Mi., 07.02.2018

Buchautorin und Karrierecoach im Interview „Wir müssen sichtbar sein“

Sabine Asgodom (r.) war jetzt zu einem Seminar auf Einladung des Unternehmerinnen-Netzwerks – im Bild deren Vertreterin Hildegard Löring – im Ort.

Sabine Asgodom (r.) war jetzt zu einem Seminar auf Einladung des Unternehmerinnen-Netzwerks – im Bild deren Vertreterin Hildegard Löring – im Ort. Foto: Sabine Sitte

Metelen - 

Sabine Asgodom scheint Gefallen an Metelen gefunden haben. Nach dem bejubelten Auftakt im Bürgerhaus gab sie jetzt in einem Workshop Tipps, wie das Potenzial der eigenen Persönlichkeit vermittelt werden kann. Im September soll es ein weiteres Seminar geben.

Von Sabine Sitte

Eigenlob stimmt? Ja, behauptet Buchautorin und Karrierecoach Sabine Asgodom. 39 Frauen und zwei Männer waren jetzt der Einladung des örtlichen Unternehmerinnen-Kreises zum gleichnamigen Seminar ins Rathaus gefolgt und wollten es genau wissen: Wie viel Potenzial steckt in meiner Persönlichkeit? Was bringt mich im Beruf und im Unternehmen weiter? Nach dem Seminar sprach unsere Mitarbeiterin Sabine Sitte mit der Erfolgsautorin.

Bitte loben Sie sich einmal kurz selbst!

Sabine Asgodom: Sich zu präsentieren hat mit Selbstlob nichts zu tun. Es hat damit zu tun, zu sagen was man macht. Eigenlob stimmt, ja. Das ist innerlich. Ich gehe nicht rum und lobe mich selbst. Ich muss mich innerlich gut finden, damit ich nach außen meine Frau stehen kann. Wenn ich gefragt werde, was ich mache, sage ich immer ganz klar: Ich bin Buchautorin, Trainerin, Rednerin und Coach. Und die Vielfalt ist schon beeindruckend und überzeugt Menschen, dass da was Besonderes ist.

Mein Haus, mein Boot, mein Kontostand – Wo ist der Unterschied zwischen Eigenlob stinkt und Eigenlob stimmt?

Asgodom: Eigenlob stinkt, wenn wir denken, wir müssen uns selbst beweisen: „Ich habe ein außergewöhnliches Konzept entwickelt, ich habe etwas Einzigartiges . . .“ das braucht alles kein Mensch. Sagen Sie einfach was ist, was Sie tun. Das ist überzeugend genug. Aber sagen Sie es! Man kann es uns nicht an der Nasenspitze ansehen, wer wir sind und was wir machen.

In dem Buch „Eigenlob stimmt“ steht der Spruch „Loben Sie einen Menschen und Sie werden erfahren, wie er sich selbst achtet“. Ist da was dran?

Asgodom: Absolut. Das kennt man ja, dass man ein Lob für geleistete Arbeit abwertet.

Passiert das öfter Frauen?

Asgodom: Ja. Es ist eher eine Frauengeschichte, weil wir anders erzogen werden. Wir werden erzogen „sei sittsam und bescheiden, dann kann dich jeder leiden“. Mich fasziniert, dass es bis heute immer das Gleiche ist: Die neue Generation der 25- bis 30-Jährigen ist genauso bescheuert wie wir in dem Alter. Ich fasse es nicht! Was haben wir in unserer Erziehung falsch gemacht?     Offensichtlich ist dieses Frauenbild so zementiert – „sei vorsichtig; rede nicht, wenn du nicht hundertprozentig sicher bist; mach’s erst, wenn du perfekt bist“ – der Perfektionswahn von Frauen wird ja immer schlimmer. Diese Unbeholfenheit in Selbst-PR, das fällt mir immer wieder auf. Bei Mädchen größer als bei Jungs.

Selbst-PR – Was ist das? Wie würden Sie das in wenigen Sätzen beschreiben?

