Do., 28.12.2017

Selbsthilfegruppe Schicksal gemeinsam leichter tragen

Kleine Hautveränderungen können Hinweise auf ernsthafte Krebserkrankungen sein.

Kleine Hautveränderungen können Hinweise auf ernsthafte Krebserkrankungen sein. Foto: dpa

Metelen - 

Der schwarze Hautkrebs hatte bereits Metastasen im seinem gesamten Körper gebildet, doch eine neuartige Therapie brachte Karl-Heinz Kupfer sein Leben zurück. Seither engagiert sich der Metelener für andere Betroffene und ist Mitinitiator der einzigen Selbsthilfegruppe für Hautkrebsbetroffene in der Region.

Von Dieter Huge sive Huwe

Karl-Heinz Kupfer ist ein Mann, der vor Energie förmlich sprüht. Ein Macher, der auch in der Zeit, als er noch im Beruf war, stets nach vorne schaute. Quer durch die Republik brachte ihn sein Job als Einkaufsleiter bei einem Konzern. Ein Mann, der Verantwortung gern übernahm. Metelen schließlich sollte der Ruhepol nach einem erfüllten Arbeitsleben werden. 2013 zog Kupfer mit seiner Frau in das schmucke Häuschen.

Ein kleiner, brauner Fleck auf der rechten Seite der Stirn sollte das Pensionär-Idyll jäh erschüttern. Kupfer konsultierte einen Arzt, der ihn als unspezifischen Altersfleck bewertete. Der Wahl-Metelener war zunächst beruhigt. „Als auf dem Fleck etwas wuchs, das aussah wie eine rote Linse, ließ ich das Ganze nicht mehr auf sich beruhen“, schildert er. Die Diagnose, die er jetzt bekam, hätte auch ein Todesurteil sein können: Malignes Melanom, schwarzer Hautkrebs. Und weitere Untersuchungen ergaben, dass dieser bereits gestreut hatte. „Der ganze Körper war voller Metastasen, alle Organe befallen.“

Die Diagnose war schockierend. Doch Kupfer, der Macher, gab nicht auf. Eine neuartige Therapie, die erst seit wenigen Monaten zugelassen war, half ihm. „Ich war einer der Ersten, die damit behandelt wurden“, schildert Kupfer, dass die Immuntherapie bei ihm anschlug. Sie war so erfolgreich, dass er mittlerweile frei von Metastasen ist. Der Kontakt zum Uniklinikum, in deren Hauttumorzentrum Kupfer behandelt wurde, besteht aber fort. Regelmäßige Checks sind unabdingbar nach einer solch lebensbedrohlichen Erkrankung.

Dr. Carsten Weishaupt ist der Leiter dieses Zentrums und ihm war der agile Patient aufgefallen. Die Idee, eine Selbsthilfegruppe für Patienten und Menschen mit Melanomen anzustoßen, hatte der Arzt schon länger – einen Betroffenen, der sie auch umsetzen konnte und wollte, in dem Metelener gefunden.

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es viele Patienten mit Hautkrebs noch viel schlechter geht als mir damals. Dabei trägt sich ein Schicksal doch gemeinsam leichter“, beschreibt Kupfer seine Entscheidung, mitzumachen und die Selbsthilfegruppe aufzubauen.

Anfang Oktober traf sich die Selbsthilfegruppe Hautkrebs Münsterland erstmals. „Das war ein voller Erfolg“, blickt Kupfer auf etwa 30 Besucher in der Runde zurück, die zu der Premiere aus der Region in Hauttumorzen­trum nach Münster gereist waren. Dies war ein deutlicher Beweis dafür, dass eine derartige Gruppe in der Region bisher fehlte.

Kupfer berichtete, dass die Patienten ganz unterschiedliche Krankengeschichten haben, verschiedenste Therapien durchlaufen oder abgeschlossen haben. Längst nicht in allen Fällen entwickelt sich der Verlauf der Krankheit so glücklich wie bei dem Mitgründer der Gruppe selber: „Ziel der Gruppe ist es, dass sich Menschen mit dieser ernsten Diagnose gegenseitig auffangen. Bisweilen machen wir da weiter, wo die medizinische Seite aufhört“, beschreibt er die Aufgabe der Gruppe.

Information gehört auch dazu. So arbeitet Kupfer daran, für die monatlichen Treffen (aktuell jeder dritter Donnerstag im Monat, Seminarraum der UKM-Hautklinik) Referenten zu organisieren, welche Themen, wie etwa die neuartige Immuntherapie, mit ihrem Expertenwissen fachkundig erläutern.

Kupfer, der Macher, der jetzt 72 Jahre alt ist, hat eine neue Aufgabe gefunden, in der er aufgeht, und in der er sich voll engagiert. Es ist die neunte Gruppe ihrer Art in Deutschland und im Münsterland und dem östlichen Ruhrgebiet die einzige. Dr. Weishaupt weiß, wie wichtig sie für die betroffenen Menschen ist: „Wir haben hier eine Lücke für die Patienten der Region geschlossen.“

Zum Thema

Kontakt für Betroffene: Karl-Heinz Kupfer, E-Mail: kupfer-info@t-online.de



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