Do., 09.11.2017

KIM-Lesung Literarische Entdeckung

Gemütlich und lustig ging es zu beim Leseabend der KIM in der Kulturetage.

Gemütlich und lustig ging es zu beim Leseabend der KIM in der Kulturetage. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Metelen - 

„Lesezeit“ ist eine neue Reihe der Kulturinitiative Metelen (KIM) überschrieben, die Bücherfreunden die Möglichkeit gibt, in der Kulturetage ihre Lieblingsliteratur einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Den Anfang machte Joachim Fontaine, der „Sonderpunkte“ vorstellte.

Von Elvira Meisel-Kemper

„Lesezeit“ nennt sich die neue Reihe, in der die Kulturinitiative Metelen (KIM) jedem die Gelegenheit gibt, in einer Lesung seine Lieblingsliteratur in der Kulturetage an der Wettringener Straße 2 zu präsentieren. Joachim Fontaine füllte bei der Premiere diesen Abend mit Geschichten aus dem Büchlein „Sonderpunkte – Geschichten von Münsteranern“.

Auszüge aus Heinrich Heines „Wintermärchen“ aus dem Jahr 1844 schickte Fontaine aus gutem Grund vorneweg. Heines Reise führte ihn quer durchs Münsterland nach Tecklenburg, wo er den Tecklenburger Wein vorgesetzt bekam. Dazu hatte Fontaine ebenfalls Tecklenburger Weine besorgt, die er der überschaubaren Besucherschar anbot. „Kaum bekannt ist, dass seit dem 16. Jahrhundert Wein in Tecklenburg angebaut wird“, erläuterte Fontaine.

Von den 23 Geschichten aus dem Buch „Sonderpunkte“ wählte Fontaine ein Drittel aus. Wer im Untertitel des Buches vermutet hatte, es könnte sich um Dönnekes oder Historisches aus Münster handeln, der lag vollkommen falsch. Die Buch-Beiträge, die überwiegend von Autodidakten geschrieben wurden, markierten Erzählungen, die das Leben schrieb. „Es sind Geschichten, wie das Leben so spielt“, bezeichnete Fontaine es.

Bereits in der ersten Geschichte von Angelika Brox, die sie „Tanzender Vogel“ nannte, wurde deutlich, wie ein einzelnes Erlebnis die Gemütslage vollkommen verändern kann. Die Ich-Erzählerin fuhr mit einer nicht so guten Laune los. Diese Gemütsverfassung hielt sich, bis sie eine knallrote „Ente“ hinter sich sah, in dem sich der einzige Insasse merkwürdig lebhaft bewegte. Enten nannte man früher die schaukelnden Autos der Baureihe 2 CV der französischen Marke Citroën. An diversen Ampeln sah sie immer wieder in den Rückspiegel, um den Mann zu beobachten. Letztlich bemerkte sie, dass der Mann sang. Ein „Tschüss Elvis“ schickte sie ihm hinterher, als sich ihre Wege trennten.

Berührend waren die Geschichten „Ein Chromosom mehr im Bus“ von Christine Dosche und „Der Augenblick der Liebe“ von Annegret Gaidies. In der ersten Geschichte zogen Sebastian, der ein Down-Syndrom hat, und seine Mutter im voll besetzten Bus die Blicke auf sich. Als Sebastian ihr lautstark, so dass es jeder im Bus hören konnte, sagte, dass er sie liebe, wandelte sich die Neugier in ein gegenseitiges Lächeln um.

Gaidies erzählte die Geschichte eines alten Ehepaares, das beim Probealarm zusammenzuckte, sich aneinander klammerte und weinte. „Das Gedächtnis des Krieges hat sie eingeholt. Sechs Jahre ihres Lebens haben sie im Krieg gelebt. Die Liebe ist das einzige Bollwerk gegen alles Schlechte“, las Fontaine aus Gaidies´ Geschichte.

Erheiterung lösten die Geschichten „Mäusetheke“ von Jons Marek Schiemann und „Mein Haushaltswarengeschäft“ von Ulrich Gerbing aus. Durch Gerbing, den Fontaine persönlich kennt, stieß er auf diese Geschichtensammlung. Auch dafür gab es Applaus.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5274586?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F