Asgodom: Das ist Öffentlichkeitsarbeit für sich selber. Ich sorge dafür, dass ich sichtbar werde. Wir müssen sichtbar sein – gerade wir Selbstständigen – sonst kommen die Kunden nicht. Du kannst die tollste Selbstständige der Welt sein, wenn es keiner weiß, kommt keiner.

Zielgruppe Selbstständige: Wie war das Seminar heute besetzt?

Asgodom: Wir hatten alles hier. Eine selbstständige Modegeschäftsinhaberin, die Inhaberin einer großen Pflegeeinrichtung, Verwaltungsangestellte, andere Coaches waren da. Und eine Bäuerin.

Sie sind jetzt zum zweiten Mal in Metelen. Wie sind Sie überhaupt auf Metelen gekommen?

Asgodom: Hildegard Löring hat mich vergangenes Jahr gefragt, ob ich hier (im November 2017 im Rahmen des Unternehmerinnen-Kreises Steinfurt; Anm. der Redaktion) einen Vortrag halten könnte und da habe ich gesagt: Klar, mache ich. Sie hat das organisiert und dann war der Bürgermeister Krabbe da. Der wollte eigentlich nur das Grußwort sprechen und ist dann aber den ganzen Abend geblieben. An dem Abend haben wir dann noch überlegt, hier ein Seminar anzuschließen, jetzt kannten mich ja so viele, und da hat er uns sofort diesen Raum hier zur Verfügung gestellt. Alle Achtung! Und ich finde es klug, weil er weiß halt, dass alle diese Frauen, die hier sitzen, Multiplikatoren sind. Das sind die, die seine Gemeinde voranbringen. Also richtig klug.

Die Verwaltung hat für heute auch einiges möglich gemacht?

Asgodom: Die hat uns unterstützt ohne Ende. Die haben uns den Raum und Parkplätze frei gehalten, so dass wir alle hier stressfrei diesen Tag arbeiten konnten. Ein großes Dankeschön.

Kam heute auch die Formel der Gewichtung der Kriterien für den Erfolg zur Sprache? Leistung spiele dabei zu zehn Prozent eine Rolle, Selbstdarstellung mache 30 Prozent des Erfolges aus und die restlichen 60 Prozent werden durch Kontakte und Beziehungen entschieden?

Asgodom: Ja. Doch es bedeutet nicht, dass man nur zu zehn Prozent Leistung bringen muss. Das darf nicht verwechselt werden. Unterschiedliche Leistung spielt nur zu zehn Prozent eine Rolle, denn die meisten Leistungen sind vergleichbar. Es reicht nicht, dass man denkt, ich bringe doch hier Leistung. Es braucht Selbstdarstellung – ich nenne es Erfolgskommunikation: reden über das, was gelingt. Frauen reden meistens nur mit Vorgesetzten, wenn sie Probleme haben. Das macht natürlich einen eindeutigen Eindruck. 60 Prozent ist: Zeig dich! Geh’ raus, rede mit Menschen, geh in die Kantine, setz’ dich an einen Tisch mit Menschen, die du noch nicht kennst. Also raus aus der Komfortzone. Mach auf dich aufmerksam, geh’ in Projektteams, bring dich da ein und mach’ dir einen Namen. Es gibt so viele Klassefrauen in Unternehmen, die machen super Arbeit und keiner weiß es.

Sie sind einzigartig! – Welches Gefühl löst dieser Satz bei Ihnen aus?

Asgodom: Stimmt! (lacht herzhaft) Und zwar: Einzigartig heißt nämlich nicht, ich bin besser als andere, das heißt nur, ich bin anders. Dazu kann jeder Mensch ja sagen. Ja, das kitzle ich gerne heraus. Ich kann Impulse geben, ich kann inspirieren, ich kann Menschen in ein anderes Denken bringen und dann ist es ein Prozess. Es ist immer ein Prozess und kein Schalter, den man umlegt.

Sie sind immer unterwegs. Wann nehmen Sie sich Zeit für sich?

Asgodom: Das hier macht ja keinen Stress. Ich mache das so gerne. Heute hier ist für mich wie Urlaub, denn ich mache das, was ich gerne mache mit Menschen, die mich schätzen und verdiene noch Geld damit. Mehr kann man doch nicht wollen.



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