Mo., 06.11.2017

Wildunfälle Rehe gucken nicht auf die Uhr

Wildunfälle passieren das ganze Jahr über – nach der Zeitumstellung im Oktober ist die Gefahr jedoch besonders groß.

Wildunfälle passieren das ganze Jahr über – nach der Zeitumstellung im Oktober ist die Gefahr jedoch besonders groß. Foto: dpa/Heidrun Riese

Metelen - 

In jedem Jahr werden den Versicherungen mehr als 260 000 Wildunfälle gemeldet. Auch rund um Metelen kommt es immer wieder zu ungewollten Aufeinandertreffen von Tier und Auto – und oft wissen die Betroffenen nicht, was in einer solchen Situation zu tun ist. Mark Langhorst, Vorsitzender des Hegerings Metelen, gibt ein paar Tipps.

Von Heidrun Riese

Auf dem Weg in den Feierabend setzt die Dämmerung ein. Gerade rechtzeitig erkennt der Autofahrer noch, dass ein paar Rehe über die Straße huschen. Er bremst vorsichtig und kann einen Zusammenstoß verhindern.

Nicht immer geht eine solche Begegnung glimpflich aus. 700 bis 800 Mal am Tag scheppert es in Deutschland. In jedem Jahr werden den Versicherungen mehr als 260 000 Wildunfälle gemeldet. Auch rund um Metelen kommt es jedes Jahr zu ungewollten Aufeinandertreffen von Tier und Stoßstange oder Motorhaube – und oft wissen die Betroffenen nicht, was in einer solchen Situation zu tun ist. Mark Langhorst, Vorsitzender des Hegerings Metelen, gibt ein paar Tipps.

„Wildunfälle passieren das ganze Jahr über“, stellt er eingangs klar. „Erhöhte Gefahr besteht während der Ernte- oder Paarungszeit, aber auch nach der Zeitumstellung.“ Dass der Feierabendverkehr nach dem letzten Oktober-Wochenende plötzlich eine Stunde später rollt, also fast schon im Dunkeln, verstehen die Tiere nicht. „Rehe gucken nicht auf die Uhr“, verdeutlicht der Hegeringsleiter. „Sie orientieren sich an Sonnenauf- und untergang.“ Daher sollten Autofahrer in dieser Zeit große Vorsicht walten lassen. Besonders an den Stellen, an denen häufiger Wild die Straßenseite wechselt.

Welche das sind, darauf weisen zum Beispiel die dreieckigen Schilder mit dem roten Rand und dem springenden Reh hin. Hilfreich sei auch, so Langhorst, einen Blick auf die Pylone am Fahrbahnrand zu werfen. Sind dort blaue Reflektoren zu erkennen, sind wahrscheinlich Tiere in der Nähe. „Jäger bringen diese Reflektoren an, um das Wild von der Straße fernzuhalten“, erklärt der Hegeringsleiter, der zu genereller Vorsicht auf ländlichen Straßen rät. „Die meisten Wildunfälle passieren, wo Bäume, Sträucher oder Getreide stehen.“

Wenn dann ein Reh über die Straße renne, informiert Langhorst, „ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass weitere folgen“. Aber auch Wildschweine, Füchse oder Fasane kreuzen häufig den Weg. Und wie sollte sich ein Autofahrer in dieser Situation verhalten? „Sobald man Wild sieht, die Geschwindigkeit drastisch reduzieren, das Fernlicht ausschalten und auf die Hupe drücken, um die Tiere aufzuscheuchen“, lauten die Hinweise des Hegering-Vorsitzenden für den Fall, dass noch genügend Abstand besteht. Ist das Wild bereits ganz nah, gibt es verschiedene Möglichkeiten: „Bremsen oder ausweichen“, zählt Langhorst auf. „Aber nur bei angemessener Geschwindigkeit und auch nur dann, wenn der Verkehr es zulässt, um nicht selbst Leib und Leben zu riskieren.“ Und wenn all das nicht mehr geht? „Abblenden, das Lenkrad fest und gerade halten, versuchen abzubremsen und den Wildunfall in Kauf nehmen“, rät Langhorst. „Das ist die sicherste Methode für Autofahrer.“

Nach dem Zusammenprall muss die Unfallstelle gesichert werden. Sind dabei Personen zu Schaden gekommen, ist zuerst ein Notruf abzusetzen. Wurde allein das Tier verletzt oder getötet, reicht es, die Polizei zu verständigen – oder, falls bekannt, den zuständigen Jäger. Ist das Wild auf und davon, sollte außerdem die Stelle gekennzeichnet werden, an der es angefahren wurde. „Damit der Jäger es findet und es nicht elendig verenden muss“, erklärt der Hegeringsleiter. Verletzte oder tote Tiere sollten zur Seite gezogen, aber auf keinen Fall mitgenommen werden. „Das fällt unter den Tatbestand der Wilderei.“ Auch vom Griff zum Taschentuch, um die Blutspur von der Stoßstange zu wischen, rät Langhorst ab. „Bis die Versicherung den Schaden aufgenommen hat, die Stelle nicht säubern“, lautet sein Tipp. „Oder wenigstens Fotos machen.“ Und: Keine Scheu davor haben, den Polizisten oder Jäger nach seinem Namen zu fragen. Denn er muss das Gutachten unterschreiben.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5267191?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F