 18. Jahrhundert den Text aus dem Matthäus-Evangelium „Da es nun Abend ward“. Johann Christoph Bach hatte bereits im 17. Jahrhundert Bibeltexte vertont, die ebenfalls vom Chor in stimmgewaltiger und spannungsreicher Interpretation gesungen wurden. Spannungsreich waren ebenso die Werke junger, international agierender Komponisten wie Wolfram Buchenberg, Ola Gjeilo oder Randall Stroope.

Immer wieder durchwanderten die Sänger den Kirchenraum, erzeugten durch das Reiben von Glasrändern sphärisch-schöne Klänge, betonten durch Stampfen die Vehemenz oder durch Flüstern die besondere Brisanz.

Am Ende des Konzerts standen die zahlreichen Besucher auf, klatschten und machten so ihrer „Betörung“ minutenlang Luft. Das Ergebnis waren strahlende Gesichter der vier Sängerinnen Ursula Göller und Anne Günster (beide Sopran), Marie König und Nathalie Martin (beide Alt) sowie der Sänger Johannes Budday und Johannes Heieck (beide Tenor), Jonas Henser und Jan Liermann (beide Bass).

„Uns hat es hier sehr gut gefallen. Ich bin zwar in Burgsteinfurt geboren, aber woanders aufgewachsen. Heute bin ich zum ersten Mal wieder in der Region. Das war ein Frevel, dass ich das nicht schon früher gemacht habe“, bedankte sich Jonas Henser im Namen seiner Mitstreiter vor der Zugabe.



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